Der grausame Charakter des Menschen
Am 10.7.09 schrieb Wolfgang Sofsky einen Artikel zu obigem Thema aus aktuellem Anlass: In München hatten drei schweizer Jugendliche etliche Passanten grundlos zusammengeschlagen, einen davon derart, dass sein Gesicht rekonstruiert werden musste (!!!) und dieser wahrscheinlich erblinden wird, geschweige denn noch ein normales Leben führen kann. Dies passierte auf einer Schulreise nach genügend Alkoholkonsum. Die Oeffentlichkeit ist schockiert und hofft auf harte Strafen. Die Jugendlichen waren nicht aus sogenannt schwierigen Verhältnissen gekommen, gehören jedoch aus meiner Sicht gleichwohl zu den Verlierern, da sie ein zehntes Schuljahr absolvierten, was in der Schweiz als Abstellgleis für solche ohne Lehrstelle gesehen wird.
Egal. Wie auch immer die Verhältnisse sind, entschuldbar sind die Taten natürlich nicht. Man fragt sich jedoch, warum die Schläger noch auf ihr Opfer einprügelten, als es schon wehrlos am Boden lag. Wie kann man eigentlich jemandem einfach so mit voller Wucht ins Gesicht treten, ohne Hemmungen?
Dann erschien eben jeder Artikel von Sofsky. Er beschreibt Sadisten, die gerne andere Menschen quälen. Er stellt sich vor, dass solche Leute mit Vorliebe einen Beruf wählen, wo sie andere überwachen und bestrafen können. Grausamkeit zielt auf vollkommene Macht über andere. Dabei steht nicht der Wunsch nach Töten im Vordergrund, sondern der Genuss der Ohnmacht des Opfers angesichts der Willkür des anderen und der Unvorhersehbarkeit der kommenden Pein.
Der Schinder begeht das Böse nicht um des Bösen willen. Er findet Gefallen daran, frei zu sein von Moral, Gesetz, Scham, Mitgefühl. Er fühlt sich frei von Recht und Unrecht, und neben Geltungsdrang kann auch einfach Langeweile der Antrieb zur Grausamkeit sein. Neben hochmütigen oder untertänigen Menschen sind vor allem feige Menschen gefährdet, grausam zu sein. Feige stürzen sie sich auf das Opfer, wenn es schon wehrlos am Boden liegt und ihnen der "Sieg" sicher ist. Sie lassen so für einmal ihre ängstliche Existenz hinter sich.
Wie Sofsky in seinem Buch "Das Buch der Laster" im Kapitel "Grausamkeit" die Folter beschreibt, ist fast nicht zu lesen, so schrecklich ist es geschrieben.
Und dennoch - ich frage mich, ob man die oben beschriebene Tat damit erklären kann. Feige, ja, das waren die drei, die also in der Ueberzahl waren und den Ueberraschungseffekt auf ihrer Seite hatten. Aber sie haben einfach zugeschlagen und nicht mehr aufgehört, nicht langsam gefoltert. Was fehlte? Einer von ihnen war ein absoluter Sportler, beliebt, geregeltes Heim, kein Scheidungskind. Leserbriefschreiber meinen, das sei die fehlende Erziehung gewesen. Dem möchte ich mich in diesem Moment auch anschliessen.
Schliesslich haben wir Regeln erfunden, damit das Zusammenleben untereinander funktioniert, und diese Regeln richten sich nicht nach dem Recht des Stärkeren. Da diese Regeln nicht "natürlich gegeben" sind, muss man sie erlernen. Und das sollte in jungen Jahren daheim passieren.
Egal. Wie auch immer die Verhältnisse sind, entschuldbar sind die Taten natürlich nicht. Man fragt sich jedoch, warum die Schläger noch auf ihr Opfer einprügelten, als es schon wehrlos am Boden lag. Wie kann man eigentlich jemandem einfach so mit voller Wucht ins Gesicht treten, ohne Hemmungen?
Dann erschien eben jeder Artikel von Sofsky. Er beschreibt Sadisten, die gerne andere Menschen quälen. Er stellt sich vor, dass solche Leute mit Vorliebe einen Beruf wählen, wo sie andere überwachen und bestrafen können. Grausamkeit zielt auf vollkommene Macht über andere. Dabei steht nicht der Wunsch nach Töten im Vordergrund, sondern der Genuss der Ohnmacht des Opfers angesichts der Willkür des anderen und der Unvorhersehbarkeit der kommenden Pein.
Der Schinder begeht das Böse nicht um des Bösen willen. Er findet Gefallen daran, frei zu sein von Moral, Gesetz, Scham, Mitgefühl. Er fühlt sich frei von Recht und Unrecht, und neben Geltungsdrang kann auch einfach Langeweile der Antrieb zur Grausamkeit sein. Neben hochmütigen oder untertänigen Menschen sind vor allem feige Menschen gefährdet, grausam zu sein. Feige stürzen sie sich auf das Opfer, wenn es schon wehrlos am Boden liegt und ihnen der "Sieg" sicher ist. Sie lassen so für einmal ihre ängstliche Existenz hinter sich.
Wie Sofsky in seinem Buch "Das Buch der Laster" im Kapitel "Grausamkeit" die Folter beschreibt, ist fast nicht zu lesen, so schrecklich ist es geschrieben.
Und dennoch - ich frage mich, ob man die oben beschriebene Tat damit erklären kann. Feige, ja, das waren die drei, die also in der Ueberzahl waren und den Ueberraschungseffekt auf ihrer Seite hatten. Aber sie haben einfach zugeschlagen und nicht mehr aufgehört, nicht langsam gefoltert. Was fehlte? Einer von ihnen war ein absoluter Sportler, beliebt, geregeltes Heim, kein Scheidungskind. Leserbriefschreiber meinen, das sei die fehlende Erziehung gewesen. Dem möchte ich mich in diesem Moment auch anschliessen.
Schliesslich haben wir Regeln erfunden, damit das Zusammenleben untereinander funktioniert, und diese Regeln richten sich nicht nach dem Recht des Stärkeren. Da diese Regeln nicht "natürlich gegeben" sind, muss man sie erlernen. Und das sollte in jungen Jahren daheim passieren.
sirano - 9. Aug, 00:46
