Kinder aus der dritten Welt

Jetzt wollte doch diese französische Organisation Arche de Zoe über 100 Kinder aus dem Sudan nach Frankreich holen. Diese Kinder wären allerdings keine Sudanesen, sondern aus dem Tschad gewesen, heisst es in der Zeitung. Und es waren auch keine Waisen, jedenfalls die meisten nicht. Die ganze Welt prasselt mit Kritik auf diese Organisation ein. Dabei muss ich sagen, wenn 100 Kinder dem generellen Schicksal hätten entrinnen können, wäre das der berühmte Tropfen auf dem heissen Stein gewesen. Ja, wer von denen, die da gross aufschreien, kümmert sich denn um all die Flüchtlinge im Südsudan? Wer empört sich, wenn dort massenweise Leute missbraucht und beraubt werden, wenn sie selbst als Flüchtlinge dort in diesen Lagern keinerlei Schutz haben? Warum soll man nicht ein paar Kinder rausnehmen und ihnen eine bessere Zukunft bieten? Eigentlich gälte doch: Je mehr Kinder man da rausholen kann, desto besser (für die Kinder). Diese ganze Emotionalität wegen Kindern finde ich völlig daneben und ziemlich scheinheilig. Ja, kann ja sein, dass diese Kinder keine Waisen waren. Aber sie hätten eine bessere Zukunft vor sich gehabt. Wer schreit schon auf, wenn man rausfindet, dass dieses oder jenes Kleiderlabel mit Kinderzwangsarbeit fabriziert wurde? Schnell vergessen, dafür sind die Klamotten günstig. Sorry, da komme ich nicht mehr mit. Wir sollten wirklich wieder ein wenig distanzierter und emotionsloser an das Thema Kind herangehen und nicht immer unsere eigenen Sichten darauf projezieren. Zu dem Thema passt auch ein Leserbrief, der meinte, jedes Scheidungskind soll automatisch seiner Mutter zugesprochen werden (es ging um den Fall des italienischen Vaters, der das Sorgerecht bekam aber nicht seinen Sohn, weil die Mutter türmte). So ein Blödsinn, wirklich. Wer sagt denn, dass jedes Kind am besten aufgehoben ist bei der leiblichen Mutter? Wenn das stimmt, wieso gibt es dann so viel Elend? Ich hätte auch gern eine andere Mutter gehabt oder wäre gern woanders aufgewachsen. Nicht, weil wir im Elend lebten, wir waren Mittelstand. Sondern, weil es an emotionaler Wärme fehlte,die mir heute noch zu schaffen macht.
Durch meine Reisen und auch die täglichen Zeitungsartikel denke ich viel nach über die sogenannte dritte Welt. Dabei meinen wir ja einen sehr verschiedenartigen, grossen Anteil der Länder dieser Erde, und man kann sie kaum über einen Kamm scheren.
Was ich aber oft denke, ist das Schicksal der Kinder, die zufälligerweise in Armut geboren wurden und dort bleiben. Man sollte als Europäer ohne Probleme solche Kinder adoptieren können, mehr noch, sie sollten einem fast aufgeschwatzt werden, damit möglichst viele von ihrem Elend wegkommen. Aendern würde es zwar nichts, aber es gäbe ein paar bejammernswerte Schicksale weniger auf dieser Erde, und in unserem Land wäre es ein bisschen bunter.
Heutzutage macht man ja ein Riesentheater um Adoptionen, völlig übertrieben. Wer weiss schon oder wer erfrecht sich, um zu definieren, was es braucht, um ein Kind glücklich zu machen? Die Behörden mit ihren konservativen Wertvorstellungen? Lächerlich. Dieses Wochenende hatte es einen Artikel über ein Mädchen, das eine lesbische Mutter und einen schwulen Vater hat. Sie ist absolut nicht auf die schiefe Bahn gekommen und hat auch nicht gelitten, sicher hat sie mehr Wärme bekommen als ich.
Aber die Behörden erlauben Homosexuellen die Adoption nicht, sie erlauben sie auch nicht, wenn ein Paar berufstätig ist (die Frau muss daheim bleiben!) oder wenn ein bestimmtes Alter erreicht ist. Ich finde das absolut anmassend.
Andererseits kann sich jede ein Kind machen lassen oder sich eins holen, egal in welcher Situation, aber wenn es um Adoption geht, ist es was ganz anderes?
Es ist unglaublich. Ich bin ja so froh, dass ich keine Kinder will. Aber sogar bei mir hätte es manch Drittweltkind viel schöner und besser als in der Heimat.
Die Welt ist ungerecht, was will man da machen. Das wird niemals anders

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