Männer

Letzten Monat gab es einen Artikel in der NZZ am Sonntag, der ziemlich viele Reaktionen ausgelöst hat. Es ging um den „neuen Mann“, der sich verloren vorkommt in der heutigen Welt zwischen all den emanzipierten Frauen, die nun ihren Weg gemacht haben und die Gesellschaft nachhaltig verändert haben. Ich zitiere: „Im dreissigsten Jahr der Emanzipation liegt der Selbstwert der Männer am Boden. Sie wissen nicht mehr, wer sie sind, sie kennen ihre Bedürfnisse nicht, sie haben die Orientierung verloren. Während sich Frauen mit ihrer Rolle un ihrem Platz in der Gesellschaft auseinandersetzten, während sie debattierten und Bücher schrieben, haben Männer ferngesehen und sich über Börsenkurse unterhalten. Der Zustand des Mannes ist beunruhigend, und schuld daran ist niemand anders als der Mann selbst.“ P.S. dieser Artikel wurde von einem Mann geschrieben.
Konkret haben die heutigen Männer in unserer Welt folgende Probleme (immer gemäss diesem Artikel):
1 – sie trauen sich nicht mehr, sich ihren Partnerinnen gegenüber durchzusetzen
2 – sie passen sich überall an und kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr
3 – sie fühlen sich im öffentlichen Diskurs als Verlierer, Täter oder triebgesteuerte Trottel, rücksichtslos und aggressiv
4 – sie fühlen sich unsicher in der sich wandelnden Welt und werden gewaltbereiter
5 – der neue Mann will nicht erwachsen werden, eine zunehmende Anzahl an Männern legt zu viel Wert auf das Aeussere, was sich auch in Essproblemen äussern kann
6 – der neue Vater imitiert die Mutter seiner Kinder, weil er das Gefühl hat, ansonsten alles falsch zu machen beim Kind
7 – der heutige Mann vermisst die Zeiten, als noch alles klar war, z.B. Sex funktioniert so und so, der Mann war schon immer der Ernährer, etc.

Nun meine Meinung (nachdem ich mir die Tränen des Mitleids abgewischt habe):
Wenn Männer in dieser modernen Gesellschaft Probleme haben, dann nicht wegen fehlender Definition ihrer Rolle. Was fehlt, ist die Auseinandersetzung mit sich selber innerhalb ihrer Umwelt. Während das früher für die meisten keine Frage war (man musste einfach funktionieren, ob Mann oder Frau), hat man heute eine grosse Auswahl an Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Dies gilt für Männer wie auch für Frauen.
Will man heute Karriere machen, kommt man nicht umhin, Empathie zu erlernen oder zu entwickeln, sonst hat man als Führungskraft keinen Erfolg und die guten Leute im Team laufen einem einfach so davon (das war früher anders, da blieben alle Angestellten möglichst ein Leben lang beim gleichen Unternehmen – also war die Führung einfacher).
Will man ein guter Vater werden, dann muss man sich mit den Kindern abgeben. Man muss aber nicht, wenn man eine Frau hat, die das akzeptiert. Es gibt immer noch genügend Männer, die sich praktisch nie um die Kinder kümmern, weil sie es nicht gern machen.
Wenn man eine gute Partnerschaft will, gilt das gleiche wie beim Vater sein: Man muss sich mit der Partnerin abgeben. Man muss aber nicht, wenn man eine Frau hat, die das akzeptiert, auch davon gibt es mehr als genug Beispiele.
Zusammenfassend werden einfach mehr Anforderungen an uns alle gestellt: Jetzt ist die Frage, wie man damit umgeht. Die Rezepte unserer Grossväter sind nicht dienlich. So viel Leistungsdruck wie heute hatten die nicht. Wir müssen alle flexibler werden. Die Männer, die das nicht begriffen haben, dass sind wohl die, die sich als Verlierer fühlen. Jedoch könnte man den gleichen Artikel über Frauen schreiben, denn unter ihnen hat es auch mehr als genug, die nicht wissen, was sie wollen und was sie sollen.
Aber generell bin ich schon der Meinung, dass Frauen sich besser anpassen können. Sie können wohl im Allgemeinen besser mit der Umwelt von heute umgehen als Männer. Dies aber wohl nur aus einer Not heraus: Flexibilität und Durchhaltevermögen war als Frau schon immer mehr vonnöten als für Männer. Männer hatten uns dazu gezwungen. Den Rest erledigten ihre Babys.

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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 23:05

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