Sex geht anscheinend verloren in langjährigen Beziehungen

Dieses Wochenende hat gut angefangen: Ich habe festgestellt, dass mein letzter Leserbrief abgedruckt wurde zum sehr verfänglichen Thema „Wenn die Lust nach Sex in der Partnerschaft stirbt“. In diesem Artikel wurden vier Paare einzeln interviewt, die keinen oder nur noch sehr wenig Sex haben. Als erstes hatte der Redaktor vorausgeschickt, wie unglaublich verschieden die Frauen von den Männern die gleiche Situation sähen. Das war völliger Quatsch, meines Erachtens hatten beide genau das gleiche voneinander gesagt.
Quintessenz dieses Artikels: Es sind immer die Männer, die geil sind und gerne wollen, und die Frauen können dafür sehr gut ohne Sex leben, ja sie verabscheuen entsprechende Avancen sogar oftmals. Mit sich reden lassen tun sie nicht, sie finden, es sei einfach so, dass sie von Natur aus keine Lust hätten. Nach der Geburt von Kindern akzentuierte sich das Problem bei diesen Paaren. Eins ist jetzt in Scheidung.
Na ja. Das konnte ich natürlich nicht unbeantwortet lassen! Ich, die ich schon einige völlig lustlose oder zumindest total langweilige Typen erleiden musste! Und das, während ich selber vor Lust geplatzt bin. Ja ja, die ewig geilen Männer. Dass ich nicht lache! Also schrieb ich das in einem Leserbrief, aber da waren noch andere Frauen, die genau das gleiche schrieben.
Nun fragt sich natürlich, weshalb gibt es eigentlich solche „Zicken“ (Emanzen, entschuldigt den Ausdruck, aber er passt am besten), die keinen Sex mögen? Liegt es wirklich in der Natur der Dinge? Also ich glaube nicht. Wenn man sich in der Tierwelt umsieht, dann will zumindest jedes weibliche Tier zur gegebenen Zeit gedeckt werden, logisch, ist ja Instinkt. Also von dort kann die Misere nicht kommen. Ist es nicht eher unsere liebe christliche Religion und Moral, die an dieser Verklemmtheit schuld ist? Ich zumindest sehe das so. Hätte Religion nur niemals bei uns stattgefunden! Aber dann hätten wir Zustände wie in Afrika! Dort sind die Leute oftmals natürlicher, fröhlicher, offener, kommunikativer... und dafür nicht so fleissig und rechtschaffen. Also gut, es gehört zu unserer Kultur.
Wir können froh sein, dass die Fortpflanzung trotzdem klappt, auch wenn gerade in unseren Breitengraden das Volk lange dazu angehalten wurde, die Sexualität zu unterdrücken und als etwas Schlechtes anzusehen. Aber dafür waren es brauchbare Arbeitskräfte, und davon profitieren wir nun.
Das mit der Religion und Kultur hab ich natürlich nicht geschrieben, sonst hätten sie meinen Leserbrief nicht abgedruckt. Sie haben es nämlich nicht gern, wenn man sich verzettelt, hab ich gemerkt. Ich weiss auch nicht. Jedenfalls war der Artikel ziemlich unbrauchbar. Abschliessend möchte ich noch sagen, dass ich meine, Sex muss in einer guten Beziehung überhaupt nicht "einschlafen", und wenn es sonst stimmt, tut es das auch nicht. Passiert es trotzdem, war es nie wirklich "guter" Sex

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