Männer und Beziehungen
Ich glaube, dass die Aussage, dass Männer und Frauen prinzipiell anders kommunizieren, Blödsinn ist. Wenn man "Männer" sagt, meint man im Prinzip ca. 3 Milliarden Menschen, die ja wohl kaum alle gleich oder ähnlich sein können. Ich bin überzeugt, dass bei beiden Geschlechtern schlussendlich das Erlebte, die Erfahrung, den grossen Ausschlag gibt, wie man sich ausdrückt. In beiden Geschlechtern äussert sich persönliche Unsicherheit des Oefteren in Aggressivität, aber auch in Arroganz, in verletzenden Bemerkungen und anderen Ungeschicklichkeiten.
Wer mit sich im Reinen ist, wer im Gleichgewicht ist und auch rausgefunden hat, wie man Selbstzufriedenheit erreicht, der ist auch in der Lage, Kritik einzustecken, sich in andere einzufühlen, zu verzeihen (ganz wichtig) und eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen.
Das heisst aber nicht, dass solche Leute, die sich ausgeglichen geben, auch wissen, was sie wollen oder in jeder Hinsicht selbstbewusst sind. So wird man bei manchen Leuten immer wieder mal überrascht von paradoxem Verhalten, was dann auch schwierig zu deuten ist.
Echtes Selbstbewusstsein trifft man selten an, damit meine ich Menschen, die sich in keiner Lebenslage verunsichern lassen. Solche Menschen zeigen dann auch keine Schwäche und werden somit unnahbar und unheimlich.
Eher ist es doch so, dass jemand, der mit allen möglichen und unmöglichen Leuten in der Geschäftswelt super umgehen kann, im privaten Bereich überhaupt nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit Konflikte bewältigen kann oder will. Während in der Bürowelt mit harten Bandagen gekämpft wird, hört man sich daheim teilweise haarsträubende Anschuldigungen von unzufriedenen Leuten an und kann damit nicht umgehen. Man hofft einfach, dass der Sturm bald vorübergehen möge und man wieder in Frieden daheim sein kann. Schlimmer noch, man hofft auf ein Wunder, statt die Dinge selber in die Hand zu nehmen und zu lösen, was zu lösen ist. Zum Beispiel Beziehungsprobleme.
Man kann sich immer einreden, so schlimm seien diese nicht, man hätte sich daran gewöhnt. Unterdessen geht wertvolle Zeit verloren, die ungenutzt verstreicht, weil man sie nicht für sein eigenes Glück einsetzt.
Da man aber (vor allem als Mann) wenig Erfahrung hat im Ausdrücken der eigenen Gefühle, kann man sich manchmal nicht mal selber eingestehen, wie frustrierend eigentlich so eine Lebenssituation ist und wie unglücklich man damit ist.
Eher äussert sich das dann so, dass man gegenüber ein paar wenigen Vertrauten immer wieder widersprüchliche Signale sendet: Mal ist man determiniert, sich zu trennen von Beziehungen, die nur Energie konsumieren und nichts bringen, dann ist man wieder unsicher, wie die Umwelt wohl darauf reagieren könnte, ein anderes Mal scheut man den riesigen Aufwand und die unsichere Zukunft.
Aber das Schicksal in die eigene Hand nehmen, kommt manchmal nicht mal für den souveränen, allseits geachteten und respektierten Fachmann in Frage. Lieber redet man sich ein, dass man nicht wirklich den ersehnten Frieden braucht, dass man sich mit der gegenwärtigen Situation arrangiert hat.
In der Selbsttäuschung seid Ihr ganz gross, Ihr Männer. Aber manche Frauen hören genau hin, und die könnt Ihr nur eine gewisse Zeit täuschen.
Letztes Jahr war ich in einem Lokal tanzen, das extra für über 40 jährige eingerichtet wurde. Es durfte nicht geraucht werden, die Musik war nicht so laut, dass eine Unterhaltung unmöglich gewesen wäre, und ausserdem war es Musik aus den 70er bis 90er Jahren, um bei uns älteren Semestern also die guten alten Zeiten aufleben zu lassen.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Unter all den Leuten fiel ein offensichtlich recht angetrunkener Amerikaner auf, weil er hemmungslos alle Leute anquatschte und laut zu sich selber sprach. Man hätte eine Studie über die schweizer Gesellschaft machen können anhand der Reaktionen der Leute. Viele versteiften sich und wendeten sich ab, andere lachten aber und liessen sich nachsichtig auf diesen Mann ein, der sich etwas wie ein Clown benahm. Man sah aber, dass der Typ Geld hatte, er besass einen perfekten Haarschnitt, eine teure Uhr, teure Kleider, er residierte im 5-Stern-Hotel am See, etc. Trotz seiner Trunkenheit wurde er nicht ausfällig, konnte sich gut auf den Beinen halten und tanzen, und er roch immer noch nach Eau de Cologne und überhaupt nicht unangenehm. Es war klar, dass der Typ regelmässig trank und es deshalb auch vertrug. An der Bar liess er sich jedenfalls die Getränke gleich anschreiben.
Trotzdem war er der lockerste Typ auf der Tanzfläche, ihn konnte man anlangen beim Tanzen, ohne dass es peinlich war. Vergiss das mit einem Schweizer! Vor allem der Typ "schüchterner Bauer", den es auch in Zürich gibt, verträgt keine Anrede irgendwelcher Art, geschweige denn eine Berührung.
Der Ami brachte mich zum Nachdenken. Nachdem ich mit ihm gequatscht hatte und etwas über sein Leben erfahren hatte, fand ich, dass ich nun einen typischen Vertreter der "neuen Oekonomie" vor mir hatte. Offenbar wurde er mit dem goldenen Löffel geboren worden. Nach einem Studium in der gleichen Uni, wo auch die englischen Prinzen waren (oder noch sind? weiss gar nicht) wurde er Vermögensverwalter, arbeitete und lebte in Manhattan, hat jetzt Familie in Connecticut (sicher besser für die Kinder), reist um die Welt und hat wahrscheinlich oder offensichtlich Erfolg und viel Geld.
Er war sehr nett, aber er schien mir ein Mensch zu sein, der vom Leben zu sehr verwöhnt worden war. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Mann wohl noch nie seine Toilette selber geputzt hat (gut, das trifft wohl auf viele Männer zu, ausser vielleicht im Militär. Wenn dem nicht so wäre, dann würden mehr Männer ab und zu einen Blick zurück riskieren oder gar unter die Brille gucken). Wahrscheinlich hat er auch noch nie seine Wäsche selber machen müssen oder nach dem Essen das Geschirr abwaschen müssen. Ich wette, der Mann kann alles einfach liegen lassen und es hat immer jemanden, der hinter ihm herräumt und putzt.
Ich stellte mir vor, wie der zu später Stunde zurück in sein Hotel wankt, sich vielleicht vom Consierge im perfekt sitzenden Anzug ins Zimmer geleiten lässt und sich vielleicht von jemandem die Schuhe ausziehen lässt, der mindestens zehnmal weniger verdient als er.
Wie kann das eigentlich sein? Was auch immer ihn dazu bewogen hatte, sich in der Oeffentlichkeit zu betrinken und sich dabei lächerlich zu machen, hindert ihn offenbar nicht daran, zu nüchternen Zeiten ernst genommen zu werden von seinen Kunden. Er muss ja was können, muss ja was auf dem Kasten haben! Oder genügt ein Abschluss eines renommierten Instituts, wie das in England so häufig der Fall ist? Dann ist es nicht die strikte Disziplin an der Uni, die ihn so gut macht, sondern sein Netzwerk, das er aufgebaut hat. In England und USA hab ich schon so viele Typen dieser Art getroffen, die nicht wirklich gut sind, aber enorm Erfolg haben und viel viel Geld verdienen. Das macht sie aber nicht arrogant, sondern sorglos und grosszügig. Er schien ein Mensch zu sein, für den das Leben nur ein Spiel ist, weil Geld nie eine Rolle spielte und es einfach da ist, um ausgegeben zu werden.Solche Leute können sich wohl niemals in den Normalsterblichen einfühlen. Dieser nämlich ist spiessig genug, seinen Job ernst zu nehmen, er wird dafür auch geschätzt, aber nie nie wird er in die Gilde der wirklich Gutverdienenden aufgenommen werden. Denn der Eintrittspreis hierfür sind gute Kontakte, weniger die gute Leistung
Wer mit sich im Reinen ist, wer im Gleichgewicht ist und auch rausgefunden hat, wie man Selbstzufriedenheit erreicht, der ist auch in der Lage, Kritik einzustecken, sich in andere einzufühlen, zu verzeihen (ganz wichtig) und eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen.
Das heisst aber nicht, dass solche Leute, die sich ausgeglichen geben, auch wissen, was sie wollen oder in jeder Hinsicht selbstbewusst sind. So wird man bei manchen Leuten immer wieder mal überrascht von paradoxem Verhalten, was dann auch schwierig zu deuten ist.
Echtes Selbstbewusstsein trifft man selten an, damit meine ich Menschen, die sich in keiner Lebenslage verunsichern lassen. Solche Menschen zeigen dann auch keine Schwäche und werden somit unnahbar und unheimlich.
Eher ist es doch so, dass jemand, der mit allen möglichen und unmöglichen Leuten in der Geschäftswelt super umgehen kann, im privaten Bereich überhaupt nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit Konflikte bewältigen kann oder will. Während in der Bürowelt mit harten Bandagen gekämpft wird, hört man sich daheim teilweise haarsträubende Anschuldigungen von unzufriedenen Leuten an und kann damit nicht umgehen. Man hofft einfach, dass der Sturm bald vorübergehen möge und man wieder in Frieden daheim sein kann. Schlimmer noch, man hofft auf ein Wunder, statt die Dinge selber in die Hand zu nehmen und zu lösen, was zu lösen ist. Zum Beispiel Beziehungsprobleme.
Man kann sich immer einreden, so schlimm seien diese nicht, man hätte sich daran gewöhnt. Unterdessen geht wertvolle Zeit verloren, die ungenutzt verstreicht, weil man sie nicht für sein eigenes Glück einsetzt.
Da man aber (vor allem als Mann) wenig Erfahrung hat im Ausdrücken der eigenen Gefühle, kann man sich manchmal nicht mal selber eingestehen, wie frustrierend eigentlich so eine Lebenssituation ist und wie unglücklich man damit ist.
Eher äussert sich das dann so, dass man gegenüber ein paar wenigen Vertrauten immer wieder widersprüchliche Signale sendet: Mal ist man determiniert, sich zu trennen von Beziehungen, die nur Energie konsumieren und nichts bringen, dann ist man wieder unsicher, wie die Umwelt wohl darauf reagieren könnte, ein anderes Mal scheut man den riesigen Aufwand und die unsichere Zukunft.
Aber das Schicksal in die eigene Hand nehmen, kommt manchmal nicht mal für den souveränen, allseits geachteten und respektierten Fachmann in Frage. Lieber redet man sich ein, dass man nicht wirklich den ersehnten Frieden braucht, dass man sich mit der gegenwärtigen Situation arrangiert hat.
In der Selbsttäuschung seid Ihr ganz gross, Ihr Männer. Aber manche Frauen hören genau hin, und die könnt Ihr nur eine gewisse Zeit täuschen.
Letztes Jahr war ich in einem Lokal tanzen, das extra für über 40 jährige eingerichtet wurde. Es durfte nicht geraucht werden, die Musik war nicht so laut, dass eine Unterhaltung unmöglich gewesen wäre, und ausserdem war es Musik aus den 70er bis 90er Jahren, um bei uns älteren Semestern also die guten alten Zeiten aufleben zu lassen.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Unter all den Leuten fiel ein offensichtlich recht angetrunkener Amerikaner auf, weil er hemmungslos alle Leute anquatschte und laut zu sich selber sprach. Man hätte eine Studie über die schweizer Gesellschaft machen können anhand der Reaktionen der Leute. Viele versteiften sich und wendeten sich ab, andere lachten aber und liessen sich nachsichtig auf diesen Mann ein, der sich etwas wie ein Clown benahm. Man sah aber, dass der Typ Geld hatte, er besass einen perfekten Haarschnitt, eine teure Uhr, teure Kleider, er residierte im 5-Stern-Hotel am See, etc. Trotz seiner Trunkenheit wurde er nicht ausfällig, konnte sich gut auf den Beinen halten und tanzen, und er roch immer noch nach Eau de Cologne und überhaupt nicht unangenehm. Es war klar, dass der Typ regelmässig trank und es deshalb auch vertrug. An der Bar liess er sich jedenfalls die Getränke gleich anschreiben.
Trotzdem war er der lockerste Typ auf der Tanzfläche, ihn konnte man anlangen beim Tanzen, ohne dass es peinlich war. Vergiss das mit einem Schweizer! Vor allem der Typ "schüchterner Bauer", den es auch in Zürich gibt, verträgt keine Anrede irgendwelcher Art, geschweige denn eine Berührung.
Der Ami brachte mich zum Nachdenken. Nachdem ich mit ihm gequatscht hatte und etwas über sein Leben erfahren hatte, fand ich, dass ich nun einen typischen Vertreter der "neuen Oekonomie" vor mir hatte. Offenbar wurde er mit dem goldenen Löffel geboren worden. Nach einem Studium in der gleichen Uni, wo auch die englischen Prinzen waren (oder noch sind? weiss gar nicht) wurde er Vermögensverwalter, arbeitete und lebte in Manhattan, hat jetzt Familie in Connecticut (sicher besser für die Kinder), reist um die Welt und hat wahrscheinlich oder offensichtlich Erfolg und viel Geld.
Er war sehr nett, aber er schien mir ein Mensch zu sein, der vom Leben zu sehr verwöhnt worden war. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Mann wohl noch nie seine Toilette selber geputzt hat (gut, das trifft wohl auf viele Männer zu, ausser vielleicht im Militär. Wenn dem nicht so wäre, dann würden mehr Männer ab und zu einen Blick zurück riskieren oder gar unter die Brille gucken). Wahrscheinlich hat er auch noch nie seine Wäsche selber machen müssen oder nach dem Essen das Geschirr abwaschen müssen. Ich wette, der Mann kann alles einfach liegen lassen und es hat immer jemanden, der hinter ihm herräumt und putzt.
Ich stellte mir vor, wie der zu später Stunde zurück in sein Hotel wankt, sich vielleicht vom Consierge im perfekt sitzenden Anzug ins Zimmer geleiten lässt und sich vielleicht von jemandem die Schuhe ausziehen lässt, der mindestens zehnmal weniger verdient als er.
Wie kann das eigentlich sein? Was auch immer ihn dazu bewogen hatte, sich in der Oeffentlichkeit zu betrinken und sich dabei lächerlich zu machen, hindert ihn offenbar nicht daran, zu nüchternen Zeiten ernst genommen zu werden von seinen Kunden. Er muss ja was können, muss ja was auf dem Kasten haben! Oder genügt ein Abschluss eines renommierten Instituts, wie das in England so häufig der Fall ist? Dann ist es nicht die strikte Disziplin an der Uni, die ihn so gut macht, sondern sein Netzwerk, das er aufgebaut hat. In England und USA hab ich schon so viele Typen dieser Art getroffen, die nicht wirklich gut sind, aber enorm Erfolg haben und viel viel Geld verdienen. Das macht sie aber nicht arrogant, sondern sorglos und grosszügig. Er schien ein Mensch zu sein, für den das Leben nur ein Spiel ist, weil Geld nie eine Rolle spielte und es einfach da ist, um ausgegeben zu werden.Solche Leute können sich wohl niemals in den Normalsterblichen einfühlen. Dieser nämlich ist spiessig genug, seinen Job ernst zu nehmen, er wird dafür auch geschätzt, aber nie nie wird er in die Gilde der wirklich Gutverdienenden aufgenommen werden. Denn der Eintrittspreis hierfür sind gute Kontakte, weniger die gute Leistung
sirano - 16. Dez, 00:47
