Houellebecq: Seine Meinung zu Hunden und Kindern

Endlich endlich konnte ich das letzte Buch, das ich von meinem Ex Liebhaber bekam, in Ruhe lesen. Ich verbrachte eine geruhsame Woche in Argentinien beim Polospielen, es war wunderbar. Es war eine erholsame, genussreiche Zeit. Jeden Morgen ein Spaziergang bei bestem Wetter vor dem Frühstück, dann eine Runde stick and ball, eine Runde Schwimmbad und nach dem Mittagessen eine siesta. Am Abend dann jeweils ein paar chukker... so schön kann das Leben sein. Selten kam ich so erholt zurück vom Urlaub, dabei war ich nur eine Woche in Argentinien, eingerahmt von je 17 Flug- und Reisestunden!
Aber es hat sich gelohnt, obwohl ich den Preis (USD 2000 inkl Kost und Logis) eher als hoch betrachte. Ein Besuch in einem Poloclub und bei einem wichtigen hochprofessionellen Turnier haben mich sehr beeindruckt, zwischendurch wurden wir auch abends mal ausgeführt. Hier scheint man das Leben vor allem zu geniessen! Auch die weniger gut betuchten Leute schienen wenig Stress zu haben, das Land bietet ihnen so viel für so wenig Arbeit.
Die Pferde waren super, die Leute alle sehr freundlich und angenehm, das Essen super und reichlich. Ein wenig mehr Unterrichtsstunden hätte ich mir gewünscht, und vielleicht ein wenig mehr Leute in meinem Alter, aber letzteres kann man nicht erwarten, man hat einfach Glück oder mehr Zeit zum Lesen.
Ach, und apropos Preis, in manchen Orten zahlt man gut und gern einen Tausender mehr, wie ich erfuhr. Es ist und bleibt wohl ein Luxussport.
Und es ist schwer zu lernen, auch wenn man schon reiten kann. Mein Handgelenk jedenfalls weiss es zu schätzen, dass es nun eine Pause hat.
Man hat jedenfalls was zu erzählen. Aber man hat eben auch viel Zeit zum Ausspannen.

Also Houellebecq's Buch "Die Möglichkeit einer Insel": Der Ansatz mit der Idee der Neomenschen, die quasi geklont werden, aber gleich ins Erwachsenenalter katapultiert werden, ist reizvoll. Nicht alles war aber logisch, und woher die wilden Menschen kamen, hab ich nicht kapiert, und der Schluss war sehr abrupt, ich erwartete eher, dass er Marie nochmals treffen würde....
Zwei Absätze fand ich aber sehr bemerkenswert, und die möchte ich jetzt in meinem vernachlässigten blog zitiert haben (natürlich in der Uebersetzung).
Thema Hund:
"Die Liebe lässt sich leicht definieren, aber in der Aufeinanderfolge der Lebewesen kommt sie nur selten zustande. Mit den Hunden huldigen wir der Liebe und ihrer Möglichkeit. Was ist ein Hund schon anderes als eine Liebesmaschine? Man stellt ihm einen Menschen vor mit dem Auftrag, ihn zu lieben - und egal, wie hässlich, pervers, verunstaltet oder dumm dieser auch sein mag, der Hund liebt ihn". Aha, jetzt weiss ich endlich, warum ich auch so ein Stinktier im Wohnzimmer habe.
Der andere bemerkenswerte Abschnitt zum Thema Vater werden:
„Das Problem war ich. Ich war nicht nur von dem legitimen Ekel erfüllt, der jeden halbwegs normalen Mann beim Anblick eines Babys überkommt, und ich war nicht nur zutiefst davon überzeugt, dass ein Kind so etwas wie ein lüsterner Zwerg mit angeborener Grausamkeit ist, der sogleich die schlimmsten Züge seiner Gattung zum Ausdruck bringt und von dem sich die Haustiere in weiser Vorsicht abwenden. Hinzu kam noch ein tief in mir verankertes Entsetzen, ein wahres Entsetzen vor dem endlosen Leidensweg, den das Dasein der Menschen darstellt. Der Säugling ist das einzige Lebewesen, das seine Gegenwart unmittelbar nach der Geburt durch unablässige Schmerzensschreie zum Ausdruck bringt, und zwar weil er leidet, weil er auf unerträgliche Weise leidet. Vielleicht liegt es am Verlust des Haarkleids, der die Haut für Temperaturschwankungen so empfindlich macht....“ Aha, jetzt weiss ich endlich, warum ich keine Kinder habe, die ekligen Tyrannen.
Und noch was zum Thema Jugend, die älter wird und den Ernst des Lebens erlebt:
„.... sie bleiben Sklaven ihrer Sprösslinge, die Zeit der Freude ist für sie allemal vorbei, sie müssen sich bis zum Schluss weiter abmühen, unter Schmerzen und mit zunehmenden gesundheitlichen Problemen, bis sie zu nichts mehr gut sind und als störende, unnütze Greise endgültig zum alten Eisen geworden werden. Ihre Kinder sind ihnen für all das aber in keiner Weise dankbar, ganz im Gegenteil, mögen sich die Eltern auch noch so angestrengt haben, diese Anstrengungen werden immer als unzureichend erachtet und die Eltern, ganz einfach weil sie Eltern sind, als schuldig betrachtet“
Der Autor hatte hier schon ein wenig sehr provokante Ansichten, oder zumindest tat er so. Man muss es Kunst nennen, was der alte Depro Typ da produziert hat.
Aber wieso schenkte mir wohl mein letzter Angebeteter dieses Buch? Hatte er tatsächlich so viel Abstand zu seinem eigenen Leben? Er hat jedenfalls Geschmack, und er liest offenbar gern anspruchsvolle Literatur. Ich bin beeindruckt, dass er mir so ein Buch schenkte. Aber es passt in die Serie der Bücher, die ich auch sonst noch von ihm bekam.
Ach, es war schon cool, solche anregenden, unterhaltsamen Bücher geschenkt zu bekommen. Hoffentlich passiert mir das wieder mal.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

eine Jugendliche erfüllt...
Heute hatte es in der Zeitung einen Artikel über eine...
sirano - 13. Feb, 23:05
Armut in der Schweiz
Mit grosser Regelmässigkeit wird dieses Thema vor allem...
sirano - 9. Jan, 23:31
Schweizerischer Verband...
Der Verband zwingt neu alle Freizeitreiter, ihr 16...
sirano - 13. Dez, 18:02
Heute ist ein schlechter...
Heute ist das gesamte Abstimmungsresultat gegen meine...
sirano - 29. Nov, 21:38
Elender Eigenmietwert
In der Schweiz haben wir die blöde, einmalige Einrichtung,...
sirano - 22. Nov, 23:16

Links

Suche

 

Status

Online seit 6755 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 23:05

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren