Der Hund fehlt

Dieter Bachmann, ein deutscher Schriftsteller (oder Journalist?), der in Italien wohnt, hat letztes Wochenende eine herzzerreissende Story erzählt, wie sein Hund vergiftet wurde. In vielen Regionen Italiens werden offenbar sogenannte polpettas ausgelegt, das sind Fleisch- oder Fettballen, in deren Mitte Gift steckt. Der Hund schlingt von Natur aus alles Essbare runter, ohne zu kosten. Deshalb war der Hündin auch eine erste Vergiftung keine Lehre, sondern sie schnappte auch ein weiteres Mal nach so einem Köder. Den zweiten überlebte sie nicht.
Wer sind die Menschen, die solche Köder auslegen? Offenbar Hundehasser oder solche, die in den Hunden Konkurrenten auf der Jagd sehen. Jagen ist anscheinend eine Tätigkeit, die in Italien viele Menschen gerne ausüben. Zu dem Zweck wird sogar extra gezüchtet und dann freigelassen (damit man die Tiere nachher wieder abknallen kann, was ist das eigentlich für eine Freizeitbeschäftigung? Dümmer gehts nimmer).
Dieter Bachmann beschrieb das Leben danach, wie ihm der Hund fehlt. Ich kann das nachvollziehen, weil ich auch einen Hund einschläfern lassen musste, jedoch altershalber, da ich ja in einem Land lebe, wo man sich ein bisschen mehr um Tierschutz bemüht.
Mir fiel ein, dass meine italienische Kollegin mal erzählte, wie sich ihre Familie in Sizilien einen jungen Hund anschaffte. Keine Ahnung von Tieren hatten die, und deshalb banden sie den Welpen Tag und Nacht hinter dem Haus an. Solche Geschichten tun richtig weh, auch wenn man nicht sentimental ist. Pure Ignoranz in einem Erstweltland.
In mir kam Verachtung auf für dieses Land mit dieser Kultur. Was läuft hier eigentlich falsch? Ein korruptes Land mit einer komplizierten, ineffizienten Administration, mit hoher Arbeitslosigkeit unter Berufsanfängern, mit einer Bevölkerung, die eine Lachnummer wie Berlusconi tatsächlich ein zweites Mal wählt, ein Land, das die Mafia nicht auszurotten vermag, und eben mit einem enorm komischen Verständnis für Tiere.
Und als ich letztes Mal in Milano Malpensa ankam und die U-bahn nehmen wollte, konnten sie mir am bedienten Ticketschalter kein Ticket verkaufen, weil ich nur eine 5 Euro Note hatte. Ich musste das Ticket mit Kreditkarte bezahlen, oder ich hätte einfach keins gekriegt. Glaubt man das?
Anyway, das ging mir alles so durch den Kopf nach diesem Artikel. Jedenfalls frage ich mich, weshalb Dieter Bachmann denn freiwillig in diesem "halben" Rechtsstaat lebt? Spätestens jetzt würde ich eiligst die Siebensachen packen und verduften. Es gibt doch so viele andere, schönere und sicherere Orte auf dieser Welt

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