Samstag, 28. März 2009

Verschärfte Strafen für Jugendliche

In der Schweiz ist kürzlich ein tragischer Mord an einer erst 16jährigen Frau passiert, ausgeführt von einem erst 20jährigen Mann. Diese Sache rief sofort diejenigen auf den Plan, die für möglichst harte Strafen eintreten und meinen, damit lassen sich solche Fälle in Zukunft verhindern. Dabei genügt ein scheuer Blick Richtung USA, um zu erkennen, dass hohe Strafen noch nie zu Gewaltrückgang geführt haben.
Nun hat das Magazin im Tagesanzeiger eine Reportage veröffentlicht über einen jugendlichen Delinquenten, der allerdings "nur" Einbrüche begangen hat, aber keine Gewalt gegen Personen. Die Story war stellenweise banal und langweilig, jedoch hat sich klar herauskristallisiert, dass der Auslöser für die "schiefe Bahn" im Alter von 13 Jahren die Scheidung der Mutter vom Stiefvater war, der im Leben dieses Jugendlichen fortan fehlte. Eine solche Verletzung, die Orientierungslosigkeit und Unsicherheit hervorruft, tragen aber nicht nur Jugendliche mit sich rum, auch Erwachsene können unter dem Gefühl von Verlassenheit sehr leiden. Bei beiden aber äussert sich fehlende Geborgenheit individuell verschieden. Die meisten Menschen können irgendwie damit umgehen, manche jedoch werden depressiv, weil sie den Frust gegen sich selber wenden, und andere wiederum werden gegen die Umwelt aggressiv. Dahinter sehe ich nichts anderes als die Unfähigkeit unsicherer, schwacher Menschen, mit belastenden Situationen selber fertigzuwerden.
Nun soll mir mal jemand erklären, was hier eine strengere Bestrafung ausrichten könnte, abgesehen davon, dass diese Menschen sowieso schon bestraft sind damit, dass sie mit ihrer Situation nicht klarkommen.
Jedenfalls endete die Story damit, dass der Junge von der Schule flog und von den Behörden in ein Heim eingewiesen wurde, wo er anfing zu kiffen und später zu stehlen. Eine Lehre hat er nicht fertiggemacht, die Schule auch nicht. Er wäre gerne in die Sportschule gegangen, aber das entsprach nicht den Wünschen der Beiständin.
Während ich auch der Meinung bin, dass potentielle Mörder und Vergewaltiger von der Gesellschaft ferngehalten werden müssen, sollen sogenannte Beistände nicht immer nach den konservativen Werten eines "perfekten Lebens" streben, sprich Schule, Lehre, Heim oder sonstwie geregeltes Leben. Im Fall des beschriebenen Jugendlichen hätte man viel eher den unkonventionelleren Weg nehmen müssen und ihm als Talent die Fussballerschule erlauben sollen. Gerade wenn Jugendliche keinen Halt haben, sollte man am besten dort ansetzen, wo ihre Interessen liegen und nicht die Standardvorstellungen gewisser Amtspersonen als das erstrebenswerteste Leben durchsetzen.
Dieser Junge hätte vielleicht Erfolg gehabt als Fussballer und wäre dann vielleicht in der Lage gewesen, ein geregeltes Leben zu führen.

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