Sonntag, 4. Mai 2008

Böses Israel

In der gestrigen Ausgabe unserer Zeitung gab es einen langen Artikel unter obigem Titel. In diesem Artikel wirft der Autor uns Schweizern vor, dass wir einseitig informiert werden und dementsprechend einseitig immer gegen Israel Partei ergreifen. Ich habe diese Diskussionenen schon hundertmal geführt, da ich einen israelischen Arbeitskollegen habe. Ich habe nun den folgenden Leserbrief geschrieben, mal sehen, ob sie ihn nächstes Wochenende abdrucken:
Liebe Redaktion
Ich habe oben erwähnten Artikel gelesen, obwohl ich eigentlich genug gelesen habe über den Nahost Konflikt und ehrlich gesagt einfach müde bin, noch mehr darüber zu lesen.
Und ja, es stimmt, ich war noch nie dort. Ja, ich bin Tages-Anzeiger Abonenntin und es könnte sein, dass ich gegen Israel voreingenommen bin dadurch. Und ja, ich weiss, dass es nicht lustig ist, in Sderot zu leben, wo man nie weiss, ob man morgen von einer Rakete getroffen wird.
Und trotzdem erlaube ich mir eine eigene Meinung, das ist mein gutes Recht in einem Rechtstaat wie der Schweiz. Aus meiner Sicht ist Israel ein äusserst aggressives Land, das mit immer der gleichen (Gewalt-)Masche probiert, das Problem in den Griff zu kriegen, das sich daraus ergab, dass das Land nicht unbewohnt war bei der Staatsgründung. Mit Antisemitismus hat das gar nichts zu tun. Ich sehe einfach keine Fortschritte, nur Drangalisierung der palästinensischen Bevölkerung. Es kann doch nicht sein, dass den Israelis nicht mal eine bessere Idee in den Sinn kommt. Und noch etwas: Wenn Amerika nicht wäre, dann könnte es sich Israel nie und nimmer leisten, aus der Position der Stärke zu agieren. Dann wären sie schon längst gezwungen, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.
Ich finde, um so zu denken, muss man nicht dort gewesen sein.

Ich möchte noch hinzufügen, dass Sderot ganz bestimmt nicht klagen kann. Klar werden sie täglich beschossen. Aber diese Raketen sind Nadelstiche gegen das, was die Israelis zurückschiessen. Es ist wie mit einer Handgranate auf einen Mückenstich antworten, jedenfalls unangemessen. Es kann schon sein, dass viele Zeitungen hier in Europa einseitig und gegen Israel schreiben, aber warum ist das so? Weil sich viele dazu verpflichtet fühlen, sich mit den Opfern zu verbünden. Weil die Opfer sprachlos sind, weil sie enorm und unnötig leiden. Und die Opfer sind nun mal aus Sicht der meisten Europäer nicht die Israelis. Aus dieser Sicht meinen viele, dass Israel halt selber schuld ist, dass die Palästinenser nichts zu verlieren haben.... Es muss doch noch eine andere Strategie geben. Der erste Schritt: Probieren, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen. Das wirkt manchmal Wunder, wenn es gelingt!

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