Uns erreicht eine Meldung aus Kopenhagen, dass die Stimmung fremdenfeindlicher geworden ist. Zuerst hat man mal aus Trotz die Mohamed Karikaturen ein zweites Mal abgedruckt, sozusagen als Demonstration, was Meinungsfreiheit bedeutet. Na ja, die werden wahrscheinlich nicht besser beim zweiten Druck. Es ist natürlich schon so, dass bei uns erlaubt ist, was in anderen, vor allem muslimischen Ländern, undenkbar wäre. Aber wir rühmen uns ja auch einer fortgeschrittenen Demokratie, wollen wir uns da noch mit Saudi Arabien messen? Das ist ja wohl nicht die benchmark. Man könnte sich auch mit Respektbekundung gegenüber anderen Kulturen hervorheben statt mit provokativen Zeichnungen. Anscheinend aber hat die Chefin der drittgrössten Partei gesagt, dass Menschen islamischer Zugehörigkeit Ungeziefer seien, das ausgemerzt werden müsse. Entschuldigung, aber das geht doch viel zu weit. Wieso empört sich da nicht ganz Europa? Ein anderer Parteisprecher meint, die jugendlichen Secondos, die da Autos angezündet haben und sonst randalierten, die sollen mit elektronischen Handfesseln versehen werden. Man will darauf hinaus, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft unterschiedlich behandelt werden. Und das im Namen der Meinungsfreiheit und Demokratie. Eine wahre Katastrophe. Die Regierung hat es nicht geschafft, 5% der Ausländer in ihrem Land zu integrieren, sondern eher Rassenhass anzufachen. Und das ist eine Demokratie, ein Rechtsstaat? Das ist eher ein Rückschritt in die schlimmste Zeit des letzten Weltkrieges, wo auch mit solchen gefährlichen Sprüchen gewissen Völkervernichtungen ihren Anfang nahmen. So sehe ich das zumindest, aber ich scheine damit allein zu sein. Jedenfalls muss man aufpassen und genau hinschauen, ich hoffe, dass die EU das macht.
sirano - 24. Feb, 23:12
Ein Thema bewegt Zürich im Moment ziemlich stark auf der emotionalen Seite (abgesehen vom Milliardenabschreiber der UBS), und das ist der Prozess, der gerade zu Ende ging gegen den Vater eines Säuglings, den er misshandelte und schliesslich zu Tode schüttelte.
Die Wogen gehen wie gewohnt hoch, es geht um ein wehrloses Baby, das nicht richtig gepflegt wurde. Hier kommt also erst mal das Thema Wehrlosigkeit gepaart mit schlechter Pflege zusammen an einem konkreten Beispiel. Die Leserbriefschreiber würden den Mann am liebesten lynchen oder für immer verwahren, einer wollte sogar sterlisieren (damit der nie mehr Kinder macht). Aehnlich emotional würden die Leute reagieren, wenn es um die Misshandlung und anschliessende Tötung eines Haustieres gegangen wäre. Auch hier Wehrlosigkeit und mangelnde Pflege.
Dass die Geschichte aber schon sehr viel weiter hinten beginnt, das will niemand sehen. Der Vater war arbeitslos und schlecht ausgebildet, er war selber ein Adoptivkind aus Afrika, also schwarz. Er hatte wahrscheinlich selber von der Umwelt nicht viel Positives mitgekriegt. Und er ist schliesslich hier aufgewachsen (als das kleine Negerlein). Es wäre wohl schmerzhaft für die Gesellschaft, sich auch damit auseinanderzusetzen, wie jemand so werden konnte. Ausserdem wird das gleiche Mitleid keinesfalls auf die vielen Migrantenkinder angewendet, die hier ein trauriges Leben fristen müssen, weil von der Gesellschaft marginalisiert. Oder sogar die vielen Kinder von abgewiesenen Flüchtlingen, die hier in diesem Land irgendwo dahinvegetieren, ohne Zukunft und Hoffnung, die Eltern erhalten nur Nothilfe, denn sie sollen ja das Land verlassen. Diese Kinder sind auch wehrlos und schlecht versorgt! Aber diese Nothilfe, die Streichung von Sozialhilfe, die Wegweisungen und was sonst noch alles erfunden wurde, um unerwünschten Menschen das Leben schwerzumachen, das wurde alles vom Volk so abgesegnet, meist gegen den Willen der Regierung. Was für eine heuchlerische Gesellschaft.
sirano - 24. Feb, 23:02