Heute traf ich eine Angstellte meines Fitness Clubs im Einkaufszentrum. Sie hatte gelbes Klopapier gekauft. Ich wunderte mich, weil es doch erstens die Umwelt zusäztlich belastet, wenn dieses in die Kanalisation kommt, und auch die Herstellung ist aufwendiger. Wieso kauft jemand farbiges Klopapier? Woher kommt dieses Bedürfnis?
Am meisten wundert mich, dass dies von einer Mutter von drei Kindern kommt. Gerade diejenigen, die Kinder haben, wieso denken die nicht weiter? Ich sprach sie natürlich darauf an, und sie lachte nur und sagte, ja, ökologisch ist das ein Blödsinn, aber mir gefällts.
Das ist genau das, was ich befürchtete. Die Leute, die Masse, der Durchschnitt der Bürger glaubt nicht an ein Umweltproblem noch an ein Energieproblem. Es wird billige Ware aus China gekauft, Hauptsache billig, egal wie weit her das Zeug kommt und dass es das Abfallproblem vergrössert. Irgendwie lösen wir das schon. Auch wird gern Wein oder Obst aus Australien, Neuseeland und so weiter gekauft. Muss natürlich um die halbe Welt transportiert werden, aber egal, unsere Aepfel sind ja noch nicht reif, und der Wein aus Italien ist nicht gut genug oder billig genug.
So kann man denken, wenn man "nach mir die Sintflut" meint. Aber die Leute mit Kindern? Warum denken die nicht weiter? Glauben die nicht daran, dass wir unsere Umwelt mehr belasten, als wir reparieren können? Es muss so sein, es wäre sonst nicht logisch, warum die Leute so blind durch die Gegend stolpern.
Also ich hab ja keine Kinder. Ich probiere zwar, sparsam mit den Ressourcen umzugehen, aber ich fliege auch im Flugzeug in die Ferien und karre mein Pferd ab und zu im Transporter durch die Gegend. Ich bin also keine Heilige. Aber ich könnte ja wirklich sagen..... nach mir die Sintflut..... und niemanden störts!
Aber hei, ich verspreche Euch allen: Ich trete früher ab als der Durchschnitt. Ich werde nicht 80, weil ich das nicht attraktiv und erstrebenswert finde.
Immerhin das. Ich belaste also die Umwelt nicht so lange wie eine Durchschnittsueuropäerin.
sirano - 6. Sep, 22:02
Ich kanns noch nicht recht glauben! Ist es wohl möglich, dass ich mich so getäuscht habe in einem Menschen? In meinem Alter, mit all der Erfahrung über die Jahre und dem gesunden Misstrauen, das ich mir angeeignet habe? Und über fast drei Jahre hinweg? Das darf doch einfach nicht sein.
Und trotzdem deutet alles darauf hin. Jetzt, in der Krise, im Halbstreit, scheint der Mensch sein wahres oder zumindest anderes Gesicht zu zeigen. Obwohl, hat er das nicht immer schon gemacht? Versprechungen, schöne Worte, und dann nicht eingehalten? Zieht sich diese Verhaltensweise nicht wie ein roter Faden durch sein Leben? Ich meine, was muss man wohl von jemandem halten, der fast drei Jahrzehnte bei einer Frau bleibt, die er, wie er selber erzähte, niemals geliebt hat, nicht mal am Anfang der Ehe? Die ganze Familie scheint sich angewöhnt zu haben, sich auf erfundenen Tatsachen abzustützen, statt Offenheit und Ehrlichkeit zu pflegen. Wahrscheinlich wurde diese Haltung und das Leben basierend auf Lügen so sehr selbstverständlich, dass es gar nicht mehr falsch ist.
Ich hätte es wissen müssen. Diese Tatsache hätte mir zu denken geben müssen.
Zum Rekapitulieren, was ich alles so gehört habe (ob das stimmt, weiss ich natürlich jetzt auch nicht)
- Die Frau ist anscheinend unfähig, auch nur dem simpelsten Job anzunehmen, und sie hat auch noch nie gearbeitet
- Die Frau ist Künstlerin, verkauft aber nichts
- Die Frau ist so mühsam gewesen, dass ihr Vater wahrscheinlich heilfroh war, als er sie los wurde
- Die Frau kann nicht mal eine gescheite Bestellung aufgeben in einem Restaurant, sie bestellt eine Brotzeit, wie dumm
- Die Frau macht jetzt Tai Chi, was auch immer das Sinnloses ist
- Die Frau hat ein Problem damit, wenn die Leute daheim die Schuhe nicht ausziehen, nachdem sie den Boden geputzt hat oder, wenn sich jemand ein Stück Brot abschneidet und es Krümel gibt, nachdem die Anrichte sauber war
und so weiter und so fort. Die Liste war endlos, belanglos.
Aber anscheinend schien der Ehemann nach so langer Zeit seine eigene Frau nicht zu kennen, da sie sich in bestimmten Situationen ganz anders verhielt, als er es vorausgesagt hat.
Aber jetzt, jetzt liebt er sie doch plötzlich, hat sie immer schon geliebt (trotz der Aussagen oben, na ja, spricht man so über eine geliebte Person?). Na umso besser. Ich sollte Vermittlergebühren verlangen, ich hatte ja mehr Erfolg als jede Ehetherapie.
Doch, was hat das mit mir zu tun? Was hat das mit meinem Beruf zu tun, mit meinen Problemen und fachlichen Fragen?
Ich erkenne das gleiche Muster: Ich verspreche dir, du sollst nicht nochmals darunter leiden, ich helfe dir, wo ich kann, ich komme heute spätestens um halb vier, länger gehts bestimmt nicht. Und dann der Rückzieher: Die lassen mich nicht los, die haben so viele Probleme, ich kann nicht weg, es geht viel länger als erwartet (ja, gibts denn weder Plan noch Agenda? Seit wann kann man als freier Unternehmer nicht mal für eine halbe Stunde weg? Wieso ist ein Versprechen Priorität 100?)
Aber was rege ich mich auf? Dass ich ihm geglaubt habe? Ja, das war naiv, offenbar. Aber er schien immer so kompetent und offen und hilfsbereit und wirklich warmherzig. Aber was trieb ihn immer zu mir, was war der Grund dahinter? War das ein rein egoistischer Selbsttrip, auf meine Kosten, oder war es gar nur der Sex? Ich kanns immer noch nicht glauben, dafür hatten wir doch viel zu viele schöne Stunden. Das kann nicht sein! Aber eben vielleicht doch. In diesem Fall kann ich ja froh sein, dass es nun vorbei ist. Endlich endgültig.
Aber andererseits.... auch hier die vielen leeren Versprechungen: Wir gehören zusammen, wir werden auch mal zusammen kommen, ich such mir ne Wohnung, ich besprech meine Situation mit meinem Freund, ja ich halte das Ultimatum ein und entscheide mich, bla bla bla. Alles nur heisse Luft? Hat er selber daran geglaubt?
Wenn man enttäuscht ist, hat man sich vorher getäuscht, und man hat sich von der Täuschung befreit. Das ist nun mir passiert. Ist doch gut. Ich lass es gut sein und schaue nach vorne. Es hat noch mehr Berater in der Firma, die seriös helfen können und mich nicht hinhalten. Ich suche mir jemanden, der verlässlicher ist.
Ich habe keine Rachegefühle, denn davon hab ich nichts, und es gab viel Positives, das man in Erinnerung behalten kann. Aber der erwachsene Mensch, der sein Wort nicht hält, der laviert und sich so schwach und unzuverlässig zeigt - fühlt der sich wirklich wohl in seiner Haut? Und war er wirklich immer schon so unreif? Vielleicht hat mir die Liebe die richtige Sicht versperrt. Jedenfalls kann ich froh sein, dass ein solcher Mensch nicht mehr zu meinem näheren Umfeld gehört, ich mag das nicht. Ist doch gut so.
sirano - 30. Jul, 03:17
Dass die Wochenenden schnell rumgehen, ist ja bekannt. Aber es ist schon stressig, wenn man einfach nicht mal ohne Uhr leben kann und einfach vor sich hin machen kann, wie man will. Vor allem, wenn man so viele Nachbarn hat wie ich, die mich offenbar alle mögen oder die gute Nachbarschaft pflegen wollen.
So hatte ich für gestern gleich zwei Einladungen, dabei wollte ich eigentlich für mich sein. Ich schaffte es weder, joggen zu gehen oder ins Fitnesscenter zu fahren, noch die Samstagszeitung fertigzulesen. Ausserdem hab ich viel zu viel Wein bekommen.
Und dann heute: Wenn ich im Garten bin, dann kommen alle und wollen schwatzen und halten mich dabei auf. Natürlich kann ich nicht grob sein, sonst ist gleich Feuer im Dach. Aber es langweilt mich teilweise schon, und ich bin auch nicht immer gleich gut drauf, vor allem schwatze ich gar nicht so gern. Das ist ja meist wertloser smalltalk, was dabei rauskommt. Ich hab immer das Gefühl, die Leute wollen mich festhalten, und manche benutzen mich gar als Unterhaltung und als Zuhörerin, weil sonst niemand zuhört?
Jedenfalls kann ich mich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beklagen! Von wegen, in der Schweiz kann man einsam werden. Das hab ich auch mal geglaubt, aber da wohnte ich noch in einer Mietwohnung. Jetzt mit dem Haus in der Siedlung ist alles ganz anders. Klar auch dank den Ausländern, aber auch die Schweizer sind supernett.
Dass ich am Abend meinen italienischen Nachbarn schnell die Post vorbeibringen wollte, die sich während den Ferien aufgestaut hatte und dann auch reingebeten wurde, Kuchen vorgesetzt bekam und mich in italienisch probierte zu verständigen, war nur natürlich. Nur, diese beiden haben wirklich Spannendes zu erzählen. Sie sind weder Eltern noch Hausfrauen....
Nur hab ich jetzt halt immer noch nicht alles erledigt, was ich tun wollte, die Steuerrechnung monieren, die Sonntagszeitung lesen, die Wäsche fertig machen, alles Dinge, die ich nicht machen kann während der Woche. Ich hab chronisch zu wenig Zeit für mich. Warum ist das wohl so, und wie könnte ich das ändern?
sirano - 20. Jul, 23:29
Tja, hier stehen sie brav nebeneinander, unsere geduldigen Autos. Sie kennen sich gut unterdessen, aber was nützts? Du wirst nicht glauben, wie sehr ich gelitten habe und immer noch leide. Du bist mir böse, ich merks, und ich verstehe es. Und deshalb schreibe ich wieder in meinen blog.
Doch du verstehst mich nicht. Typisch Frau, ich höre nicht auf zu brüten. Doch schlussendlich muss ich sagen, es gab keine andere Lösung. Ich musste mich gewaltsam befreien. Du glaubtest mir nicht, du konntest dir meine Verzweiflung nicht vorstellen. Du gabst mir immer wieder Hoffnung, setztest dich hinweg über mein Bitten und Flehen, mich freizugeben. Du schriebst mir mails, du riefst an, du schicktest sogar ab und zu was zu mir heim und schenktest mir schöne Sachen, du sprachst von Wohnungssuche, Stellenwechsel, was weiss ich! Ich habe hunderte von mails von dir abgespeichert mit diesem Inhalt.
Dabei hatte es so eine Hoffnung nie gegeben. Auch wenn es soweit gekommen wäre, dass wir zusammengekommen wären, weil wir füreinander bestimmt gewesen wären, selbst dann wären immer deine Töchter dazwischengestanden und auch vor mir gestanden. Das habe ich nun kapiert. Ich wäre nie die Nummer eins in deinem Leben gewesen. Ich verstehe sogar, wieso die Töchter so einen Stellenwert haben: Sie sind die wichtigsten Personen in deinem Leben, dein Halt und dein soziales Gefüge, denn du hattest dich nie um einen guten Freundeskreis bemüht. Ich verstehe alles, aber es stimmte für mich nicht.
Ich unterstelle dir nicht, dass du absichtlich mit mir rumgespielt hast. Du bist nicht böse. Aber du nahmst mich zu wenig ernst. Meintest, ich sei stark wie ein Fels. Ein Irrtum!
Nun hast du es wohl gemerkt. Es tut mir leid, dass ich mich anders nicht ausdrücken konnte, ich habs probiert, mit mails, mit Gesprächen, am Telefon, mit meinem Verhalten. Ich schrie immerzu: Ich halts nicht mehr aus, bitte lass mich gehen! Wieso tatest du es nicht? Ich verstehe es nicht. Selbst, als einige Leute aus unserer Firma rausfanden, was lief, selbst dann machtest du weiter. Warum? Was trieb dich?
Wie auch immer. Ich will keinen Krach, keinen Streit, nicht mit der liebsten Person in meinem Leben. Doch manchmal denke ich an einen Abend zurück an der Badi Egg, vor langer langer Zeit. Da ritt ich im Schritt an einem Mann vorbei, der gerade aus seinem Auto gestiegen war. Ich grüsste ihn und sagte spontan: Schönes Auto! Es war auch ein schönes Auto, aber was für eins - keine Ahnung mehr! Mir sagen Autos nichts. Und der Typ sagte: Schöne Frau! Das war seltsam, das sagen Schweizer normalerweise nicht. Und ich Idiot!!!! Statt anzuhalten und mit ihm zu sprechen, ritt ich einfach weiter, und ich drehte mich noch um und warf den absolut idiotischen Spruch hinterher: Normalerweise loben die Leute, denen ich begegne, nur immer das Pferd, normalerweise sagen sie schönes Pferd, nicht schöne Frau!
Und dann war ich weg. Tja, ich glaube immer noch, hier habe ich die Chance meines Lebens verpasst. Und wenn ich jetzt, fünf oder sechs Jahre später, an dieser Stelle entlangreite, schaue ich stets verstohlen um mich: Ist er wohl wieder da? Dabei ist unterdessen an dieser Stelle sowieso Parkverbot.
Die Chancen, die sich nur einmal präsentieren und wir verpassen, die tun am meisten weh. Und das jahrelang. Aber davon willst du nichts wissen. Wichtig ist, dass deine Töchter zufrieden sind mit dir, sie, die noch das ganze Leben vor sich haben. Nicht ich, die ich wahrscheinlich das letzte Mal in meinem Leben eine Beziehung eingehen werde. Meine Gefühle zählen weniger, wenn überhaupt.
Aber ich akzeptiere es. Ich bin immer noch der Meinung, entweder ist man freiwillig bei mir, oder sonst lieber nicht. Du ziehst das zweite vor, nun denn! Viel Glück und alles alles Gute
Nachtrag: es war schön, dich wiederzusehen, mein lieber Freund. Du warst verständlicherweise nervös, merktest aber, dass du mir vertrauen kannst. Schön! Und du hast keine Probleme mehr daheim, noch besser! Am ersten Mai in Bregenz hattest du ja deiner Gattin noch den Tod gewünscht, weisst du noch? Du sagtest, sie werde wegen Bluthochdruck oder so wahrscheinlich bald sterben (und dein Problem lösen). Es ist schön, wenn du nicht mehr so denkst. Das war ja schon eine sehr krasse Aussage, musst du zugeben!
sirano - 10. Jul, 23:50
Der Titel stammt aus einem Artikel vom 24.6., der ein Buch eines Psychiaters aus Bonn vostellt. Titel des Buches: Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Unterdessen hat es natürlich gleich Leserbriefe gehagelt.
Es geht in diesem Buch darum, dass die Eltern unserer heutigen Zeit sehr oft die Kinder zu Partnern machen und damit überfordern. Der Autor stellt fest, dass unter den heutigen Kindern viel mehr Verhaltensauffällige zu finden sind. Er meint, dass viele unter Narzissmus leiden, den Entwicklungsstand dieser Kinder vergleicht er mit dem Niveau eines Zweijährigen. Michael Winterhoff findet, dass das neurobiologische Training, das Menschen zu sozialkompetenten, leistungsfähigen und frustrationsresitenten Wesen macht, häufig nicht mehr stattfindet. Der frühere autoritäre Erziehungsstil machte Kinder viel kaputt und zu devoten Persönlichkeiten, aber dann kamen die 68er Jahre und damit eine Erziehung, die Kinder zu Selbständigkeit und Eigenverantwortung anleitete. Dann kam der Wohlstand. Das Kind wurde zum Partner, das alles haben soll und überall mitentscheiden soll. Damit ist es überfordert, denn ein Kind kann das noch gar nicht. Mütter treten in eine symbiotische Beziehung zu ihren Kindern, das Kind soll die Eltern lieben, erfüllen, damit ergibt sich eine Machtumkehr. Das Kind lässt die Eltern rennen, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Somit dürfen Kinder auch frech sein, Grenzen überschreiten, ohne das eingegriffen wird. Im Gegenteil, es wird alles getan, damit das Kind zufrieden ist.
Das zeigt sich auch in der Schule, wo Grundschulkinder partnerschaftlich angeleitet werden sollen (so die elterlichen Erwartungen). Dabei bräuchten Kinder klare Anweisungen einer starken Lehrperson (was nicht das gleiche ist wie Befehle). So können Kinder auch nicht Interessen entwickeln und lernen, dafür ernsthaft zu arbeiten.
Aus diesem Grund sinkt das schulische Niveau kontinuierlich. Das glaube ich gern, wenn ich selber sehe, wie schwach viele heutige Kinder in Mathe und Rechtschreibung sind. Und trotzdem jammern die Eltern immer, wie überfordert die Kinder in der Schule sind. Ich weiss nicht. Wir hatten von Anfang an zweisprachigen Unterricht, mit 10 Jahren kam Englisch dazu und mit 12 Jahren Latein, ausserdem Chemie, Physik, Biologie.... Wir waren irgendwie nicht überfordert. Daneben haben wir noch ein paar Musikinstrumente gelernt und Sport gemacht.
Die alte Leier, früher war alles besser, möchte ich auch nicht anstimmen. Und trotzdem, was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr..... ich glaube schon, dass das stimmt.
Die Leserbriefe, die obiger Artikel auslöste, gingen auch prompt in die Richtung, die Winterhoff anprangert: Von wegen, ein Kleinkind sei keine eigenständige Persönlichkeit!!!
Na ja, warten wir mal ab, wie sich die verzogenen Bälger in den Arbeitsprozess einfügen werden. Und ansonsten müssen wir halt noch mehr Inder holen. Die fackeln nicht lang bei der Kindererziehung, aber das hat letzteren offenbar nicht geschadet.
So wie es auch mir nicht geschadet hat, dass ich kein Wohlfühlklima daheim hatte. Zwar fehlte die psychologische Stütze, vor allem in der Pubertät. Jedoch werden auch Kinder, die wie oben beschrieben erzogen sind, sich nicht an ihre Eltern anlehnen können/wollen. Sie werden ihre Eltern als schwach einstufen und somit nicht verlässliche Ratgeber. Sie werden vielmehr ihre Eltern als Spielball ihrer Interessen benutzen und bei Bedarf auch mal erpressen (einfach zu bewerkstelligen: Das Kind droht mit Liebesentzug. Verkehrte Welt, früher drohte die Mutter mit Liebesentzug).
sirano - 6. Jul, 17:44
Ein Sehbehinderter hat sich in einem Leserbrief beklagt, dass einige S-Bahnen umgespritzt wurden extra für die EM. Tatsächlich haben diese jetzt relativ dunkle Bilder über den Wagons, und es ist offenbar für den Leserbriefschreiber nun viel schwieriger geworden, bei diesen Wagons die Türe zu finden. Kann sein.
Aber ich habs satt, dass immer von Seiten der Behinderten gemotzt wird. Ich meine, wir machen ja viel für sie, auch wenn sie nicht das unbeschwerte Leben eines Nicht-Behinderten führen können, aber dafür können wir auch nichts. Meist richten wir eine volle Rente aus, die aus den Löhnen der arbeitenden Bevölkerung bezahlt wird. Und dann die ganzen baulichen Massnahmen, die dann halt doch nur einen Teil der Behinderten berücksichtigt, z.B. die im Rollstuhl, aber nicht die Blinden, etc. Diese zahlen die Steuerzahler, somit wiederum die arbeitende Bevölkerung, die aber selber nichts davon hat.
Ich finde, die Behinderten sollten das schätzen, und sie sollten sich dankbar zeigen. Stattdessen immer diese Jammerhaltung, wir sind ja so arm, die anderen so rücksichtslos, etc. Ich meine, das alles kostet sehr viel Geld, und wieviele Behinderten-WC wurden in öffentlichen Gebäuden gebaut und werden dann vielleicht trotzdem nie benutzt, weil zufälligerweise kein Rollstuhlfahrer vorbeikommt? Könnte doch sein, oder? Es gibt kein Recht auf vollständige Rücksicht und auf ein Leben, als hätte man die Behinderung nicht, dafür gibt es ja zu viele verschiedene Behinderungen.
Man kann nicht auf sämtliche Treppen verzichten, weil es weniger als ein Prozent der Bevölkerung nicht schafft, diese ohne fremde Hilfe zu überwinden.
Bei den Behinderten finde ich, dass die sehr hohe Anspruchshaltung völlig daneben ist. Wieso sollen sie so bevorzugt werden, sie sind in der absouten Minderheit und arbeiten meist überhaupt nicht.
Uebrigens könnte ja der eingangs erwähnte Sehbehinderte andere Passagiere fragen, wo die Türe ist, oder jemanden bitten, ihn an die Türe zu begleiten. Warum will er das nicht, ist er zu stolz, um Hilfe zu bitten? Falscher, blöder Stolz. Wir als erdrückende Mehrheit von vielleicht 98% der Bevölkerung, die wir das Glück haben, gut sehen zu können, wir können und dürfen uns auch mal an einem andersfarbigen Zug freuen, der etwas speziell aussieht. Das ist auch die Sicht, die die Behinderten haben müssten, finde ich. Nicht einen Minderwertigkeitskomplex sollen sie entwickeln, weil sie behindert sind, sondern sich arrangieren und sich eben auch helfen lassen. Ich lasse mir ja auch gern helfen, wenn ich ein Problem habe.
sirano - 30. Jun, 00:02
Die letzte Samstagsausgabe unseres Magazins enthielt einen guten Artikel über die Raucher, den ich deshalb geküzt hier wiedergeben möchte, sozusagen als Archiv.
Es geht um Raucher und ihre Ausreden, weshalb sie gegen Rauchverbote in öffentlichen Plätzen und Räumen sind.
Der Autor stellt erstens fest, dass Raucher Kritik generell nicht vertragen und mit unsinnigsten "Argumenten" zu kontern versuchen, z.B. "Wir wollen keine Verbotsgesellschaft". Hierzu der Autor: Das könnten auch die Räuber und Verkehrssünder sagen, denn stehlen und Tempolimiten überschreiten ist auch verboten.
Zweitens meint der Autor, es sei naiv, Rücksicht von jemandem zu erwarten, der sich selber nicht schont. Und hier liegt der Knackpunkt. Der Autor findet, dass das unreife Verhalten (d.h. keine Rücksicht zu nehmen) daher kommt, dass der Mensch normalerweise in seiner Pubertät anfängt mit Rauchen. Das ist die Zeit der Abnabelung, wo man ganz sicher anders sein will als die Spiesser und meint, alles besser zu wissen. Das gehört zum Erwachsenwerden und ist so ok, aber eines Tages sollte diese Phase überwunden sein. Für einen erwachsenen Menschen ist das Rauchen in Gegenwart anderer genauso inakzeptabel wie stehlen, Scheiben einschlagen oder betrunken rumgrölen.
Deshalb ist es für eine Gesellschaft, die sich selber ernst nimmt, nicht möglich, Raucher zu dulden. Denn Rauchen stört die Nichtraucher und muss deshalb verboten werden. Es hat ja jeder das Recht auf saubere Atemluft, dies sollte wohl selbstverständlich sein. Das Lieblingsargument "Eigenverantwortung" kann hier nicht ziehen. Noch dümmer ist jedoch das Argument, Ex-Raucher seien die schlimmsten Nichtraucher. Darin liegt gemäss dem Autor, der auch mal geraucht hat, nicht mal der Ansatz eines Arguments.
Wenn es also Raucher mit gutem Zureden nicht schaffen, sich bewusst zu machen, dass sie andere stören, muss man sie halt per Gesetz daran erinnern, dass sie nicht allein auf dieser Welt sind
sirano - 8. Jun, 23:03
Der Mensch ist extrem leidensfähig, das hatte ich schon einige Male kommentiert. Ich konnte es nicht fassen, was z.B. die Frau erleiden konnte, die letzthin im Keller gefunden wurde. Sie hatte ohne Hoffnung anscheinend 24 Jahre lang dort unten zugebracht, nur unterbrochen von Besuchen ihres Vaters, die oft mit Vergewaltigung einhergingen, dann noch in Gegenwart der Kinder? Wie kann ein Mensch so eine seelische Qual aushalten? Und ich klage über Winterdepression, wenn ich im Winter nicht mehr als eine Stunde Sonnenlicht erhalte! Diese Frau hatte offenbar 24 Jahre lang nur künstliches Licht. Ich dachte, der Mensch geht da einfach ein.
Und nun eine Buchbesprechung in der Zeitung über einen kolumbianischen Botschafter, der von der Farc entführt worden war und sich jahrelang in deren Händen befand. Er traf nach über einem Jahr Ingrid Betancourt, die wohl berühmteste Geisel der Farc. Sie konnten einmal gemeinsam fliehen. Aber sie hielten nicht durch, der Hunger zwang sie, sich zu ergeben. Zur Strafe wurden sie barfuss ein Jahr lang an einen Baum gefesselt und durften nicht mehr miteinander reden. EIN JAHR!!!!!!!!! Das ist doch immens, unvollstellbar! Entschuldigung, wie geht das, wie hält man das aus? Und ich werde schon ungeduldig, wenn mein Zug zehn Minuten verspätet ist.
Ich kann mir das alles nicht vorstellen. Es gibt noch andere Leiden, die ich mir nicht vorstellen kann, geschweige denn, dass ich sie aushalten würde. z.B. die Arbeitszeiten vieler Chinesinnen, die das "Wirtschaftswunder" in China möglich machen. Das Leben in kompletter Armut in vielen Teilen der Welt, z.B. in Ruanda, im Sudan, in Aethiopien oder gar im Gazastreifen. Wie hält man das aus? Es ist mir wirklich ein Rätsel.
Tatsache ist jedenfalls, wenn der Mensch nicht so leidensfähig wäre, wenn er einfach wegstürbe, statt Qualen auszuhalten, dann wäre der Mensch auch nicht erpressbar. Die Geschichte wäre anders verlaufen, und die Welt sähe anders aus. Ich wünschte mir ehrlich gesagt, es wäre so. Ich wünschte ferner, dass auch Tiere einfach sterben könnten, wenn es ihnen zu schlecht geht (ich denke da an die vielen schlecht gehaltenen Haustiere).
Und hier bei uns machen so viele Leute Selbstmord, weil sie an viel "weniger schlimmeren" Situationen zerbrechen. Nun, natürlich ist das relativ, aber manche Leute halten es schon nicht mehr aus im Leben, wenn sie von jemandem verlassen wurden, und andere halten solche Martyrien aus. Es ist einfach unglaublich. Jedenfalls hat mich das mit dem Baum umgehauen. Das hätte ich ganz bestimmt nicht ertragen. Diese Langeweile!
sirano - 22. Mai, 23:45