Freitag, 8. Mai 2009

Der Hund fehlt

Dieter Bachmann, ein deutscher Schriftsteller (oder Journalist?), der in Italien wohnt, hat letztes Wochenende eine herzzerreissende Story erzählt, wie sein Hund vergiftet wurde. In vielen Regionen Italiens werden offenbar sogenannte polpettas ausgelegt, das sind Fleisch- oder Fettballen, in deren Mitte Gift steckt. Der Hund schlingt von Natur aus alles Essbare runter, ohne zu kosten. Deshalb war der Hündin auch eine erste Vergiftung keine Lehre, sondern sie schnappte auch ein weiteres Mal nach so einem Köder. Den zweiten überlebte sie nicht.
Wer sind die Menschen, die solche Köder auslegen? Offenbar Hundehasser oder solche, die in den Hunden Konkurrenten auf der Jagd sehen. Jagen ist anscheinend eine Tätigkeit, die in Italien viele Menschen gerne ausüben. Zu dem Zweck wird sogar extra gezüchtet und dann freigelassen (damit man die Tiere nachher wieder abknallen kann, was ist das eigentlich für eine Freizeitbeschäftigung? Dümmer gehts nimmer).
Dieter Bachmann beschrieb das Leben danach, wie ihm der Hund fehlt. Ich kann das nachvollziehen, weil ich auch einen Hund einschläfern lassen musste, jedoch altershalber, da ich ja in einem Land lebe, wo man sich ein bisschen mehr um Tierschutz bemüht.
Mir fiel ein, dass meine italienische Kollegin mal erzählte, wie sich ihre Familie in Sizilien einen jungen Hund anschaffte. Keine Ahnung von Tieren hatten die, und deshalb banden sie den Welpen Tag und Nacht hinter dem Haus an. Solche Geschichten tun richtig weh, auch wenn man nicht sentimental ist. Pure Ignoranz in einem Erstweltland.
In mir kam Verachtung auf für dieses Land mit dieser Kultur. Was läuft hier eigentlich falsch? Ein korruptes Land mit einer komplizierten, ineffizienten Administration, mit hoher Arbeitslosigkeit unter Berufsanfängern, mit einer Bevölkerung, die eine Lachnummer wie Berlusconi tatsächlich ein zweites Mal wählt, ein Land, das die Mafia nicht auszurotten vermag, und eben mit einem enorm komischen Verständnis für Tiere.
Und als ich letztes Mal in Milano Malpensa ankam und die U-bahn nehmen wollte, konnten sie mir am bedienten Ticketschalter kein Ticket verkaufen, weil ich nur eine 5 Euro Note hatte. Ich musste das Ticket mit Kreditkarte bezahlen, oder ich hätte einfach keins gekriegt. Glaubt man das?
Anyway, das ging mir alles so durch den Kopf nach diesem Artikel. Jedenfalls frage ich mich, weshalb Dieter Bachmann denn freiwillig in diesem "halben" Rechtsstaat lebt? Spätestens jetzt würde ich eiligst die Siebensachen packen und verduften. Es gibt doch so viele andere, schönere und sicherere Orte auf dieser Welt

Samstag, 28. März 2009

Verschärfte Strafen für Jugendliche

In der Schweiz ist kürzlich ein tragischer Mord an einer erst 16jährigen Frau passiert, ausgeführt von einem erst 20jährigen Mann. Diese Sache rief sofort diejenigen auf den Plan, die für möglichst harte Strafen eintreten und meinen, damit lassen sich solche Fälle in Zukunft verhindern. Dabei genügt ein scheuer Blick Richtung USA, um zu erkennen, dass hohe Strafen noch nie zu Gewaltrückgang geführt haben.
Nun hat das Magazin im Tagesanzeiger eine Reportage veröffentlicht über einen jugendlichen Delinquenten, der allerdings "nur" Einbrüche begangen hat, aber keine Gewalt gegen Personen. Die Story war stellenweise banal und langweilig, jedoch hat sich klar herauskristallisiert, dass der Auslöser für die "schiefe Bahn" im Alter von 13 Jahren die Scheidung der Mutter vom Stiefvater war, der im Leben dieses Jugendlichen fortan fehlte. Eine solche Verletzung, die Orientierungslosigkeit und Unsicherheit hervorruft, tragen aber nicht nur Jugendliche mit sich rum, auch Erwachsene können unter dem Gefühl von Verlassenheit sehr leiden. Bei beiden aber äussert sich fehlende Geborgenheit individuell verschieden. Die meisten Menschen können irgendwie damit umgehen, manche jedoch werden depressiv, weil sie den Frust gegen sich selber wenden, und andere wiederum werden gegen die Umwelt aggressiv. Dahinter sehe ich nichts anderes als die Unfähigkeit unsicherer, schwacher Menschen, mit belastenden Situationen selber fertigzuwerden.
Nun soll mir mal jemand erklären, was hier eine strengere Bestrafung ausrichten könnte, abgesehen davon, dass diese Menschen sowieso schon bestraft sind damit, dass sie mit ihrer Situation nicht klarkommen.
Jedenfalls endete die Story damit, dass der Junge von der Schule flog und von den Behörden in ein Heim eingewiesen wurde, wo er anfing zu kiffen und später zu stehlen. Eine Lehre hat er nicht fertiggemacht, die Schule auch nicht. Er wäre gerne in die Sportschule gegangen, aber das entsprach nicht den Wünschen der Beiständin.
Während ich auch der Meinung bin, dass potentielle Mörder und Vergewaltiger von der Gesellschaft ferngehalten werden müssen, sollen sogenannte Beistände nicht immer nach den konservativen Werten eines "perfekten Lebens" streben, sprich Schule, Lehre, Heim oder sonstwie geregeltes Leben. Im Fall des beschriebenen Jugendlichen hätte man viel eher den unkonventionelleren Weg nehmen müssen und ihm als Talent die Fussballerschule erlauben sollen. Gerade wenn Jugendliche keinen Halt haben, sollte man am besten dort ansetzen, wo ihre Interessen liegen und nicht die Standardvorstellungen gewisser Amtspersonen als das erstrebenswerteste Leben durchsetzen.
Dieser Junge hätte vielleicht Erfolg gehabt als Fussballer und wäre dann vielleicht in der Lage gewesen, ein geregeltes Leben zu führen.

Samstag, 14. Februar 2009

Das schweizer Modell im Vergleich zur deutschen Regierung

Meine deutschen Arbeitskollegen haben letzte Woche intensiv die Abstimmung vom letzten Wochenende kommentiert. Es hätte sie langfristig auch betroffen, wenn das Volk die bilateralen Verträge mit der EU quasi indirekt gekündigt hätte.
Aber das Volk ist nicht blöd, man weiss hierzulande ganz genau, woher der Reichtum stammt, von dem die meisten profitieren.
Wenn es eine solche Abstimmung in Deutschland zur EU Reform gegeben hätte, wäre sie möglicherweise wie in Irland abgelehnt worden, weil die Leute frustriert sind, nicht weil sie gegen die EU sind. Und weil sie nicht gewohnt sind, gefragt zu werden. Und das ist der springende Punkt: Wenn man dem Volk das Gefühl gibt, mitbestimmen zu können (obwohl nur eine Pharse), dann tragen sie die Regierungsentscheide mit und stehen dahinter. Das ist auch in einer Firma so, wo man Mitarbeiter bei einer neuen Struktur involviert und so viel weniger Akzeptanzprobleme hat.
Das alles kennt Deutschland leider nicht, oder zu wenig. Die Deutschen gehören ihrem Staat und sind obrigkeitsgläubiger als die Schweizer, die meinen, der Staat gehöre ihnen und dürfe auch beliebig kritisiert werden. Ein anderes Staatsverständnis, eine andere Gesellschaftsform.
Dafür haben viele Deutsche eine dezidierte Meinung, die sie gern und ungefragt ausdrücken. Während in der Schweiz Kritiker die Harmonie stören, wird in Deutschland genau das gern praktiziert. Bei einem Deutschen weiss man meist, woran man ist.
Das kommt aber in der Schweiz oft schlecht an. Die Deutschen werden oft als Herrenvolk wahrgenommen, die uns überrennen. Sie sind uns zahlenmässig sehr überlegen, so dass wir sehr sensibel sind, wenn sie uns bedrohen. Das weckt historische Ablehnung, die die Schweiz davor bewahrt hat, ein Teil Deutschlands zu werden oder uns in ein anderes Territorium einzugliedern. Warum ist das für die Deutschen wohl so schwierig zu verstehen bzw. nachzuvollziehen?

Samstag, 20. Dezember 2008

Inder als IT Spezialisten in Europa

Man soll ja offen sein für Neues, keine Frage. Die Welt dreht sich, und wir drehen uns mit, ob wir wollen oder nicht.
Nun haben ja viele Firmen nicht nur ihre Call Center, sondern auch ihre IT service lines nach Indien verlegt, denn dort kosten die sehr gut ausgebildeten Leute nur ein Viertel oder so.
Ja, aber haben die alles berücksichtigt in ihrer Berechnung? Ich glaube nicht. Ich bin überzeugt, dass die ganze Auslagerung von IT, Buchhaltung und Kundendienst nach Indien ein Fehlentscheid war.
Erstens der Kulturunterschied. Inder mögen noch so gut ausgebildet sein, sie sind aber dazu erzogen, zu gehorchen und nicht zu hinterfragen. Das kann ganz schön ins Auge gehen.
Inder, die bei uns eine gewisse Zeit verbringen, um die Firma kennenzulernen, sind hier einsam und unglücklich und entsprechend demotiviert. Es gibt fast keine Möglichkeit, diese Leute bei uns zu integrieren, sie sprechen nur englisch, sind zurückhaltend, wollen nur indisch essen und sind sehr unsicher und scheu. Am liebsten bleiben sie unter ihresgleichen, ich glaube, sie fühlen sich in unserer Gegenwart echt unwohl.
Dann müssen diese Leute entsprechend ausgebildet werden und brauchen allerlei Spezialspesen, sei es daheim wie hier.
Es fehlt ihnen auch das Verantwortungsgefühl, sie sind ja nur extern. Wenn etwas falsch verbucht ist, wenn ein System nicht mehr richtig läuft, nachdem sie es manipuliert haben und einen Fehler machten, was stört sie das? Sie wurden nicht dazu ermuntert, Verantwortung zu übernehmen.
Billig ist nicht immer gleich besser, meist ist es andersrum. Billiger Preis ist billige Qualität. Ich prognostiziere, dass in spätestens zehn Jahren keine Firma mehr ihre Buchhaltung in Indien machen lässt und ihr Herz, nämlich die IT, wieder im Heimatland betreuen lassen wird, weil hier einfach die Leute die gleiche Sprache sprechen und sich verantwortlich fühlen. Auch wenn sie mehr kosten, unter dem Strich sind sie immer noch günstiger, wenn sie weniger Ausfälle produzieren.
Bin gespannt, ob ich recht habe.
Nichts gegen Inder und ihre Jobs, die sie dank uns bekommen (sie werden sich eh nicht jahrelang mit einem kleinen Salär zufriedengeben). Aber in einer Generation eine solche Hürde bei der Kultur zu überspringen ist sehr viel verlangt.

Sonntag, 14. Dezember 2008

Was ist Glück?

In der letzten Zeitung stand, dass einer der Gründe, weshalb wir leben, der sein könnte, dass wir glücklich werden möchten. Gut, über Ansichten lässt sich schlecht streiten, aber immerhin wäre das ein Sinn im Leben: Ich lebe, weil ich glücklich werden möchte, das ist mein Ziel.
So weit, so gut.
Ohne zu definieren, was Glück ist, kann man eine solche Aussage jedoch nicht machen. Ich persönlich würde es so definieren: Glücklich bin ich, wenn ich mich rundrum wohl und zufrieden fühle. Wie z.B. jetzt. Ich hatte einen tollen Tag, der mit einem herrlichen Wintermorgenlauf begann und sich durch einen schönen Ritt fortsetzte und von einem tollen indischen Essen in einem Restaurant beendet wurde. Ich fühl mich jetzt wohl, satt, zufrieden und ruhig. Wenn das Glück ist, dann ging das ja einfach.
Noch besser aber war der Freitag abend: Statt in einem stickigen Restaurant mit den Kollegen das traditionelle Weihnachtsessen zu begehen, hab ich mich im vollen Mondschein aufs Pferd gesetzt und bin gut eingepackt durch die verschneite Landschaft geritten. Das war ein wahnsinnig schönes Gefühl. Selten hab ich mich so wohl und wunschlos gefühlt.
Also bin ich eigentlich glücklich? Ich glaube schon.
Alles andere wäre gelogen.
Aber Glück ist also temporär und limitiert. Man muss sich immer wieder lösen von materiellen Wünschen, von Vorstellungen über "gutes Leben", von Sorgen über nichts und wieder nichts und von dem perfekten Leben, das einem andere vorschreiben wollen. Die Gesellschaft hat schon ihre fixen Werte und Vorstellungen, wie ein glückliches Leben aussieht. Dem gilt es entgegenzuhalten und zu widerstehen.

Freitag, 14. November 2008

Houellebecq: Seine Meinung zu Hunden und Kindern

Endlich endlich konnte ich das letzte Buch, das ich von meinem Ex Liebhaber bekam, in Ruhe lesen. Ich verbrachte eine geruhsame Woche in Argentinien beim Polospielen, es war wunderbar. Es war eine erholsame, genussreiche Zeit. Jeden Morgen ein Spaziergang bei bestem Wetter vor dem Frühstück, dann eine Runde stick and ball, eine Runde Schwimmbad und nach dem Mittagessen eine siesta. Am Abend dann jeweils ein paar chukker... so schön kann das Leben sein. Selten kam ich so erholt zurück vom Urlaub, dabei war ich nur eine Woche in Argentinien, eingerahmt von je 17 Flug- und Reisestunden!
Aber es hat sich gelohnt, obwohl ich den Preis (USD 2000 inkl Kost und Logis) eher als hoch betrachte. Ein Besuch in einem Poloclub und bei einem wichtigen hochprofessionellen Turnier haben mich sehr beeindruckt, zwischendurch wurden wir auch abends mal ausgeführt. Hier scheint man das Leben vor allem zu geniessen! Auch die weniger gut betuchten Leute schienen wenig Stress zu haben, das Land bietet ihnen so viel für so wenig Arbeit.
Die Pferde waren super, die Leute alle sehr freundlich und angenehm, das Essen super und reichlich. Ein wenig mehr Unterrichtsstunden hätte ich mir gewünscht, und vielleicht ein wenig mehr Leute in meinem Alter, aber letzteres kann man nicht erwarten, man hat einfach Glück oder mehr Zeit zum Lesen.
Ach, und apropos Preis, in manchen Orten zahlt man gut und gern einen Tausender mehr, wie ich erfuhr. Es ist und bleibt wohl ein Luxussport.
Und es ist schwer zu lernen, auch wenn man schon reiten kann. Mein Handgelenk jedenfalls weiss es zu schätzen, dass es nun eine Pause hat.
Man hat jedenfalls was zu erzählen. Aber man hat eben auch viel Zeit zum Ausspannen.

Also Houellebecq's Buch "Die Möglichkeit einer Insel": Der Ansatz mit der Idee der Neomenschen, die quasi geklont werden, aber gleich ins Erwachsenenalter katapultiert werden, ist reizvoll. Nicht alles war aber logisch, und woher die wilden Menschen kamen, hab ich nicht kapiert, und der Schluss war sehr abrupt, ich erwartete eher, dass er Marie nochmals treffen würde....
Zwei Absätze fand ich aber sehr bemerkenswert, und die möchte ich jetzt in meinem vernachlässigten blog zitiert haben (natürlich in der Uebersetzung).
Thema Hund:
"Die Liebe lässt sich leicht definieren, aber in der Aufeinanderfolge der Lebewesen kommt sie nur selten zustande. Mit den Hunden huldigen wir der Liebe und ihrer Möglichkeit. Was ist ein Hund schon anderes als eine Liebesmaschine? Man stellt ihm einen Menschen vor mit dem Auftrag, ihn zu lieben - und egal, wie hässlich, pervers, verunstaltet oder dumm dieser auch sein mag, der Hund liebt ihn". Aha, jetzt weiss ich endlich, warum ich auch so ein Stinktier im Wohnzimmer habe.
Der andere bemerkenswerte Abschnitt zum Thema Vater werden:
„Das Problem war ich. Ich war nicht nur von dem legitimen Ekel erfüllt, der jeden halbwegs normalen Mann beim Anblick eines Babys überkommt, und ich war nicht nur zutiefst davon überzeugt, dass ein Kind so etwas wie ein lüsterner Zwerg mit angeborener Grausamkeit ist, der sogleich die schlimmsten Züge seiner Gattung zum Ausdruck bringt und von dem sich die Haustiere in weiser Vorsicht abwenden. Hinzu kam noch ein tief in mir verankertes Entsetzen, ein wahres Entsetzen vor dem endlosen Leidensweg, den das Dasein der Menschen darstellt. Der Säugling ist das einzige Lebewesen, das seine Gegenwart unmittelbar nach der Geburt durch unablässige Schmerzensschreie zum Ausdruck bringt, und zwar weil er leidet, weil er auf unerträgliche Weise leidet. Vielleicht liegt es am Verlust des Haarkleids, der die Haut für Temperaturschwankungen so empfindlich macht....“ Aha, jetzt weiss ich endlich, warum ich keine Kinder habe, die ekligen Tyrannen.
Und noch was zum Thema Jugend, die älter wird und den Ernst des Lebens erlebt:
„.... sie bleiben Sklaven ihrer Sprösslinge, die Zeit der Freude ist für sie allemal vorbei, sie müssen sich bis zum Schluss weiter abmühen, unter Schmerzen und mit zunehmenden gesundheitlichen Problemen, bis sie zu nichts mehr gut sind und als störende, unnütze Greise endgültig zum alten Eisen geworden werden. Ihre Kinder sind ihnen für all das aber in keiner Weise dankbar, ganz im Gegenteil, mögen sich die Eltern auch noch so angestrengt haben, diese Anstrengungen werden immer als unzureichend erachtet und die Eltern, ganz einfach weil sie Eltern sind, als schuldig betrachtet“
Der Autor hatte hier schon ein wenig sehr provokante Ansichten, oder zumindest tat er so. Man muss es Kunst nennen, was der alte Depro Typ da produziert hat.
Aber wieso schenkte mir wohl mein letzter Angebeteter dieses Buch? Hatte er tatsächlich so viel Abstand zu seinem eigenen Leben? Er hat jedenfalls Geschmack, und er liest offenbar gern anspruchsvolle Literatur. Ich bin beeindruckt, dass er mir so ein Buch schenkte. Aber es passt in die Serie der Bücher, die ich auch sonst noch von ihm bekam.
Ach, es war schon cool, solche anregenden, unterhaltsamen Bücher geschenkt zu bekommen. Hoffentlich passiert mir das wieder mal.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Finanzkrise - leider nicht zum Lachen

Ich bin hier wie alle einfach am Weiterleben und am Geldausgeben wie immer, aber eigentlich suggerieren die Zeitungen, dass gar nichts ist wie immer.
Während noch vor wenigen Wochen der Stellenanzeiger in meiner Tageszeitung fast dicker war als die Zeitung selber, ist er jetzt empfindlich geschrumpft. Wahrscheinlich warten alle mal zu. Das ist doof, wenn man eine neue Stelle sucht. Ich muss mich wohl gedulden.
War jetzt eine Woche in Jordanien und hatte Zeit zum Nachdenken. Ich kam darauf, dass der Beruf des Consultants wohl nicht für Frauen geeignet ist. Alle, die jetz losheulen, ich soll aufhören mit dem ewigen Bockmist, die sollen sich mal diese Berater genauer ansehen. Es ist eine Männerclique, die abends zusammen ein Bier trinkt und so die Bande zusammenschweisst. Wer nicht mitkommt, gehört nicht dazu. Nicht richtig, jedenfalls. Er oder sie (meistens eben sie) wird nicht ernst genommen, vor dem Kunden schlecht gemacht oder auch sonst aggresiv behandelt. Nicht nur ich, auch andere Frauen werden manchmal recht herablassend angesehen. Am besten dran ist der mit dem geschliffensten Maul. Und frech und etwas aggressiv dürfen sie sein, die Herren Berater, aber ja nicht die Frauen! Dann sind das gleich Zicken. Scheiss job. Aber zahlt gut. Ich werde es wohl noch eine Weile hier aushalten müssen, wenn ich mich nicht grad in das nächste Abenteuer stürzen möchte, unüberlegt wie meist. Das ist nämlich der Grund für die vielen Wechsel, hab ich auch rausgefunden. Ich evaluiere zu wenig, bevor ich unterschreibe. Sonst hätte ich den jetzigen Job wohl nie angenommen. Beraterin - ich war das schon mal und war schon beim ersten Mal nicht glücklich. Und hei, ich werde langsam alt. Das Spielchen kann man nicht ewig weitermachen!
Was die Finanzkrise anbelangt, tangiert sie mich sonst nicht. Habe auch ein weiteres Bankkonto eröffnet und mein Geld gestreut. Ich las aber, dass Guthaben gegen die Hypotheken verrechnet werden, also wenn die UBS pleite gehen sollte, dann ist mein Geld dort mindestens nicht verloren. Aber unser lieber Staat schaut schon, dass das nicht passiert. Wirklich? Kann er das? Praktisch, dass gerade eben die neuste Ausgabe für die Armee verweifert wurde. Jetzt können wir Teil dieses Geldes mindestens für was Sinnvolles verwenden. Trotzdem - die UBS is too big to fail und too big to rescue, das glaub ich auch. Wenn die untergeht, dann haben wir hier ein Erdbeben. Dann wird es echt ungemütlich für alle Schweizer. Hilfe, hoffentlich nicht. Aber ich las auch, dass nur Krisen uns zwingen, vom normalen Weg abzukommen und etwas neues zu probieren. Krise in chinesisch schreibt sich "Gefahr und Chance", also die beiden Zeichen. Ich hoffe es!

Montag, 22. September 2008

Nochmals die Umwelt

Meine Arbeitskollegen kommen fast alle aus dem Ausland nach Zürich, und das Woche für Woche und schon seit vielen Jahren.
Und die meisten haben Kinder.
Aber sie gehen so sorglos mit unseren Energieressourcen um, weil sie nicht daran glauben, dass wir einmal ein ernsthaftes Problem haben könnten, weder wir noch ihre Kinder. Nun gut, warten wir es ab.
Nur, wenn wir dann mit Sicherheit wissen, wer recht hat, die Pessimisten und Warner oder die Optimisten, und wenn sich aber herausstellt, dass die Pessimisten recht haben, dann ist es zu spät. Nicht für unsere Generation, aber wohl für die nächste.
Darum finde ich, dass man Geschäftsreisen verpönen sollte genauso wie Wein aus Australien. Man sollte alternative Lösungen suchen und propagieren, und man sollte nur mit Mass reisen. Aber das ist sinnlos. Der Mensch lernt nur mit Gewalt, durch negative Erfahrung. Damit kann ich jetzt den Bogen zu den Amerikanern schlagen. Meines Erachtens war das grösste Problem an der Wallstreet die horrenden Löhne und die unerklärliche, unersättliche Gier nach mehr. Auch hier gab es schon lange Rufer in der Wüste. Hat natürlich nichts genützt. Aber nun stürzt die Krise die ganze Welt in ein Problem. Gut, die US Regierung rettet ihre Banken und damit ihre Wirtschaft, die einzelne CEO zugrunde geritten haben. Schön schön, aber wer bezahlt denn das? Die amerikanische Regierung war doch schon vorher tief verschuldet, und jetzt schnürt sie noch das Tausend-Milliarden-Paket. Die Vorstellung, die der absolute super-GAU wäre: eine USA, die pleite ist.
Dann könnten wir alle heim gehen. Auto und alles andere Unnütze verkaufen. Kartoffeln im Garten anpflanzen und warten, ob die Zeiten vielleicht eines Tages wieder besser werden.
Also dieses Jahr hat uns ganz schön durchgeschüttelt. was kommt wohl noch?

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Zuletzt aktualisiert: 13. Feb, 23:05

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