Sonntag, 27. Januar 2008

Bella Italia?

Das Land, welches mir am meisten zu denken gibt in Westeuropa, ist Italien. Wie hat man doch die Kultur und die Geschichte, aber auch die Landschaft dieses Landes verklärt, besungen, gelobt, bewundert. Nun ist schon wieder eine Regierung gestürzt. Und das Schlimmste dabei ist, dass Berlusconi schon wieder in den Startlöchern steht. Das ist sozusagen das übelste Szenario, was ich mir vorstellen kann. Es gibt jedoch allen Ernstes Leute, die sich die Aera Berlusconi wieder herbeiwünschen! Grad heute hat einer einen Leserbrief geschrieben, er wohne schon seit 20 Jahren in Italien, aber die einzige Zeit, wo die Verwaltung funktionierte, sei damals gewesen, als Berlusconi an der Macht war, dieser Clown. Hat dieser Leserbriefschreiber nicht mitgekriegt, dass Berlusconi das Land als seine Privatsache behandelt hat, Gesetze nach seinem Gutdünken zurechtgebogen hat, Pressefreiheit mehr oder weniger abgeschafft hat und auch sonst ziemlich offensichtlich nur an sich gedacht hat? Entweder liest dieser Mensch keine ausländischen Zeitungen (aber wieso schreibt er dann Leserbriefe in einer schweizer Zeitung?) oder er ist supernaiv. Ist mir ein Rätsel.

Die Italiener können einem leid tun: Schuld ist ja die Verzerrung der Stimmenzahl im Parlament, das den kleinen Parteien viel zu viel Macht gibt. Jede Regierung muss mit hauchdünnen Mehrheiten arbeiten und kann deshalb jederzeit scheitern. An ein geregeltes Regieren ist so nicht zu denken. Neuwahlen bringen keine Aenderung, das Wahlgesetz müsste sich ändern, und das wollte Prodi ja in Angriff nehmen.
Die Parlamentarier, obwohl die bestbezahltesten in der EU, denken anscheinend nur an sich und an ihre Privilegien. Klar ist das menschlich, aber nicht grad in diesem frechen Ausmass. Alle halten sich an den Privilegien und an der Staatskasse schadlos, kein Wunder, dass Steuerhinterziehung ein Volkssport ist! Unter diesen Umständen würde ich auch nicht gern Steuern bezahlen. Ist ja schlimm, kommt ja nichts zurück. Nicht mal der Müll wird in manchen Gegenden entsorgt, von einem entschlossenen Durchgreifen gegenüber der Mafia ganz zu schweigen.
Und die Bürokratie funktioniert natürlich ebenfalls nicht, wie sollte sie auch? Ich las mal einen Artikel einer ausländischen Journalistin, die probiert hat, sich als Ausländerin anzumelden. Verarscht wurde sie, sie musste viele Stunden umsonst anstehen, immer und immer wieder. Da lobe ich mir die Schweiz. Ich würds nicht aushalten in Italien, oder zumindest würde ich nicht legal dort wohnen wollen. Und die Jungen? Die mit dem Tausend-Euro-Jobs und ohne Aussicht auf Besserung und Chancen? Die mit so einem Lohn nicht alleine leben können, geschweige denn eine Familie gründen? Das ist doch wirklich ein Jammer. Wie gesagt, das Land ist ziemlich unattraktiv als Wohnort, würde ich sagen. Jedenfalls schlimmer als die USA.

Italien war lange ein Auswandererland, dann wurde es ein Einwandererland, aber wenn das so weitergeht, wird es wieder zum Auswandererland mutieren. Wenn ich dort aufgewachsen wäre, hätte ich mich gesputet und schnell Englisch gelernt, und dann wäre ich abgehauen. So, wie ich damals aus Spanien abgehauen bin, bevor es modern wurde.
Aber in Spanien funktioniert die Bürokratie mindestens, und auch die Regierung kann normal arbeiten.
Aber Italien - nicht zum Aushalten! Die armen Leute

Samstag, 19. Januar 2008

Warum werden Jugendliche rechtsextrem

Es gibt gemäss einer Studie drei Gründe, weshalb Jugendliche empfänglich werden für rechtsextremes Gedankengut
1) Die Eltern denken schon so (da kann man nicht viel machen)
2) Gruppendruck der Kollegen (das wächst sich wahrscheinlich aus)
3) Die Jugendlichen fühlen sich von Erwachsenen nicht ernst genommen (hier können und müssen wir ansetzen)

Wie kann das passieren, dass sich Jugendliche in ihrem unsicheren Status nicht ernst genommen fühlen? Jeder Erwachsene weiss doch noch, wie grässlich es sich anfühlte, in der Pubertät zu sein. Das heisst, jeder sollte wissen, wie sich Jugendliche fühlen und was sie brauchen. Das ist mal das eine.
Aber wenn diese nicht von daheim einige Sicherheit mitbekommen haben bezüglich Lebensführung, wenn sie z.B. aus Protest oder aus Unsicherheit oder aus einer sonstigen destruktiven Stimmung heraus Leute zusammenprügeln, Allgemeingut oder Privatgut zusammenschlagen, ja dann wird es tatsächlich schwierig, diese jungen Leute zu umarmen und ihnen die Wärme zu geben, die sie wahrscheinlich eigentlich bräuchten.

Aber ich fand es gut, einmal diese Perspektive vermittelt zu bekommen: Dass nämlich Rechtsextremismus aus einer seelischen Not heraus geboren wird, auch wenn ich da nicht viel helfen kann, irgendwie ist eben doch jeder seines eigenen Glückes Schmied....

Dann gab es noch eine andere Studie, die gerade publiziert wurde und mir erwähnenswert erscheint: Praktisch 50% der Angestellten wurden schon mal Opfer von sexueller Belästigung. Wobei das auch eine Definitionsfrage ist, gemäss dieser Studie ist es schon eine sexuelle Bemerkung, wenn man die kräftigen Oberarme eines Mannes kommentiert....
Jedenfalls fand ich, das war wieder mal ein Grund, einen Leserbrief zu schreiben. Und siehe da, sie druckten ihn ab, weil genug provokativ geschrieben. Das war das Original, was sie leider gekürzt haben. Den ganzen letzten Absatz mit der Journalistin in Aegypten haben sie weggelassen. Das ist eben typisch: in einem Leserbrief darf man sich halt nich verzetteln, man muss strikt bei einem Thema bleiben, sonst drucken sie es nicht oder nur gekürzt ab. Egal, ich hab meinen Punkt öffentlich gemacht, das war die Hauptsache (obwohl: was bringts eigentlich???)
Liebe Redaktion
Dieser Artikel hat mich etwas gewundert; ich konnte diese Studie nicht
ganz ernst nehmen. Ich komme aus Spanien, wo die Leute den ganzen Tag
über Sex gesprochen haben und entsprechende anzügliche Bemerkungen
gemacht haben. Erstens hat man dabei als Mädchen oder Frau früh
gelernt, sich zu wehren mit entsprechenden Entgegnungen, was nicht
geschadet hat, und zweitens gehört Sex doch zur Natur des Menschen.
Die meisten Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter denken doch ständig an
Sex, wieso soll man nicht auch darüber reden? Es ist diese Prüderie,
die unnatürlich ist, nicht das Gerede über Sex, finde ich.
Ausserdem möchte ich noch auf den lustigen Artikel im letzten Tagi
Magazin hinweisen von der Journalistin, die in Aegypten lebt. Was sie
beschreibt, sind echte Belästigungen, verglichen damit ist das meiste,
was in der Schweiz zu erleben ist, eine nette Aufmerksamkeit. Und wie
reagiert besagte Journalistin? Gemäss eigenen Aussagen teilt sie auch
schon mal Ohrfeigen aus - na, die hat doch auch gelernt, sich zu
wehren. Ist doch super.

Samstag, 12. Januar 2008

Kinderarzt bemängelt unser Schulsystem

Der pensionierte Kinderarzt Remo Largo kritisiert in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung unser schweizerisches Schulsystem. Er findet, es favorisiere die Mädchen zu sehr, denn es lege zu viel Wert auf Sozialkompetenz und sprachliche Fähigkeiten, wo die Mädchen naturgemäss besser sind als die Knaben. Und deshalb, findet er, sei es fast nicht möglich, dass die Jungen mit den Mädchen Schritt halten und darum seien immer mehr Buben als Mädchen in den schlechteren Klassen.
Die wichtigste Frage aber hat er nicht beantwortet, die nämlich lautete: Vor vierzig Jahren ging es noch viel mehr um Ordnung, Fleiss, Pünktlichkeit, und trotzdem war der Anteil von Buben am Gymnasium höher als der Mädchenanteil, warum war das so, wenn Angepasstheit und Disziplin nicht eine Stärke der Jungen sind? Dieser Remo Lang findet nämlich, dass wir in der Schuld das Gewicht gar nicht so sehr auf Angepasstheit und mehr auf Individualismus legen sollten. Und dann wären wohl seiner Meinung nach automatisch die Jungen wieder am Aufholen? Ich habe selten so einen Blödsinn gelesen.
Natürlich müssen wir unsere Kinder zu Individualisten erziehen, aber das tun die modernen Eltern schon zur Genüge. In der Schule müssen sie lernen, sich unterzuordnen und einzufügen, denn wenn sie das dort nicht lernen, werden sie in der Arbeitswelt kaum bestehen! Kinder sollen lernen, ihre Meinung ohne Angst zu äussern, was leider nicht grad eine schweizerische Spezialität ist. Aber sie müssen auch lernen, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind und nicht immer machen können, was ihnen passt.
Wenn die Schulfächer zu sprachlastig sind, dann kann man ja ein paar technische Fächer dazutun und besser gewichten, und fertig ist die Geschlechtergleichstellung bei den Schülern. Da muss sonst nichts umgebaut werden an der Schule.
Allerdings muss ich bemerken, dass mir immer wieder zu denken gibt, wenn ich von Jugendlichen Notizen erhalte, die nicht in korrekter Grammatik und Orthographie abgefasst sind. Korrekt Schreiben und Rechnen, das sollten alle können, die in der Pubertät sind! Dafür gehen sie in die Schule, finde ich.
Aber dass immer an der Schule rumkritisiert wird, nervt mich schon. Man lernt fürs Leben, heisst es. In jedem Land sind die Schulsysteme so anders, und trotzdem gibt es in allen Ländern fähige Leute. Was muss jeder, der nicht Lehrer ist, an der Schule rummeckern, nur weil er selber mal dort war oder Kinder hat? Das berechtigt noch lange nicht zu konstruktiver Kritik und Verbesserungsvorschlägen.
Und eben, in den meisten Führungsetagen sitzen mehrheitlich Männer, es gibt also genug Buben, die die Schule trotz Diskriminierung geschafft haben und sogar studiert haben! Es kann nicht so schlimm sein.
Ja, dieser Artikel hat mich geärgert. Ich gebe es zu.

Dienstag, 25. Dezember 2007

Wie man in Würde alt wird

Ich fasse hier einen Artikel zusammen, den ich in der Sonntagszeitung der NZZ gesehen habe und der mir so gut gefällt, dass ich den Inhalt in meinem blog ablegen möchte.
Der Artikel beginnt mit dem Satz „Das Menschsein beginnt nach dem Ende der Pubertät“ Der Jugendliche orientiert sich an etwas, das tunlichst nichts mit den Eltern zu tun hat. Kinder sind reizend, aber ungeeignet, wenn es darum geht, herauszufinden, was der Unterschied zwischen gut und böse ist.
Zwischen 20 und 30 meint der Mensch, er sei unsterblich und könne die Welt nach seinen Idealen formen. Entweder will man alles anders machen (Aussteiger oder Punker werden) oder man spielt mit (Karriere, Geld, Markenkleidung). Der Zweck bei beiden ist, ein Ich aus den Erlebnissen zu formen. Gute junge Leute sind unsicher und sucht seine Position im Leben, böse junge Leute denken in Kategorien wie Winner und Loser und meinen, nur das Geld zählt.
Zwischen 30 und 40 beginnt die Zeit der Wiederholungen. Die Beschäftigung sollte erträglich sein, der Mensch richtet sich ein, das Ich wird vervollkommnet. Es ist die Zeit der Suche, aber auch die Zeit des Neides. Man will es noch besser haben.
Zwischen 40 und 50 braucht es starke Nerven, weil der äussere Verfall beginnt. Wehe dem, der dann noch nicht Frieden mit seiner Vergänglichkeit gemacht hat, denn der wird sich albernerweise wie ein Jugendlicher kleiden und benehmen („Jugend ist eine Frage der Einstellung“) und allen zu verstehen geben, dass er oder sie immer noch so dumm ist wie mit 17. Sprachen lernen ist kein Zuckerschlecken mehr. Wenn man mit seinem Alter Frieden gemacht hat und sich daran erfreuen kann, dass einem noch nicht allzuviel weh tut und man keine Not leiden muss, dann kommt man gut über die Runden. Wenn man aber auf sein eigenes Lebenskonstrukt beharrt, sich bedroht fühlt durch andere Lebensentwürfe, dann entsteht gern Hass auf alles Andersartige, Verbitterung auf die undankbaren Kinder, die nicht die Erfüllung gebracht haben, und auf den Partner, der die grossen Chancen verhindert hat. Hassen kann man alles, wenn man nur genug Angst hat.
Zwischen 50 und 60 haben die meisten resigniert und nennen das Weisheit. Frauen und Männer ähneln sich bei den Haarschnitten, beide verdecken mit irgendwelchen Kleidern den Bauch, so geht es in die letzte Arbeitsrunde. Gute Leute beschäftigen sich mit Sachen, die sie lieben und schätzen, sie lassen die Jungen ihre Fehler machen und fallen niemandem auf den Wecker. Böse Leute empören sich über alles, was sie nicht verstehen und meinen, ihr Alter berechtige sie zum Klugscheissen.
Zwischen 60 und 80 wird gestorben, zuerst die Männer. Die Damen sitzen derweil in ihren überfüllten Wohnungen und funktionieren weiter wie eine Platte mit Sprung, während sie weinen und warten. Gute Alte geben den Jungen das Gefühl, das Alter liesse sich mit einem Lächeln ertragen. Böse Alte machen sich zum Affen, weil sie immer über das Alter quatschen, was sie noch nicht erreicht haben und vielleicht auch nie erreichen werden. Und derweil die Welt in Gut und Böse einteilen.

Sonntag, 16. Dezember 2007

Sind Männer mutiger als Frauen?

Letzthin erzählte mir mein Arbeitskollege, dass er in Deutschland am Sonntag morgen auf der Autobahn auf seinem Motorrad mit 300 km/h unterwegs war. Ich konnte nur staunen, denn das würde ich mich niemals trauen. Es geht auch gar nicht, ich habe ein sogenanntes naked bike, also keine Verschalung, mich schüttelts schon bei 130 km/h durch den Fahrwind kräftig durch.
Aber es machte mich nachdenklich. Wie kann es sein, dass er so was macht? Er ist schliesslich nicht mehr 20, jugendlicher Uebermut fällt also weg. Vielleicht braucht er einfach den Kick? Wenn ich mich also umsehe, sehe ich Fallschirmspringer, Hängegleiter, Deltasegler, Kletterer, Springreiter, Rennreiter, Rennfahrer, Rennradfahrer: fast nur Männer! Und sie sind ohne brauchbare Bremsen unterwegs im Vollspeed. Warum machen Männer das lieber als Frauen? Geht es nur darum, etwas zu erleben, oder muss man Grenzen austesten?
Aber das Leben ist doch generell nicht so langweilig, dass man unbedingt solch riskante Dinge tun müsste, um einen Kick zu erleben. Beziehungsweise man kann es auch ohne Gefahr spannend gestalten.
Nun ist mir jedenfalls eine mögliche Antwort in den Sinn gekommen. Männer sind meist mutiger als Frauen, weil sich die Natur leisten kann, viele davon zu verlieren. Der Fortpflanzung selber tut das nämlich keinen Abbruch, denn es reicht im Prinzip ein Mann für hundert Frauen. Vielleicht hat die Natur deshalb Männer generell mit mehr Risikofreude ausgestattet, um quasi die Ueberzahl, die sich aus dem 1:1 Verhältnis ergibt, zu kompensieren.
Doch man findet heutzutage auch immer mehr Frauen, die keine Angst haben und Freude an Geschwindigkeiten. Entweder hab ich recht, und Frauen werden in solchen Extremsportarten immer in der Minderheit bleiben, oder ich hab nicht recht, und es ist ein rein kulturelles Phänomen. Wir werden sehen.

Der Tod als Teil des Lebens

Es gibt glaub ich keine Kultur unter Menschen, wo es akzeptiert ist, dass jemand freiwillig aus dem Leben scheiden will. Irgendwie ist das einfach nicht vorstellbar, dabei verstehe ich gar nicht, warum. Klar gibt es so Organisationen wie Exit, da muss man aber eine Reihe von Bedingungen erfüllen, man muss unheilbar krank sein, man muss grosse Schmerzen haben, man muss schon lange vorher Mitglied sein. Dann kann man nach endlosen Formalitäten ein Glas bekommen mit einer tödlichen Flüssigkeit.
Alle anderen, die genug haben und nicht mehr möchten, müssen den einsamen, gewaltsamen Weg wählen, entweder vor den Zug werfen, von der Brücke springen, einen Autounfall verursachen, Tabletten nehmen oder was auch immer. Anscheinend werfen sich täglich irgendwo Menschen vor den Zug.
Wie schön wäre es doch hingegen, wenn es eine Art Sterbehospiz gäbe, wo alle Lebensmüden hingehen könnten. Klar müsste man vielleicht zuerst ein Gespräch haben mit einem Psychologen, so wie die Frauen, die abtreiben wollen. Aber wenn dann der sterbewillige Mensch bei seinem Entscheid bleibt, sollte man das respektieren, warum auch nicht? Dann sollte diese Person um sich die von ihr ausgewählten Personen versammeln können, damit sie nicht allein sterben muss. In diesem trauten Kreis der liebsten Personen sollte man dann eine Tablette einnehmen können, mit der man sanft einschläft und das Herz dann aufhört zu schlagen.
Aber nein, das ist anscheinend völlig abwegig für die meisten Leute. Niemandem soll diese Fähigkeit zugetraut werden, für sich selber zu entscheiden. Leben bedeutet für alle das beste und höchste, und man muss es wie auch immer so lang wie möglich hinauszögern. Alte Leute bekommen noch Organtransplantationen und teuerste Medikamente, Behinderte und Schwerkranke hängen sich an alle möglichen Hilfsmittel, alles klammert sich völlig verkrampft ans Leben, egal wie dieses aussieht.
Und wehe, es kommt mal jemand völlig gesunder, junger mit Arbeit und Freunden und ohne Probleme auf die Idee, die Welt verlassen zu wollen und teilt das öffentlich mit. Da schreit alles Zeter und Mordio. Zuerst wird mal ein schlechtes Gewissen eingeimpft, von wegen ein Geschenk wegwerfen und so, und danach wird man zwangsweise eingewiesen in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Deshalb werden sich Leute mit solchen definitiven Plänen hüten, ihre Absicht kundzutun. Irgendwann mal sind sie einfach tot.
Denn die, die sich definitiv entschieden haben, machens auch wirklich .

Negative Gedanken machen krank

Es gibt ja immer wieder Diskussionen über den psychosomatischen Ursprung von Krankheiten, einige Leute sind felsenfest davon überzeugt, die anderen regen sich furchtbar auf und finden das völlig ungerecht den Kranken gegenüber.
Natürlich ist nicht jeder schuld daran, dass er krank geworden ist. Manche heimtückische Leiden überfallen einen sehr unverhofft. Sorglose Raucher werden 100 und sorgfältig lebende Menschen bekommen mit 30 schweren Krebs.
Aber es gibt schon ein paar Fälle, wo das stimmt. Man kann sich zu Tode sorgen und ängstigen und so Infektionen begünstigen, man kann tatsächlich selbsterfüllende Prophezeihungen erleben. Man muss nämlich bedenken, dass unser Unterbewusstsein nicht werten kann und sämtliche Gedanken für bare Münze nimmt. Wenn man also grosse Angst hat, sich zu erkälten, dann erkältet man sich in der Regel, weil das Unterbewusstsein die Erwartungen erfüllt, es kann nicht abschätzen, dass es ja dumm und schädlich ist, sich zu erkälten.
Nun, wenn man viel Trübsal bläst, weil nicht alles im Leben so läuft, wie man gern möchte, dann kann man ganz plötzlich ziemlich Fieber bekommen. Man frägt sich, warum, und dann denkt man ein bisschen nach, und siehe da, die Antwort liegt auf der Hand.
Also ab jetzt wird wieder mutig in die Zukunft geschaut. Was kann uns denn hier in unserer heilen Welt schon passieren? Schon mal einen Blick über den Zaun riskiert?
Gestern jedenfalls durfte ich ein Konzert mit zwei Flügeln besuchen. Es war wie im Himmel, einfach wundervoll. Man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, wie toll Musik und Kunst im Allgemeinen ist, wie es unser Leben bereichert, wie wunderbare Werke Menschen auch hervorbringen können, abgesehen von all den Garstigkeiten... das Leben sieht gleich freundlicher aus.

Männer und Beziehungen

Ich glaube, dass die Aussage, dass Männer und Frauen prinzipiell anders kommunizieren, Blödsinn ist. Wenn man "Männer" sagt, meint man im Prinzip ca. 3 Milliarden Menschen, die ja wohl kaum alle gleich oder ähnlich sein können. Ich bin überzeugt, dass bei beiden Geschlechtern schlussendlich das Erlebte, die Erfahrung, den grossen Ausschlag gibt, wie man sich ausdrückt. In beiden Geschlechtern äussert sich persönliche Unsicherheit des Oefteren in Aggressivität, aber auch in Arroganz, in verletzenden Bemerkungen und anderen Ungeschicklichkeiten.
Wer mit sich im Reinen ist, wer im Gleichgewicht ist und auch rausgefunden hat, wie man Selbstzufriedenheit erreicht, der ist auch in der Lage, Kritik einzustecken, sich in andere einzufühlen, zu verzeihen (ganz wichtig) und eine gewisse Gelassenheit an den Tag zu legen.

Das heisst aber nicht, dass solche Leute, die sich ausgeglichen geben, auch wissen, was sie wollen oder in jeder Hinsicht selbstbewusst sind. So wird man bei manchen Leuten immer wieder mal überrascht von paradoxem Verhalten, was dann auch schwierig zu deuten ist.
Echtes Selbstbewusstsein trifft man selten an, damit meine ich Menschen, die sich in keiner Lebenslage verunsichern lassen. Solche Menschen zeigen dann auch keine Schwäche und werden somit unnahbar und unheimlich.
Eher ist es doch so, dass jemand, der mit allen möglichen und unmöglichen Leuten in der Geschäftswelt super umgehen kann, im privaten Bereich überhaupt nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit Konflikte bewältigen kann oder will. Während in der Bürowelt mit harten Bandagen gekämpft wird, hört man sich daheim teilweise haarsträubende Anschuldigungen von unzufriedenen Leuten an und kann damit nicht umgehen. Man hofft einfach, dass der Sturm bald vorübergehen möge und man wieder in Frieden daheim sein kann. Schlimmer noch, man hofft auf ein Wunder, statt die Dinge selber in die Hand zu nehmen und zu lösen, was zu lösen ist. Zum Beispiel Beziehungsprobleme.
Man kann sich immer einreden, so schlimm seien diese nicht, man hätte sich daran gewöhnt. Unterdessen geht wertvolle Zeit verloren, die ungenutzt verstreicht, weil man sie nicht für sein eigenes Glück einsetzt.
Da man aber (vor allem als Mann) wenig Erfahrung hat im Ausdrücken der eigenen Gefühle, kann man sich manchmal nicht mal selber eingestehen, wie frustrierend eigentlich so eine Lebenssituation ist und wie unglücklich man damit ist.
Eher äussert sich das dann so, dass man gegenüber ein paar wenigen Vertrauten immer wieder widersprüchliche Signale sendet: Mal ist man determiniert, sich zu trennen von Beziehungen, die nur Energie konsumieren und nichts bringen, dann ist man wieder unsicher, wie die Umwelt wohl darauf reagieren könnte, ein anderes Mal scheut man den riesigen Aufwand und die unsichere Zukunft.
Aber das Schicksal in die eigene Hand nehmen, kommt manchmal nicht mal für den souveränen, allseits geachteten und respektierten Fachmann in Frage. Lieber redet man sich ein, dass man nicht wirklich den ersehnten Frieden braucht, dass man sich mit der gegenwärtigen Situation arrangiert hat.
In der Selbsttäuschung seid Ihr ganz gross, Ihr Männer. Aber manche Frauen hören genau hin, und die könnt Ihr nur eine gewisse Zeit täuschen.

Letztes Jahr war ich in einem Lokal tanzen, das extra für über 40 jährige eingerichtet wurde. Es durfte nicht geraucht werden, die Musik war nicht so laut, dass eine Unterhaltung unmöglich gewesen wäre, und ausserdem war es Musik aus den 70er bis 90er Jahren, um bei uns älteren Semestern also die guten alten Zeiten aufleben zu lassen.
Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Unter all den Leuten fiel ein offensichtlich recht angetrunkener Amerikaner auf, weil er hemmungslos alle Leute anquatschte und laut zu sich selber sprach. Man hätte eine Studie über die schweizer Gesellschaft machen können anhand der Reaktionen der Leute. Viele versteiften sich und wendeten sich ab, andere lachten aber und liessen sich nachsichtig auf diesen Mann ein, der sich etwas wie ein Clown benahm. Man sah aber, dass der Typ Geld hatte, er besass einen perfekten Haarschnitt, eine teure Uhr, teure Kleider, er residierte im 5-Stern-Hotel am See, etc. Trotz seiner Trunkenheit wurde er nicht ausfällig, konnte sich gut auf den Beinen halten und tanzen, und er roch immer noch nach Eau de Cologne und überhaupt nicht unangenehm. Es war klar, dass der Typ regelmässig trank und es deshalb auch vertrug. An der Bar liess er sich jedenfalls die Getränke gleich anschreiben.
Trotzdem war er der lockerste Typ auf der Tanzfläche, ihn konnte man anlangen beim Tanzen, ohne dass es peinlich war. Vergiss das mit einem Schweizer! Vor allem der Typ "schüchterner Bauer", den es auch in Zürich gibt, verträgt keine Anrede irgendwelcher Art, geschweige denn eine Berührung.

Der Ami brachte mich zum Nachdenken. Nachdem ich mit ihm gequatscht hatte und etwas über sein Leben erfahren hatte, fand ich, dass ich nun einen typischen Vertreter der "neuen Oekonomie" vor mir hatte. Offenbar wurde er mit dem goldenen Löffel geboren worden. Nach einem Studium in der gleichen Uni, wo auch die englischen Prinzen waren (oder noch sind? weiss gar nicht) wurde er Vermögensverwalter, arbeitete und lebte in Manhattan, hat jetzt Familie in Connecticut (sicher besser für die Kinder), reist um die Welt und hat wahrscheinlich oder offensichtlich Erfolg und viel Geld.
Er war sehr nett, aber er schien mir ein Mensch zu sein, der vom Leben zu sehr verwöhnt worden war. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Mann wohl noch nie seine Toilette selber geputzt hat (gut, das trifft wohl auf viele Männer zu, ausser vielleicht im Militär. Wenn dem nicht so wäre, dann würden mehr Männer ab und zu einen Blick zurück riskieren oder gar unter die Brille gucken). Wahrscheinlich hat er auch noch nie seine Wäsche selber machen müssen oder nach dem Essen das Geschirr abwaschen müssen. Ich wette, der Mann kann alles einfach liegen lassen und es hat immer jemanden, der hinter ihm herräumt und putzt.
Ich stellte mir vor, wie der zu später Stunde zurück in sein Hotel wankt, sich vielleicht vom Consierge im perfekt sitzenden Anzug ins Zimmer geleiten lässt und sich vielleicht von jemandem die Schuhe ausziehen lässt, der mindestens zehnmal weniger verdient als er.

Wie kann das eigentlich sein? Was auch immer ihn dazu bewogen hatte, sich in der Oeffentlichkeit zu betrinken und sich dabei lächerlich zu machen, hindert ihn offenbar nicht daran, zu nüchternen Zeiten ernst genommen zu werden von seinen Kunden. Er muss ja was können, muss ja was auf dem Kasten haben! Oder genügt ein Abschluss eines renommierten Instituts, wie das in England so häufig der Fall ist? Dann ist es nicht die strikte Disziplin an der Uni, die ihn so gut macht, sondern sein Netzwerk, das er aufgebaut hat. In England und USA hab ich schon so viele Typen dieser Art getroffen, die nicht wirklich gut sind, aber enorm Erfolg haben und viel viel Geld verdienen. Das macht sie aber nicht arrogant, sondern sorglos und grosszügig. Er schien ein Mensch zu sein, für den das Leben nur ein Spiel ist, weil Geld nie eine Rolle spielte und es einfach da ist, um ausgegeben zu werden.Solche Leute können sich wohl niemals in den Normalsterblichen einfühlen. Dieser nämlich ist spiessig genug, seinen Job ernst zu nehmen, er wird dafür auch geschätzt, aber nie nie wird er in die Gilde der wirklich Gutverdienenden aufgenommen werden. Denn der Eintrittspreis hierfür sind gute Kontakte, weniger die gute Leistung

Kindererziehung, Privatsache

Im Februar 07 hat jemand einen meines Erachtens idiotischen Leserbrief geschrieben. Er schrieb, dass er nicht verstehen könne, weshalb denn für jede noch so einfache Tätigkeit heutzutage ein Diplom nötig ist, aber nicht für die heikelste aller Tätigkeiten, nämlich die Kindererziehung. Dieser Mensch monierte, dass bei uns jeder Kinder in die Welt setzen darf nach Lust und Laune, ohne nachzuweisen, ob er oder sie fähig sind, diese dann auch richtig aufzuziehen. Es ging hier um einen Kommentar zu einem Artikel über Jugendgewalt, die anscheinend zunimmt bei uns (und zwar untereinander).

Zu dem Bruns ist folgendes zu sagen
1) es ist richtig, wenn für eine Tätigkeit, die erwerbsmässig ausgeübt wird, ein gewisses Fähigkeitszeugnis verlangt wird. Damit wird ein gewisser Standard garantiert, der ja schlussendlich auch dem Kunden zugute kommt. Wenn ich als Büromensch nebenher noch Haare schneiden und Wände streichen würde und dafür Geld verlangte, dann glaub ich nicht, dass dabei etwas Anständiges herauskommt. Diese beiden Tätigkeiten habe ich nämlich weder gelernt, noch habe ich darin Uebung.
2) Kinder aufziehen ist eben genau keine erwerbsmässige Tätigkeit, sondern zumindest in unseren Breitengraden eine sehr idealistische Sache. Man bekommt keine Kinder, weil man sich einen Ertrag daraus erhofft, sondern aus Freude und weil man Illusionen hat, dass man dabei selber einen emotionalen Mehrwert erhält.
3) Es gibt bei der Kindererziehung kein Richtig und Falsch. Erstens ist jedes Kind anders, zweitens hat jeder Elternteil einen Rucksack dabei mit eigenen Erfahrungen, Gefühlen, Erinnerungen, Fähigkeiten, Werten, etc. Soviel zum Thema "Kinder richtig aufziehen".

Wenn es tatsächlich eine solche Eignungsprüfung gäbe (was passiert mit denen, die nicht bestehen??? Will man die sterilisieren?), dann ginge es doch um die konservativen Werte unserer "Elite", und eine solche Prüfung wäre eine Katastrophe und das Ende einer Demokratie. Ich stelle mir bereits vor, wie zum Beispiel die folgende Frage zu beantworten wäre
- Ihr Kind ist in der Pubertät und gehorcht Ihnen nicht. Sie müssen feststellen, dass Ihr Kind Sie anlügt. Wie reagieren Sie? Bitte kreuzen Sie an
a) ich wende mich frustriert von meinem Kind ab und dem jüngeren, pflegeleichteren Kind zu
b) ich gebe dem Kind spontan eine Ohrfeige (hat mir damals auch nicht geschadet)
c) ich schneide das Kind zur Strafe und kürze das Taschengeld
d) ich setze mich mit meinem Kind auseinander und lasse mich auf endlose Gespräche ein, um herauszufinden, weshalb mein Kind so frech zu mir ist

Natürlich würde unser Leserbriefschreiber b) bevorzugen, allenfalls noch d)
Jedenfalls muss es sich um einen leicht senilen Typ handeln, denn seine eigene Jugend liegt offenbar lange zurück. Ansonsten würde er sich nämlich daran erinnernt, dass es auch schon damals "Jugendgewalt" gab, das gehört nämlich zur Entwicklung. Ich behaupte, Jugendliche haben schon immer untereinander gestritten und sind auch schon immer mit Gewalt aufeinander los. Sogar wir Mädchen haben genau gewusst, wie wir anderen viel Leid zufügen konnten, indem wir gewisse Schulkameradinnen von der Gemeinschaft ausgeschlossen haben und in der Gruppe fertiggemacht haben. Es bedurfte nicht der Fäuste, um jemanden zum Weinen zu bringen! Ein Höhepunkt war, als die gesamte Klasse sich um einem Kameraden versammelte und ihn befragte, weshalb er keine eigenen Haare hätte und eine (gut sichtbare) Perrücke trage? Natürlich hat der arme Tropf nur geweint. Ja, wir waren gemein. Wir haben zwar keine Handys gehabt, die wir den Kollegen abnehmen konnten, aber grausam waren wir auch. Das gehört leider zu unserem (menschlichen) Naturell, und das wird keine Erziehung in der Welt ausrotten können.
¨
Ich bin jedenfalls froh, dass jeder, der Lust hat, einfach ein Kind auf die Welt stellen darf. Genau so werden nämlich auch die interessanten, weil unangepassten Menschen auf dieser Welt grossgezogen!

Das Thema weicht nicht aus den Medien. Da jeder mal ein Kind war und überdies viele Leute Kinder haben, hat jeder das Gefühl, mitschwatzen zu können. Nun gut, kann er/sie eigentlich auch, wir leben ja in einem freien Land, hier darf man seine Meinung äussern, wenn sie nicht gerade die Grenzen des Rassismus überschreitet.
Es geht einerseits darum, ob Kindern vor zwölf Jahren zwei oder gar drei Fremdsprachen zugemutet werden können. Viele Leute haben Angst, dass ihre Kinder überfordert werden und den Anschluss verpassen. Dabei wird das Hochdeutsche in der Schweiz schon als erste Fremdsprache gezählt. Also ich war in einer zweisprachigen Schule, wir hatten von der ersten Klasse an Unterricht in zwei Sprachen, ab zehn Jahren kam Englisch hinzu, leider ab zwölf noch Latein. Wieviel Sprachen hatte ich im Alter von zwölf? Es war jedenfalls weder für mich noch meine Klassenkameraden weder ein Problem noch ein Thema. Es ist wohl auch hierzulande vor allem für die Eltern ein Thema, weniger für die Kinder.
Dann geht es auch immer wieder darum, ob Kinderkrippe gut tut oder schädlich ist. Wenn man einen Blick in den Norden Europas riskiert, würde man meinen, Krippenkindern geht es sehr gut, sie sind auch besser in der Schule als unser Durchschnitt. Wenn man konservativen Kräften zuhört, meint man, die Krippe sei die reinste Folter. Jene Kreise vergessen gern, dass das klassische Hausfrauen- und Mutterschema noch nicht lang existiert. Vor nicht mal hundert Jahren konnten sich nur die wenigsten Frauen leisten, nicht zu arbeiten. Diese leisteten sich aber Kindermädchen. Und die anderen mussten arbeiten gehen, die Kinder mussten flexibel sein. Und trotzdem hat es reife, selbstsichere Menschen daraus gegeben, wenn auch nicht alle. Wenn heute Leute erzählen, man sollte keine Kinder haben, wenn man sich nicht 100%ig um sie kümmern könne, vergessen, wie die Natur das vorgesehen hat: Kinder sind ein Teil des Lebens der Eltern, keineswegs der Mittelpunkt. Die Eltern gingen aufs Feld, die Kinder kamen mit und mussten warten. Säuglinge wurden abgelegt und mussten ebenfalls warten. Diese haben gemäss gewissen Theorien nur deshalb eine so laute Stimme, damit sie ihre Mütter im hohen Gras wiederfanden.
Wir sind schon recht verkorkst unterdessen. Ich wäre einfach froh, wenn die kinderliebenden Weltverbesserer das mal zugeben würden.
P.S. übrigens sind die konservativen Familienliebhaber gegen eine einheitliche Kinderzulage in der Schweiz. Die Unterschiede seien regional bedingt und historisch gewachsen und deshalb gerechtfertigt; die Wirtschaft könne zusätzliche Zulagen nicht tragen. Ich hab aber noch nie davon gehört, dass die Preise der Lebensmittel pro Region variieren. In anderen Worten: Die Familie, schützenswerte und erstrebenswerteste Lebensform, soll sich gefälligst selber unterhalten, staatliche Unterstützung ist nicht notwendig. Bravo

Alt werden, alt sein

Ich las letzthin in einem Artikel, dass alle alt werden wollen, aber niemand alt sein will. Das gab mir doch schwer zu denken.
Als ich diese Woche mit zwei Arbeitskollegen essen ging, beide um die 50, da redeten sie auch über ihre Pensionierung, das Aufhören mit Arbeiten, das Sich-zurückziehen und Ruhe haben. Das habe ich alles gar nicht verstanden.
Ich schwimme wahrscheinlich gegen den Strom, wenn ich sage: Ich will nicht alt werden. Das hat nichts mit dem gegenwärtigen Jugendwahn und Trend zur Jugendlichkeit zu tun. Ich finde einfach, das ist kein erstrebenswertes Ziel. Aus diesem Grund habe ich auch bereits all mein angespartes Geld aus der Pensionskasse vorzeitig bezogen für einen Hauskauf. Ich bin nämlich überzeugt, dass ich es eh nicht für eine Rente brauche.
Erstens mal, wie kann man sich auf die Rente freuen? Das bedeutet ja, dass man das jetzige Leben nicht geniesst. Da muss man aber im Heute was ändern, denn wer weiss: Ein dummer Zufall, ein Unfall, und schwupps, ist man hinüber. Passiert ständig und kann jedem passieren.
Zweitens: wenn jemand sich darauf freut, dann seine Ruhe zu haben (ich stell mir schon den Rentner vor, der seine Ruhe haben will und sich an Kindergeschrei um die Mittagszeit tödlich nervt), dann muss er ebenfalls jetzt über die Bücher. Womöglich hat er nicht gelernt, zu entspannen und Distanz zu bewahren. Und Ruhe haben, was heisst das? Das tönt also superlangweilig.
Aber in letzter Zeit häufen sich bei mir Abnützungserscheinungen: Meine Knie tun öfters weh, vor allem nach dem Joggen, ich habe im Moment immer wieder Rückenschmerzen, die mich zu einer geduckten Haltung zwingen, ich bin eindeutig steifer geworden, werde schneller dick und nehme weniger schnell ab, und ausserdem habe ich gehört: Wenn ich dann in den Wechseljahren bin, werde ich noch ein paar Kilos mehr zulegen. Super Aussichten!
Noch sind wir im Saft, aber die Alterserscheinungen machen sich langsam bemerkbar und sind nicht lustig. Und jetzt schauen wir uns mal das Leben der aktiven Alten von heute an:
Ja, sie haben es schön, gegenüber früher, wenig Sorgen (???), sie sind gesund (???), sie reisen viel und unternehmen generell viel, sie erleben viel. Schön.
Aber sie haben oftmals keine Zähne mehr, sie sind inkontinent, sie haben oft keinen Sex mehr, sie sind so steif, dass sie sich die Zehennägel nicht selber schneiden können, sie haben gern Verstopfung und sogar Hämorroiden, was bedeutet, dass die Verdauung zum zentralen Thema avanciert. Alte Leute riechen einfach nach alt. Sie sind vergesslicher, langsamer. Was soll daran erstrebenswert sein? Für mich gilt eher das Motto "Man soll gehen, wenn's am schönsten ist". Klingt brutal, aber es soll mir mal jemand plausibel darstellen, weshalb ich mich auf das Alter freuen soll. Für mich ist das kein erstrebenswertes Ziel. Und das lange Leben? Wozu, bei diesem Preis?

Waffen müssen in der Schweiz nicht registriert werden

Im März 07 hat mich unser Parlament zu Tode aufgeregt. Die spinnen wohl total, das gibts einfach nicht! Jede Kuh ist bei uns registriert, jeder Hund bei Bussenandrohung von 2000 sFr (!!!) gechipt oder tätowiert und registriert, jedes Auto, jede Brücke, jeder Scheiss. Aber Waffen müssen nicht registriert werden!!!! Mann, das darf nicht wahr sein. Begründung: Die Mitglieder von Schiessvereinen kämen sich vor wie Verbrecher, wie an den Pranger gestellt.
Noch besser: Militärangehörige (wir haben eine Volksarmee, keine professionelle Armee) sollen ihre Waffen daheim behalten. Wenn die Wehrmänner ihre Militärwaffe nicht mehr daheim haben nebst Munition, können das Gefühl haben, man vertraue ihnen nicht mehr. Sie sollen sie daheim haben, falls der Feind so überraschend vor der Türe steht, dass es keine Zeit mehr gibt, ins Zeughaus zu gehen und die Waffe dort zu holen. Genau, diese Gefahr ist ja riesig, vor allem, weil man nicht in der EU ist.
Dass halt ein paar Leute (vor allem Männer) in einer spontanen Aktion ihre Waffe aus dem Schrank holen und auf Kinder, Frauen oder Zigeuner schiessen, ist halt Pech. Aber generell hat der Waffenbesitzer bei uns das totale Vertrauen der Regierung. Das ist ja schön. Vergessen ist der tragische Tag in Zug, wo ein Verrückter ins Parlament eindrang und wahllos drauflos schoss und einige dieser idiotischen Politiker verletzte oder gar tötete. Ignoriert wird auch die viel zu grosse Anzahl Familiendramen. Begründung: Wenn jemand töten will, dann tut er es auch, egal mit was, Messer oder Schusswaffe. So ein Quatsch, jeder weiss, dass eine Schusswaffe weniger Hemmungen braucht.
Einer meiner Liebschaften war ein Waffensammler. Später stellte sich heraus, dass der Typ ziemlich labil ist, schon ein paar Mal in der Klapsmühle war und sein Leben und seine Nerven überhaupt nicht im Griff hatte. Aber niemand hatte was dagegen, dass so ein Mensch Waffen sammelt (gibt es was Blöderes zu sammeln als Waffen??? Und das war mal mein Freund!)
- Wenn also jemand gerne Waffen besitzt, soll er in die Schweiz kommen, hier ist er geschützt durch das Gesetz. Hier kann man auch anonym per Inserat eine Waffe privat kaufen, Waffenschein braucht es nicht, registrieren muss man sich nicht, man geniesst Vertrauen! Ist das nicht das Paradies auf Erden?

Sex geht anscheinend verloren in langjährigen Beziehungen

Dieses Wochenende hat gut angefangen: Ich habe festgestellt, dass mein letzter Leserbrief abgedruckt wurde zum sehr verfänglichen Thema „Wenn die Lust nach Sex in der Partnerschaft stirbt“. In diesem Artikel wurden vier Paare einzeln interviewt, die keinen oder nur noch sehr wenig Sex haben. Als erstes hatte der Redaktor vorausgeschickt, wie unglaublich verschieden die Frauen von den Männern die gleiche Situation sähen. Das war völliger Quatsch, meines Erachtens hatten beide genau das gleiche voneinander gesagt.
Quintessenz dieses Artikels: Es sind immer die Männer, die geil sind und gerne wollen, und die Frauen können dafür sehr gut ohne Sex leben, ja sie verabscheuen entsprechende Avancen sogar oftmals. Mit sich reden lassen tun sie nicht, sie finden, es sei einfach so, dass sie von Natur aus keine Lust hätten. Nach der Geburt von Kindern akzentuierte sich das Problem bei diesen Paaren. Eins ist jetzt in Scheidung.
Na ja. Das konnte ich natürlich nicht unbeantwortet lassen! Ich, die ich schon einige völlig lustlose oder zumindest total langweilige Typen erleiden musste! Und das, während ich selber vor Lust geplatzt bin. Ja ja, die ewig geilen Männer. Dass ich nicht lache! Also schrieb ich das in einem Leserbrief, aber da waren noch andere Frauen, die genau das gleiche schrieben.
Nun fragt sich natürlich, weshalb gibt es eigentlich solche „Zicken“ (Emanzen, entschuldigt den Ausdruck, aber er passt am besten), die keinen Sex mögen? Liegt es wirklich in der Natur der Dinge? Also ich glaube nicht. Wenn man sich in der Tierwelt umsieht, dann will zumindest jedes weibliche Tier zur gegebenen Zeit gedeckt werden, logisch, ist ja Instinkt. Also von dort kann die Misere nicht kommen. Ist es nicht eher unsere liebe christliche Religion und Moral, die an dieser Verklemmtheit schuld ist? Ich zumindest sehe das so. Hätte Religion nur niemals bei uns stattgefunden! Aber dann hätten wir Zustände wie in Afrika! Dort sind die Leute oftmals natürlicher, fröhlicher, offener, kommunikativer... und dafür nicht so fleissig und rechtschaffen. Also gut, es gehört zu unserer Kultur.
Wir können froh sein, dass die Fortpflanzung trotzdem klappt, auch wenn gerade in unseren Breitengraden das Volk lange dazu angehalten wurde, die Sexualität zu unterdrücken und als etwas Schlechtes anzusehen. Aber dafür waren es brauchbare Arbeitskräfte, und davon profitieren wir nun.
Das mit der Religion und Kultur hab ich natürlich nicht geschrieben, sonst hätten sie meinen Leserbrief nicht abgedruckt. Sie haben es nämlich nicht gern, wenn man sich verzettelt, hab ich gemerkt. Ich weiss auch nicht. Jedenfalls war der Artikel ziemlich unbrauchbar. Abschliessend möchte ich noch sagen, dass ich meine, Sex muss in einer guten Beziehung überhaupt nicht "einschlafen", und wenn es sonst stimmt, tut es das auch nicht. Passiert es trotzdem, war es nie wirklich "guter" Sex

Extreme Religionen

In Genf haben die Saudis vier langjährige Mitarbeiter einer Moschee entlassen, die sie dort erbaut hatten. Es handelt sich um Leute, die anscheinend nicht mehr zu der sehr strikten Linie der Wahabiten passten. Was mich wundert, ist aber, dass diese Leute so lange toleriert wurden, über zehn Jahre lang war deren offene, moderne Einstellung kein Problem, nun ist es plötzlich eins. Anscheinend standen die Entlassenen für den Dialog der Religionen und Integration in die schweizerische Gemeinschaft ein, was ja auch in unserem Sinn ist.
Im Prinzip kann uns nicht-Muslimen das egal sein. Die Saudis haben diese Moschee gezahlt und dürfen folglich mitreden, wer dort angestellt ist, und niemand muss dort hin, selbst als Muslim muss man ja nicht hin, wenn man nicht mit der stikten Religionslehre einverstanden ist, die meines Erachtens ziemlich altmodisch und nicht sehr lebensfroh ist. Ich meine, gemäss dem, was ich so gelesen habe, ist bei den Wahabiten so ziemlich alles verboten, was irgendwie Spass machen würde. Man sieht das ja in Saudi Arabien selber, ist ja Horror, vor allem für die Frauen, die dort vieles nicht dürfen.
Die katholische Kirche hatte ja vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls viele lebensfeindliche Moralvorstellungen diktiert, nur hat diese Kirche glücklicherweise kaum noch Macht. Das bringt mich wieder zu meiner schon früher geäusserten Ueberzeugung, dass Religion destruktiv ist und nicht notwendig. Anscheinend aber für das einfache Volk schon, die brauchen offenbar etwas, um sich festzuhalten. Doch die Identifizierung mit einer religiösen Strömung geht doch oft viel zu weit, sie ist zum Beispiel bei den Schiiten und Sunniten so allumfassend, dass die noch lange nicht aufhören werden, sich bis aufs Blut zu bekämpfen. Erstaunlich, dass da niemand daran erinnert, dass im Koran steht, man dürfe nicht töten, erst recht keinen andern Muslim. In diesem Zusammenhang möchte ich behaupten, für den Irak gibt es keine andere Lösung als die Teilung des Landes in drei Teile, und zwar Sunniten, Schiiten und Kurden. Erstens war das Land vor Saddam nicht ein einiges Land, und zweitens lassen sich die, die früher unterdrückt wurden, sicher nicht freiwillig wieder von einer Minderheit unterdrücken. Ist doch logisch. Drittens hat es dort viel zu viele Stämme und Lokalmatadoren. Die haben alle an der Macht gerochen, die werden auch nicht locker lassen.
Was ich aber schon lang mal loswerden wollte über die Muslime ist die Verknüpfung zu altmodischen Kulturen, die Frauen zwingen, sich teilweise oder ganz zu verschleiern.
Also ich muss ganz offen sagen, mich macht eine Frau mit Kopftuch aggressiv. Ich kann diese Leute nicht ansehen, denn ich bin überzeugt, dass der einzige Zweck des Kopftuchs die Erniedrigung und Verschandelung ist. Die Zierde jedes Menschen sind seine Haare. In den Kulturen, wo die Frauen ihre Zierde verbergen müssen, sind sie gleichzeitig unfrei. Das ist der Grund, weshalb ich sehr Mühe habe mit bekopftuchten Frauen. Auch strenggläubige Jüdinnen müssen sich übrigens die Haare bedecken! Aber auch dieses Frauen haben wenig zu sagen. Ehrlich gesagt, diejenigen, die orthodox leben und so strenggläubig sind, sollten nicht bei uns bleiben, denn wir sind eine moderne Gesellschaft. Diese Leute wären besser aufgehoben in einem muslimischen Land bzw. in Israel, das ist meine persönliche Meinung. Denn sie wollen sich von uns absondern, sie wollen sich nicht integrieren, sie sind offensichtlich anders und fallen auf – was machen sie dann hier bei uns? Es wäre doch besser, sie wohnten unter Ihresgleichen.

Die Schweiz und die EU

Ein interessanter Artikel von Roger de Weck erschien am Mittwoch in der Zeitung. Es geht um die Einstellung der Schweiz zu der EU, und zwar aus dem aktuellen Steuerstreit. In der Schweiz können bestimmte Firmenkonstrukte (Holdings z.B.) mit einem reduzierten Steuersatz oder gar mit Steuerfreiheit rechnen. Allerdings versteuern ja solche Firmen ihre Produktivität und ihrem Umsatz gleichwohl, also für manche Leute ist das gar keine so grosse Sache. So viel ich weiss, kann man auch in Luxembourg oder Irland als Unternehmen Steuern sparen, aber um das geht es mir nicht. Es geht darum, dass die Schweizer sich enorm zieren, sich vom „Steuervogt“ EU sagen zu lassen, was für Steuern sie erheben sollen/müssen. Für die Schweizer ist das eine unerhörte Einmischung in innere Angelegenheiten, während die EU langsam, aber stetig Druck macht, weil ihr Ernst ist mit der Forderung, Steuervergünstigungen an Firmen zu unterlassen und damit ihre Abwanderung in die Schweiz zu vergällen.
Natürlich trifft das wieder mal den wunden Punkt: Wir wurden gerade wieder mal bei unsere Lieblingstätigkeit erwischt, dem Rosinenpicken. Abgesehen davon, dass ja der einzige Grund, weshalb wir nicht bei der EU mitmachen, eben der ist, dass wir uns nicht sagen lassen wollen, was wir zu tun haben.
Dummerweise sind wir so klein und so abhängig, dass wir keine andere Wahl haben: Ob drin oder draussen, wir müssen uns schlussendlich fügen.
Es geht ja auch gar nicht wirklich um „Freiheit und Selbstbestimmung“, diese ist in einer globalisierten Wirtschaft sowieso Illusion. Es geht ums Bewahren von Pfründen einiger weniger, die davon profitieren, dass wir nicht in der EU sind. Damit meine ich zum Beispiel Generalimporteure jeder Branche. Diese Leute, denen Profit und wohl auch Einfluss beschnitten würden, sind sehr laut und leider auch sehr erfolgreich darin, dem Volk weiszumachen, dass ein EU Beitritt die Hölle wäre. Bis jetzt hat das Volk dieses Spiel leider nicht durchschaut, auch wenn es zum Nachteil der Mehrheit ist.
In diesem Artikel geht es also um das Verhältnis der Schweizer zur EU. Folgende Punkte halte ich für erwähnenswert:
- Wir verdanken der EU Ordnung und Stabilität auf unserem Kontinent. Seit der EU mussten wir keinen Krieg mehr erleiden, und wir profitierten alle vom daraus entstandenen Wirtschaftswachstum. Auf dem Balkan, wo die EU keinen Rahmen setzen konnte, hat es genau das nicht gegeben, diese Gegend ist immer noch enorm unterentwickelt und leidet vor sich hin.
- Das Konstrukt der EU ähnelt dem der Schweiz, nur ein paar Nummern grösser. Auch in der EU wird unermüdlich nach Kompromissen für alle gesucht, zum Wohle aller, genauso wie in der Schweiz mit den 26 Kantonen. Unsere Staaten sind stabiler als die in Asien und „vernünftiger“ als die in den USA.
- Die EU ist liberaler als die Schweiz, und ihr Binnenmarkt trägt wesentlich zum Wohlstand der Schweiz bei. Trotzdem ist für die Schweiz die EU nur ein riesiger bürokratischer Moloch.
- Die Schweizer werfen der EU vor, undemokratisch zu sein, was in gewisser Weise stimmt, denn es verhandeln in einem Staatenbund Regierungen miteinander, die danach ihre Bürger vor vollendete Tatsachen stellen. Wäre dem nicht so, wäre das Konstrukt niemals so erfolgreich, wie es heute ist. Aber wie „demokratisch“ ist denn die Schweiz? Werden wir nicht auch sehr oft vor vollendete Tatsachen gestellt? Wir stimmen auch längst nicht über alles ab, was uns wichtig wäre (z.B. ob man weiterhin Armeewaffen daheim lagern soll).
- Die Schweizer haben ein Problem damit, das angemessene Verhältnis zur EU und ihren Visionen zu finden. Dass in Europa die Geschichte der Aufklärung begründet liegt, wird gern vergessen: Erasmus von Rotterdam, Rousseau, Voltaire... alles Europäer, keine Schweizer. Die grösste Leistung war, das Recht des Stärkeren zu überwinden, das nennen wir heute Zivilisation.
- - Das Land, das längst vor den anderen gelernt hat, Souveränitäten zu teilen und eine Kultur der Kompromisse statt der Herrschaft erarbeitete, ausgerechnet dieses Land hält sich aus dem Vorhaben einer europäischen „Eidgenossenschaft“ heraus, als mache es von seinen Tugenden keinen Gebrauch, als wolle es andere nicht an den Erfahrungen teilhaben lassen.
- Die Intellektuellen weigern sich, über den zukünftigen Platz in Europa nachzudenken und damit das nationale Interesse längerfristig sichern, nämlich auch im kulturellen und historischen Bereich, und nicht nur in der Terminologie des Profits und des Verlustes.
- Der bilaterale Weg ist ein Schönwetterweg (das zeigt sich just im aktuellen Steuerstreit). Im Falle einer schweren Krise, z.B. Energieengpässen oder einer wirklich schlimmen Umweltkatastrophe hätten wir ausserhalb der EU nicht die besseren Karten. Wir müssten uns eventuell aus einer Position der Schwäche in die EU flüchten, denn wir wären auf die Hilfe der EU angewiesen.

Die Schweiz muss bald ein geachtetes, wertvolles Mitglied der EU werden, damit sie an der europäischen Vision und Zukunft teilhaben kann.

Männer

Letzten Monat gab es einen Artikel in der NZZ am Sonntag, der ziemlich viele Reaktionen ausgelöst hat. Es ging um den „neuen Mann“, der sich verloren vorkommt in der heutigen Welt zwischen all den emanzipierten Frauen, die nun ihren Weg gemacht haben und die Gesellschaft nachhaltig verändert haben. Ich zitiere: „Im dreissigsten Jahr der Emanzipation liegt der Selbstwert der Männer am Boden. Sie wissen nicht mehr, wer sie sind, sie kennen ihre Bedürfnisse nicht, sie haben die Orientierung verloren. Während sich Frauen mit ihrer Rolle un ihrem Platz in der Gesellschaft auseinandersetzten, während sie debattierten und Bücher schrieben, haben Männer ferngesehen und sich über Börsenkurse unterhalten. Der Zustand des Mannes ist beunruhigend, und schuld daran ist niemand anders als der Mann selbst.“ P.S. dieser Artikel wurde von einem Mann geschrieben.
Konkret haben die heutigen Männer in unserer Welt folgende Probleme (immer gemäss diesem Artikel):
1 – sie trauen sich nicht mehr, sich ihren Partnerinnen gegenüber durchzusetzen
2 – sie passen sich überall an und kennen ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr
3 – sie fühlen sich im öffentlichen Diskurs als Verlierer, Täter oder triebgesteuerte Trottel, rücksichtslos und aggressiv
4 – sie fühlen sich unsicher in der sich wandelnden Welt und werden gewaltbereiter
5 – der neue Mann will nicht erwachsen werden, eine zunehmende Anzahl an Männern legt zu viel Wert auf das Aeussere, was sich auch in Essproblemen äussern kann
6 – der neue Vater imitiert die Mutter seiner Kinder, weil er das Gefühl hat, ansonsten alles falsch zu machen beim Kind
7 – der heutige Mann vermisst die Zeiten, als noch alles klar war, z.B. Sex funktioniert so und so, der Mann war schon immer der Ernährer, etc.

Nun meine Meinung (nachdem ich mir die Tränen des Mitleids abgewischt habe):
Wenn Männer in dieser modernen Gesellschaft Probleme haben, dann nicht wegen fehlender Definition ihrer Rolle. Was fehlt, ist die Auseinandersetzung mit sich selber innerhalb ihrer Umwelt. Während das früher für die meisten keine Frage war (man musste einfach funktionieren, ob Mann oder Frau), hat man heute eine grosse Auswahl an Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten. Dies gilt für Männer wie auch für Frauen.
Will man heute Karriere machen, kommt man nicht umhin, Empathie zu erlernen oder zu entwickeln, sonst hat man als Führungskraft keinen Erfolg und die guten Leute im Team laufen einem einfach so davon (das war früher anders, da blieben alle Angestellten möglichst ein Leben lang beim gleichen Unternehmen – also war die Führung einfacher).
Will man ein guter Vater werden, dann muss man sich mit den Kindern abgeben. Man muss aber nicht, wenn man eine Frau hat, die das akzeptiert. Es gibt immer noch genügend Männer, die sich praktisch nie um die Kinder kümmern, weil sie es nicht gern machen.
Wenn man eine gute Partnerschaft will, gilt das gleiche wie beim Vater sein: Man muss sich mit der Partnerin abgeben. Man muss aber nicht, wenn man eine Frau hat, die das akzeptiert, auch davon gibt es mehr als genug Beispiele.
Zusammenfassend werden einfach mehr Anforderungen an uns alle gestellt: Jetzt ist die Frage, wie man damit umgeht. Die Rezepte unserer Grossväter sind nicht dienlich. So viel Leistungsdruck wie heute hatten die nicht. Wir müssen alle flexibler werden. Die Männer, die das nicht begriffen haben, dass sind wohl die, die sich als Verlierer fühlen. Jedoch könnte man den gleichen Artikel über Frauen schreiben, denn unter ihnen hat es auch mehr als genug, die nicht wissen, was sie wollen und was sie sollen.
Aber generell bin ich schon der Meinung, dass Frauen sich besser anpassen können. Sie können wohl im Allgemeinen besser mit der Umwelt von heute umgehen als Männer. Dies aber wohl nur aus einer Not heraus: Flexibilität und Durchhaltevermögen war als Frau schon immer mehr vonnöten als für Männer. Männer hatten uns dazu gezwungen. Den Rest erledigten ihre Babys.

Klimasünder

In der Sonntagszeitung vom Juni 07 fand ich einen Artikel zur Weltrangliste der Klimaverschmutzer. Erster ist die USA mit 6 Mia t Kohlendioxid pro Jahr, zweiter ist China mit 5 Mia und dritter... Indonesien mit 3 Mia. Danch kommen Brasilien (2,3), Russland (1,7) und Indien (1,6)
Warum Indonesien? Weil dort im Grossen Stil Regenwälder durch Brandrodung zerstört werden. Es fehlen also in Zukunft die verbrannten Pflanzen, die CO2 würden aufnehmen und umwandeln könnten, und deren Verbrennung setzt sehr viele Schadstoffe frei. Vor allem Kleinbauern verbrennen Wald, um sich Ackerland zu verschaffen, auf dem teilweise das fragwürdig erzeugte Palmöl für Biotreibstoff produziert wird.
Ausserdem stand in der Zeitung von gestern, dass ein einziger Flug nach New York und zurück soviel Kohlendioxid pro Person erzeugt, als wenn diese Person etwa 10,000 km in einem Mittelklassewagen zurücklegen würde.
Ein anderer Artikel sagte, dass einer der grössen Luftverschmutzer die Schifffahrt sei und dass nur halb so viel Dreck in die Luft geblasen würde, wenn die Schiffe ihr Tempo um 20% drosseln würden.
Ich frage mich, warum wir noch atmen können. Oder ob es wirklich so schlimm steht? Wenn man all den Artikeln glauben möchte, sollten wir eigentlich schon zur Hälfte tot sein. Es ist frustrierend und lässt einen in Endzeitstimmung versinken.
Die Menschen mögen im Allgemeinen viel vertragen, das habe ich zur Genüge in der dritten Welt gesehen. Man kann an Strassen leben, die Tag und Nacht von stinkenden Lastwagen befahren werden, man kann in China neben einer stinkenden Fabrik mit unsauberem Trinkwasser leben, man kann in Indien einen Horrorjob in einer chemischen Produktionsstätte haben – und immer noch leben, wenn auch nicht so lang wie andere Menschen. Jawohl.
Meines Erachtens hat es einfach zu viel Menschen auf dieser Welt. Weniger Menschen machten weniger Dreck. Die Schuld ist also auf die Natur selber zurückzuführen, erstens, dass sie ein so intelligentes, aber doch nicht ZU intelligentes Wesen wie den Menschen entstehen liess, und zweitens, dass sie uns mit einer derartigen Fruchtbarkeit ausstattete. Es war unser Wettbewerbsvorteil, die Möglichkeit, jeden Monat schwanger zu werden. Nicht nur das, auch eine ausgemergelte, halb verhungerte Afrikanerin kann immer noch schwanger werden und das Kind erfolgreich zur Welt bringen! Bei vielen anderen Zuchttieren ein Ding der Unmöglichkeit.
Wie wäre es gewesen, wenn wir wie die Pferde nur einmal im Jahr aufnehmen könnten, und wenn wir es sogar steuern könnten, ob wir das wollen oder nicht? Wenn also die Kinder nicht einfach kämen? Es hätte viel viel weniger. Unsere Entwicklung hätte sich verlangsamt, wir wären jetzt wohl noch nicht so weit in der Technologie, aber es gäbe vielleicht 100 Millionen Menschen auf dem ganzen Planeten.
Aber was solls, es ist nicht so. Entweder verrecken wir alle, so wie die vielen Zeitungsartikel das insinuieren (Klimawandel ist im Moment in Mode), und zwar die Dritte Welt zuerst. Oder wir überleben es, bzw. die fittesten überleben, also die ohne Asthma, Allergien, die mit Zugang zu sauberem Trinkwasser und unverseuchtem Gemüse und Obst. Wir würden es nicht mal merken, wenn wir allein übrigbleiben würden. Mit dem Elend dieser Welt sind wir sowieso selten in Kontakt
Da schrieb ein Mitbürger aus Buchs St. Gallen folgendes in die Zeitung: „Seltsamerweise wird in den Diskussionen rund um den Klimawandel die entscheidende Frage ausgeklammert. Die Frage nämlich, ob es überhaupt möglich ist, das herrschende kapitalistische Wirtschaftssystem und das Ueberleben der Menschheit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Diese Frage ist mit einem Nein zu beantworten. Grundprinzipien des kapitalistischen Systems sind Wachstum, Verwandlung einer immer grösseren Menge von Rohstoffen in eine immer grössere Menge von Waren, ein weltweit immer härterer Konkurrenzkampf zwischen Produktionsstandorten und Wirtschaftszentren, materielle Profitmaximierung auf Kosten von Mensch und Natur und der Zwang zu immer höherem Verbrauch von Energie und Rohstoffen.“
Und ich hab heute auch einen Leserbrief geschrieben, mal sehen, ob er es bis zur Publikation schafft! Es ging um mein tägliches Speiseeis, das ich nach jedem Mittagessen als Dessert esse. Dieses ist tatsächlich in Israel hergestellt worden. Man muss sich das mal vorstellen, Israel!!!! Dort ist es heiss, dort hat es wenig Milch (ist ja alles Wüste, muss ja alles bewässert werden), das ist weit, das muss transportiert werden und immer kühl lagern, gibts noch was Dümmeres??? Speiseeis, das man überall produzieren könnte, sogar hier in der Schweiz, wo es genug Milch hat und Maschinen, die bestimmt ohne Lohn arbeiten. Mich macht so was ratlos, aber auch wütend. Auf diese Art werden wir niemals lernen, sorgfältig mit den Rohstoffen und der Energie umzugehen. Kostenwahrheit wäre hier verlangt! Wenn nur die Transportkosten so hoch wären, wie sie sein müssten! Also solange es bei uns im Kiosk Eis gibt, was in Israel hergestellt worden ist und so weit gereist ist, solange kann man sich irgendwelche umweltschonendere Wirtschaft abschminken! Ich glaube, wir werden in Bausch und Bogen untergehen. Glücklicherweise werde ich bis dahin schon ein gewisses Alter erreicht haben und keine Probleme haben, das Zeitliche vorzeitig zu segnenDa schrieb ein Mitbürger aus Buchs St. Gallen folgendes in die Zeitung: „Seltsamerweise wird in den Diskussionen rund um den Klimawandel die entscheidende Frage ausgeklammert. Die Frage nämlich, ob es überhaupt möglich ist, das herrschende kapitalistische Wirtschaftssystem und das Ueberleben der Menschheit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Diese Frage ist mit einem Nein zu beantworten. Grundprinzipien des kapitalistischen Systems sind Wachstum, Verwandlung einer immer grösseren Menge von Rohstoffen in eine immer grössere Menge von Waren, ein weltweit immer härterer Konkurrenzkampf zwischen Produktionsstandorten und Wirtschaftszentren, materielle Profitmaximierung auf Kosten von Mensch und Natur und der Zwang zu immer höherem Verbrauch von Energie und Rohstoffen.“
Und ich hab heute auch einen Leserbrief geschrieben, mal sehen, ob er es bis zur Publikation schafft! Es ging um mein tägliches Speiseeis, das ich nach jedem Mittagessen als Dessert esse. Dieses ist tatsächlich in Israel hergestellt worden. Man muss sich das mal vorstellen, Israel!!!! Dort ist es heiss, dort hat es wenig Milch (ist ja alles Wüste, muss ja alles bewässert werden), das ist weit, das muss transportiert werden und immer kühl lagern, gibts noch was Dümmeres??? Speiseeis, das man überall produzieren könnte, sogar hier in der Schweiz, wo es genug Milch hat und Maschinen, die bestimmt ohne Lohn arbeiten. Mich macht so was ratlos, aber auch wütend. Auf diese Art werden wir niemals lernen, sorgfältig mit den Rohstoffen und der Energie umzugehen. Kostenwahrheit wäre hier verlangt! Wenn nur die Transportkosten so hoch wären, wie sie sein müssten! Also solange es bei uns im Kiosk Eis gibt, was in Israel hergestellt worden ist und so weit gereist ist, solange kann man sich irgendwelche umweltschonendere Wirtschaft abschminken! Ich glaube, wir werden in Bausch und Bogen untergehen. Glücklicherweise werde ich bis dahin schon ein gewisses Alter erreicht haben und keine Probleme haben, das Zeitliche vorzeitig zu segnen

Der Winnetou Effekt

Dieses Kuriosum habe ich gestern in der Zeitung entdeckt. Es handelt sich um folgendes: Vor allem linke Kreise sind der Meinung, dass die ausländische Bevölkerung nicht dazu gebracht werden soll, ihre Kultur und Gewohnheiten abzulegen, wenn sie sich jahrzehntelang bei uns (oder sonst in Westeuropa) aufhalten. Man möchte damit sagen, dass die Wurzeln der „Femden“ (daher Winnetou, der edle Wilde) nicht verloren gehen sollten. An sich ja eine vernünftige Idee.
Sie hat aber ihre Grenzen, und um diese ging es in diesem Artikel. Es handelte sich um die Geschichte mehrerer zwangsverheirateter Kinder von Immigranten aus der Türkei und Albanien. Dabei handelt es sich meist sowieso um relativ schlecht ausgebildete, sehr konservative Menschen. Sie wohnen und arbeiten dann zwar hier in der Schweiz, aber sind nicht in der Lage, sich mit den Schweizern zu vernetzen. Sie bleiben unter sich, wo sie sich am wohlsten fühlen, und lernen kaum die Sprache ihres Gastlandes, dafür halten sie krampfhaft die Traditionen ihrer Heimat hoch.
Für Söhne kommt meist nur eine Frau aus der Heimat in Frage, da nur diese unverdorben ist und sich willig fügt in die familiäre Struktur (mit dem Hausherrn als Pascha). So werden also Frauen eingeflogen und verheiratet. Wenn sie dann nicht den Wünschen entsprechen, werden sie wieder geschieden. Meist müssen diese Frauen dann wieder zurück, wo sie Hohn und Spott zu vergegenwärtigen haben (meine Güte, was für rückständige Kulturen, der Horror).
Aber Töchter werden noch stärker an die Kandare genommen, man kennt das hinlänglich. Oftmals möchte man der eigenen Familie daheim etwas gutes tun und verspricht dann die Tocher einem Kusin zur Braut. Das hat den Vorteil, dass das Geld, was man im Ausland erwirbt, noch einer ganzen Reihe Verwandter zugute kommt. Nur sind die Töchter natürlich selten damit einverstanden, da sie hier in einem aufgeklärten Land aufgewachsen sind und meist besser gebildet sind als ihre Eltern.
Ich finde das nicht unterstützungswürdig. Je älter ich werde, desto weniger links denke ich bzw. desto mehr gehen mir diverse Linke auf die Nerven mit ihrem Gesäusel und Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten. Das heisst zwar nicht, dass ich weniger tolerant werde oder weniger Verständnis hätte als früher, aber ich habe dezidiertere Meinungen.

Ausländer, die also hierher kommen und sich für so lange Zeit niederlassen, müssen akzeptieren, dass hier keine Mädchen beschnitten werden, dass Mädchen in den Schwimm- und Turnunterricht gehen und selber bestimmen können, wen sie später heiraten möchten. Es braucht viel griffigere Gesetze oder Möglichkeiten, um das den Leuten klarzumachen. Bedingung für alle, die hier leben wollen, ist:
1) Steuern zahlen
2) Unsere Regeln einhalten, und die oben aufgeführten fallen da drunter.

Ansonsten müssen diese Leute wieder gehen, auch wenn es ihnen schwerfällt und sie dann isoliert wären daheim oder was weiss ich für Identitätskrisen durchmachen.
Sie sollen zwar ihre (rückständigen) Religionen ausüben können, ich bin auch nicht dagegen, dass man ein paar Minarette in die Gewerbezone baut. Aber sie sollen gleichzeitig mal überlegen, wieviel Kirchtürme es denn in Saudi Arabien gibt, nur um mal so ein Beispiel zu nennen: In ihrer Heimat wird meist noch viel weniger Andersartigkeit toleriert als bei uns. Wenn ich in Saudi Arabien leben wollte, müsste ich mich fügen: Nicht alleine raus, nicht ohne komplett verhüllt zu sein, kein Auto fahren, etc. Die Leute, die hier zu uns kommen und uns netterweise den Müll wegräumen und die Klos putzen, die müssten das eigentlich schon kennen und wissen

Mehr nach rechts?

Was ist nur mit mir los? Wieso denke ich nicht mehr „nur“ links, reflexartig, wie früher? Hat es damit zu tun, dass ich schon seit sechs Jahren nicht mehr unter dem Einfluss meines damaligen, sehr linken Freundes bin? Oder ist es ein Reifeprozess? Jedenfalls ist für mich im Moment die schweizerische SP nur noch nervend.
Eine linke Polizeidirektorin für die „Weltstadt Zürich“, da würde man doch meinen, toll – endlich mehr Toleranz, weniger Spiessbürgertum. Aber weit gefehlt! Eine ehemalige Französischlehrerin hält sich strikt ans Gesetz. Sie schliesst Clubs wegen Drogen und Schwulentreffs wegen der Darkrooms. Das Gesetz sieht nämlich nicht vor, dass man Sex in einer „Gaststube“ hat (ich wette, die gute Frau war schon lang nicht mehr in einem Club – Gaststube, dass ich nicht lache). Jedenfalls, wen störts, frage ich mich? Und wegen der Drogen (es gelang noch nie der grosse Fang, man hat jeweils schon recht kleine Mengen sichergestellt bei den Razzien) – hatte nicht mal die Linke propagiert, es soll jeder so glücklich werden, wie er will? Und jeder sei frei, seine Gesundheit zu ruinieren? Dass die willkürliche Unterscheidung zwischen legaler Drogen wie Alkohol und Tabak und Kokain nur aus einem bürgerlichen, völlig überholten Traditionsverständnis kommt? Und nun werden die kleinen Kiffer gebüsst, ja verurteilt, abgeschleppt, verhaftet. Lächerlich. Ich könnte schreien. Haben wir nichts besseres vor mit unserem Geld?
Ich bin immer noch der Meinung, alle Drogen müssten legal sein. Diese Idee lässt mich jeweils träumen, wie doch die Welt anders aussähe.
Erstens mal würden die Drogenkartelle in Asien und Lateinamerika, aber auch die Profite der Mafia in Italien zusammenschmelzen wie Butter an der Sonne. Ist doch schon mal gut. Ausserdem wäre es für die Bauern mit einem Schlag nicht mehr lukrativ, Mohn anzupflanzen und Coca und was noch alles, sondern vielleicht wieder mal Reis und Weizen für die lokale Bevölkerung? Und es gäbe weniger Kriege, weil viele mit Drogengeld finanziert werden.
In den USA gäbe es bestimmt erstmal einen Anstieg an Drogenkonsumenten. Aber das würde sich einpendeln. Auch beim Kokain gibt es ja die gleiche gesellschaftliche Schranke wie beim Alkohol: Man gehört zwar dazu, wenn man es konsumiert, aber abhängig darf man nicht werden, sonst droht der gesellschaftliche Abstieg, der Verlust der Stelle und natürlich der Gesundheit. Ich meine, wenn all diese Drogen nur zum Schutz der Bevölkerung illegal sind, wieso sind dann nicht alle Leute abhängig von legalen Drogen wie z.B. Alkohol oder auch Medikamenten? Weil eben nicht jeder das Suchtpotential in sich trägt, deshalb. Aber die, die es tragen, die werden Drogen konsumieren, ob legal oder nicht. Nur – legal wäre billiger und sauberer. Wir würden uns alle einen Gefallen tun.

Die Türkei und ihre kritischen Journalisten

Letzthin stand bei uns in der Zeitung ein grosser Hintergrundartikel, wo es um gefolterte Flüchtlinge im allgemeinen und das Schicksal einer Türkin im Besonderen ging. Diese Frau wohnt nun in Basel, und Teil ihrer Therapie ist, offen über das zu sprechen, was sie erlebt hat, und zwar ziemlich detailliert. Es war entsetzlich zu lesen und hat mich sehr betroffen gemacht.
Sie war also Journalistin, und zwar in Istambul, der modernsten Stadt in der Türkei, weltoffen, europäisch, was weiss ich, ich war nie dort. Die Polizei hatte ein Lokal mit Gewalt geschlossen und eine handvoll Leute protestierte dagegen, sie war dabei, um zu berichten. Sie wurde verhaftet und im Gefängnis gefoltert. Man demütigte sie dadurch, dass sie von allen Männern betatscht wurde, aber man schloss auch Elektroden an ihre Brustwarzen und Genitalien an und quälte sie so. Man spritzte sie kalt ab und liess sie im Durchzug an den Armen hängen, etc. Der Zweck der „Uebung“ war, sie gefügig zu machen und falsche Geständnisse zu erpressen. Hätte sie nachgegeben, wäre die Folter nur noch härter geworden, um noch mehr zu erpressen und sie ganz zu „brechen“. Sie hielt aber stand und wurde nach ein paar Tagen freigelassen. Sie muss wirklich stark sein, denn wie man nach so einem Erlebnis überhaupt noch in Ruhe leben und schlafen kann, ist mir ein Rätsel und übersteigt eindeutig meine Begriffsfähigkeit.
Ich bin froh, dass diese Frau nun mit der Familie in der Schweiz leben kann und offenbar zufrieden ist. Nicht zufrieden bin ich damit, dass es in der EU noch immer so viele Leute gibt, die finden, die Türkei sei ein valabler Beitrittskandidat. Dieses Land ist unterste Schublade, es gehört eindeutig nicht zu Europa, sondern zur dritten Welt wie der Rest des Nahen Ostens, wo Menschenrechte mit Füssen getreten werden. Vor allem kulturmässig ist doch offensichtlich, dass dieses Land nie und nimmer unseren Standard erfüllt! Ich befürchte, dass das mit dem Islam zu tun hat. Nenne mir mal jemand ein Land, wo die meisten Leute Muslime sind und aber Pressefreiheit und Individualrecht (zum Beispiel die Freiheit, homosexuell zu sein) herrschen! Nicht mal Malaysia, dieser versteckte Polizeistaat mit Todesstrafe, erfüllt diese Kriterien. Ich will nicht generell gegen irgendeine Religion wettern (so wie das bei uns gross Mode geworden ist). Ich finde ja jede Religion hinterwäldlerisch und rückständig. Aber der Islam ist ja mehr als eine Religion, es ist eine Kultur, eine Lebensweise. In dieser ist die Frau minderwertig und das Individuum der Gruppe untergeordnet. Das ist für mich absolut archaisch, und dementsprechend sind die Staaten regiert und aufgebaut, auch wenn es grosse Unterschiede gibt zwischen Indonesien und Saudi Arabien etwa oder Tunesien und der Türkei.
Das Schlimmste an der Geschichte mit der türkischen Journalistin ist, dass diese Geschichte anlässlich einer Ankündigung unseres Justizministers gedruckt wurde, der die Opferhilfe für Folteropfer kürzen möchte. Dieser Oberrassist von Bundesrat sollte mal ein wenig in ein türkisches Gefängnis gesteckt werden, wenn er wirklich so viel Mühe hat, sich vorzustellen, was andere jahrelang erdulden müssen! Mir jedenfalls hat der Bericht gereicht

Die Schweiz bewegt sich zu langsam

Nun hatte es wieder mal einen Artikel im französischen Wochenblatt, der ganz nach meinem Geschmack ist. Es geht darum, dass sich die Schweiz zu langsam bewegt, wenn überhaupt. Fünf Punkte wurden speziell erwähnt:
1) Verkehrsentwicklung: Natürlich haben wir da grosse Bahnprojekte, teilweise realisiert, teilweise noch im Bau, sauteuer, aber von teilweise guter Qualität. Aber wenn eine Region keine guten Lobbyisten im Parlament hat, wird diese Region schlicht übersehen. Z.B. (natürlich, ist ja eine Zeitschrift aus der Westschweiz) die Strecke Genf-Lausanne. Aber auch von meinem Bruder habe ich verlässlich gehört, dass die Autobahn sowie die Pendlerzüge mehr als voll sind, Tag für Tag. Warum dringt das nicht bis nach Bern? Genf ist doch eine wichtige Wirtschaftsregion.
2) Die Administration und das Beamtentum, kurz der Service Public. Es hat sich zwar viel verändert, wir Bürger sind nun Kunden, aber im Prinzip verlangsamt halt das föderalistische System die Abläufe enorm. Gute Ideen müssen einen langen Atem haben, moderne Hilfsmittel ebenso. Teilweise kann man mit dem internet bestellen und kommunizieren, aber die Konservativen sind halt konservativ. Ich persönlich habe vor über einem Jahr angefragt, ob man neben dem Reitstall einen Robidog Kasten aufstellen könnte. Bislang konnte man sich zu dieser Sache noch nicht entscheiden...
Jedoch kann der Föderalismus auch ein Katalysator für neue Ideen sein: weil die Entscheidungswege kurz sind und die Entscheidungsgremien relativ klein, ist es manchmal möglich, dass bahnbrechende Entscheide wie die Fusion von ca 20 Gemeinden in 3 Kerngemeinden im Kanton GL mit einer kurzen Volksabstimmung Tatsache wurde!
3) Das Telekom Monopol. Wir haben gemäss dieser Zeitung das langsamste und teuerste internet, weil die Swisscom ein Monopol besitzt auf die Leitungen und es sich dort bequem gemacht hat. Kann ich nicht nachvollziehen, seit langem können praktisch alle über das Fernsehkabel ins internet gehen.
4) Strassenbau: Es stimmt, bei uns werden die Strassen vergoldet. Nicht nur dauern gewisse Projekte Jahrhunderte (also gut, etwas übertrieben, aber ich kann die Jahre nicht mehr zählen, seit es auf der A1 nach Dietikon eine Baustelle gibt, dabei sieht doch schon längst alles fertig aus!), sondern Strassen in top Zustand (in meinen Augen) werden nochmals abrasiert und neu asphaltiert.... Haben wir zu viel Geld? Lieber würden wir damit mal eine der dringenden Umfahrungsstrassen bauen. Ach, übrigens, wenn es schnell gehen muss, dann gehts plötzlich auch sehr schnell, weiss auch nicht, wieso.
5) Die Schule: Zu späte Einschulung (mit 7, dabei geht sonst fast ganz Europa mit 6 in die Schule), zu wenig Stunden, zu wenig Systematik, zu viel verschiedene Systeme (jeder Kanton ein anderes, d.h. 26 verschiedene Stundenpläne!), zu lang (Universitätsbeginner sind normalerweise 20, in anderen Ländern sind sie in diesem Alter schon bald fertig). Tja, und die Pisa Studie zeigt es schonungslos.... besser rechnen oder schreiben können unsere Kinder nicht. Was ich aber sagen muss: Die Lehrstellen sind gut, die Berufsschulen durchaus brauchbar. Da wird schon was gelernt, und es werden durchaus qualifizierte Berufsleute in die Wirtschaft entlassen.

Also etwas entstauben, etwas mehr Tempo, etwas mehr Mut: Das Geld hätten wir ja! Wir könnten es gut wieder an die Spitze schaffen. Unser momentanes Wirtschaftswachstum soll uns nicht träge machen, sondern noch mehr anspornen. Das sagt eine Ex-Linke (ähem)

Die Chinesen

Am frühen Morgen hat mich diese Woche ein Beitrag geweckt, den ich wegen der frühen Stunde nicht ganz mitbekommen habe, nur so viel: Der Interviewte zitierte einen offenbar allgemein anerkannten Satz "If you are not doing business in China, you are out of business" oder so ähnlich.
Das nervt mich langsam, das Theater um China und die Weltwirtschaft. Letztens durften wir erfahren, dass China Deutschland überholt hat. Dass die Konjunktur sich überhitzt. Ja, aber alle wissen, wie das die Chinesen machen: Mit Hilfe von Sklavenarbeit. Eigentlich ist das nicht unterstützenswert. Warum erheben wir in Europa und in den USA nicht einfach saftige Importzölle auf all den Schrott aus China, gefertigt unter menschenunwürdigen Bedingungen? Das verstehe ich wirklich nicht.
Gerade las ich, wie das Stadion für die Olympischen Spiele in Peking 2008 fertiggestellt wird. Die Arbeiter arbeiten in Schichten von 12 Stunden, 7 Tage die Woche, der Lohn beträgt ca. 190 sFr im Monat, davon werden noch Kost und Logis abgezogen. Die Arbeiter sind aus dem Norden, arme Bauern, die einige Missernten eingefahren hatten und ihr Glück in der Stadt suchten. Ausnützen einer Notlage, würde ich sagen! Kaum eine Chance für diese Menschen, ihr Glück zu finden.
Tja, und letzthin hat also eine deutsche Modefirma T-shirts bedrucken lassen mit dem Label "fuck you China", weil in China ihre Trendklamotten nachgeahmt wurden (sprich: gefälscht wurden) und zu viel tieferen Preisen abgesetzt wurden. Aber die hatten wohl nicht mit der Lawine von Protesten gerechnet. Tausende von Drohmails inkl. Morddrohungen gehen jeden Tag ein von patriotischen Chinesen, die sich in ihrer Ehre verletzt fühlen. Entschuldigung, da wird aber das Opfer zum Täter gemacht! Doch die Deutschen mussten tatsächlich beschwichtigen und sich entschuldigen. Hätte ich nie akzeptiert. Wir sind viel zu lieb zu den Chinesen. Ohne uns und unser grosses Verständnis für ihre Andersartigkeit wären sie nämlich kaum die Wirtschaftsmacht geworden, die sie jetzt sind (und die nur ein paar wenige Schamlose bereichert hat).
Ich muss zugeben, auch ich war der Meinung, dass der Wirtschaftsaufschwung dort automatisch eine demokratische Bewegung auslösen würde. Nun bin ich aber davon abgerückt. Ich glaube tatsächlich, dass die Elite in China schon weiss, wie das Volk weiterhin knechten und sich zu Diensten zu halten. Es wird keine Aenderung in der Gesellschaft geben, da die meisten Leute dort bitterarm bleiben werden, unter den Umweltzerstörungen leiden werden und ausgenützt, aber auch bedroht werden, sollten sie sich wehren.
China ist jedenfalls keine Wirtschaft, die wir bewundern sollten. Wir sollten sie eher verachten und ignorieren. Doch das geht ja nicht, denn auch bei uns wird mit chinesischen Billigprodukten Geld verdient. Es ist und bleibt einfach eine Tatsache, wenns ums Geld geht, dann geht die Moral flöten. Ueberall auf der Welt ist das so.

Der Horror der Cosa Nostra

In den Ferien hatte ich Gelegenheit, ein Buch von John Dickie zu lesen, welches minutös die Geschichte der sizilanischen Mafia (leider nur der aus Sizilien) nacherzählte. Es war erschütternd, frustrierend, traurig, aber gut geschrieben. Gemäss Dickie kann eine Mafia nur existieren, wenn der Staat zu schwach ist, sich durchzusetzen. Dies war in Italien stets der Fall, es ist immer noch so. Ferner ist es für die Mafia lebenswichtig, dass sie sich in die Politik einbringen kann, ebenfalls passiert in Italien und immer noch so.
Schlimm war der Anfang: Er erzählt von einer Geschichte eines Soldaten, der zufälligerweise in einem Dorf in Sizilien halt macht mit seiner Truppe und um Wasser bitten will, er wird Zeuge eines grausamen Zwischenfalls: er kommt just in dem Moment in die Scheune, als die Mittelsmänner zwischen den Landeignern und den Bauern die Ernte aufteilen. Für den Bauern fiel so wenig von der Ernte ab, dass er in Tränen ausbrach, als er an seine Familie dachte. Der Lohn für ein Jahr harte Arbeit reichte nicht zum Leben. Ich brach auch in Tränen aus, als ich das las. Es war so empörend.
Also die Mafia hat seit jeder den kleinen Bürger ausgenutzt und im Prinzip beraubt. Sie konnte sich stets mit Waffengewalt durchsetzen und die Leute in Angst versetzen, verständlicherweise! Hunderte wurden erschossen, nicht immer waren die "richtigen" dabei. Der Staat hat der Mafia immer die Erlaubnis gegeben, Waffen zu tragen. Es gab aber schon früh einen Polizeipräfekten, der genügend Beweise zusammentrug, dass die Mafia erstens existierte und zweitens eine kriminelle Organisation war. Jedoch wurde beim folgenden Prozess alles abgestritten von den Zeugen, die Angst um ihr Leben hatten. Das war im 19. Jahrhundert (!!!) Während der Zeit von Mussolini wurde rigoros gegen die Mafia vorgegangen, weil sie sich ja nicht an die geltenden Gesetze hielt. Jedoch hat man es nicht geschafft, sie auszumerzen. Sie hat sich dann auch in den USA ziemlich breit gemacht, der Heroinhandel nach dem Alkoholhandel während der Prohibition war eine sehr willkommene Einkommensquelle.
Als man endlich griffigere Gesetze in Italien verabschiedete, konnten einige Mafioso, die bereits in Haft waren, auch verurteilt werden. Aber das Unglaubliche für mich war: erstens, warum gerade in Italien? Warum wurde die Existenz so lange geleugnet? Und warum tat niemand etwas dagegen, wenn doch das gesamte Volk dabei ausgebeutet wurde?
Zu der ersten Frage antwortet Dickie wie bereits beschrieben: Ein schwacher Staat ist Voraussetzung, aber dann gilt das auch für die USA? Das hat er nicht beantwortet.
Zu der zweiten Frage: Alle Politiker haben profitiert, ausser denjenigen, die dagegen waren und konsequent ermordet oder zumindest eingeschüchtert wurden.
Dritte Frage: Konnte mir das Buch nicht beantworten, der Bürger hat anscheinend aufgegeben, resigniert. Was für ein schreckliches Land!
Als ich letzthin einen Artikel las über einen Italienkorrespondenten, der das Land verlassen musste, dachte ich ganz anders. Er schrieb über die Italiener als liebenswerte Staatsverweigerer. Ich seh das ein bisschen anders. Wenn also ein Volk sich das nicht bieten lassen will, dann hat es in einer Demokratie die Möglichkeit, etwas zu ändern. Wenn das nicht passiert, dann muss man fast sagen, selber schuld! Ich sehe jedenfalls Italien nicht in diesem verklärten Licht wie dieser Journalist.....
Es tut mir trotzdem leid für die, die sich nicht wehren können, auch heute noch nicht.... Ich würde aus Sizilien auswandern. Ist doch eh zu heiss dort im Sommer.

Der erwachsene Patient

Das Verhältnis der Kunden zu den Aerzten hat sich in den letzten dreissig Jahren entschieden gewandelt. Wenn früher die Aerzte Götter in Weiss waren, die man bewundert und verehrt hat und denen man niemals widersprochen hätte, so müssen sich diese heute einer neuen Realität anpassen. Es gibt internet, und es wird benutzt. Die Leute informieren sich. Sie mögen vielleicht oft falsch liegen, doch sie sind kritisch und vorsichtig und lassen sich keinen Bären aufbinden. Nun, natürlich kann das ganze auch in die Hosen gehen, wie damals, als ich einen Arzt suchte, der mich gegen Gelbfieber impfen würde. In der Schweiz kann das nur ein Tropenarzt, ein normaler darf das nicht, er kann den Impfstoff nicht mal bestellen. Ich also zum Tropenarzt, weil ich gelesen habe, nördlich von Namibia gäbe es Gelbfiebergefahr. Ich bekam die Impfung nicht. Bei der Konsultation sagte mir der Tropenarzt, mit „nördlich“ sei nicht Botswana oder Sambia gemeint, obwohl das auch nördlich liegt, sondern Sudan und so, also nördlich, aber nicht grad unmittelbar angrenzend. Da ich nicht in eine Gefahrenzone ging, bekam ich sie wie gesagt nicht. Ich hätte aber insistieren können oder auch lügen können, z.B. behaupten, dass ich nächstes Jahr nach Panama gehe.
Egal, die Impfung war auch sehr teuer, und auf Vorrat impfen ist wirklich doof.
Nun habe ich seit einem Jahr meine Borreliose mit drei Wochen Antibiotikatherapie bekämpft. Seit einigen Tagen aber tun mir sämtliche Gelenke weh, vor allem die Fingergelenke, die Hand- und Schultergelenke. Da fiel mir ein, dass mir eine Aertzin vom Blutspendedienst sagte, nach der Therapie müsse man unbedingt testen, ob die Bakterien verschwunden sind, und das macht man mit einem Titer. Da wird im Serum die Anzahl Antikörper bestimmt.
Ich also im internet unter Borreliose nachgesehen, und genau, Symptome dieser idiotischen Krankheit sind die beschriebenen Gelenkschmerzen, die sich wie Gicht oder Arthrose anfühlen (was ist der Unterschied zwischen Gicht und Arthrose? Egal). Ich also die nächste Arztpraxis kontaktiert und gefragt, ob ich zur Blutentnahme vorbeikommen dürfte, ich kann ja selber als Privatperson keinen Laborauftrag geben.
Ja, das ginge schon, beschied man mir, aber ich müsse kurz beim Arzt vorbeischauen. Genau das wollte ich nicht! Wieso muss ich immer dem Arzt die Hand schütteln, auch wenn ich keine einzige Frage habe, ich will nur als erwachsene Person meinen Titer bestimmen lassen, ich zahle die Laboruntersuchung ja selber! Wenn ich einen Arzt sehe, kostet das sofort mehrere Hundert Franken, und die zahle ich bei meinem grossen Selbstbehalt nämlich selber. Aber nein, das ist einfach ein Reflex bei den blöden Assistentinnen. Wer vorbei kommt, muss auch beim Arzt einen Termin wahrnehmen (und dann entsprechend fakturiert werden). All diese Schlaumeier, die sich ein Stück vom riesigen Gesundheitskuchen abschneiden wollen, die erhöhen unsere Kosten sinnlos. Es ist eine Frechheit, wenn mir eine Leistung aufgezwungen wird, die ich gar nicht will. Jetzt lasse ich halt meine Borreliose in mir wüten, wenn es denn das ist.
In einem Artikel in der Zeitung bringt der folgende Satz alles auf einen Punkt: "Keine berner Lebern für Zürcher". Hier wird nämlich schonungslos aufgezeigt, dass es den meisten Kliniken und Aertzen nicht primär ums Patientenwohl geht, sondern um Quoten (wieviele Transplantationen im Jahr, wie bedeutend sind wir, etc) und Prestige.
Wir können diese Haltung gern weiterführen: Schwule möchten nicht für Frauen spenden, Weisse nicht für Schwarze, ältere Leute nicht für Drogensüchtige, und so weiter. Für die persönliche Ausschlussliste braucht es dann eventuell ziemlich viel Platz auf der Spendekarte, hoffentlich wird das berücksichtigt.
Was ich vermisse, ist die öffentliche Debatte über Sinn und Unsinn einer Transplantation, die nota bene die Allgemeinheit bezahlt und die nicht gerade billig ist. Soll man jetzt einem Alkoholiker eine neue Leber bezahlen? Wie sinnvoll ist es denn, wenn ein über 80 jähriger noch ein neues Herz bekommt, nur weil er ein super urgent case ist, aber eventuell im nächsten Jahr sowieso stirbt?
Und überhaupt, ich verstehe das ganze Theater um den Organhandel nicht. Vor kurzem wurde ich als Blutspenderin abgelehnt, weil ich vor fünf Monaten Antibiotika nehmen musste. Dabei wird Blut bei Operationen oft literweise "verschwendet", d.h. oben rein und unten wieder raus. Aber wenn ich morgen als betrunkene Motorradfahrerin verunglücke, dann sind meine Leber und Nieren plötzlich wertvoll genug, 10 Jahre in einem anderen Menschen weiterzuleben?
Wer der breiten Bevölkerung einen Spendenausweis verkaufen will, muss sich schon ein bisschen mehr anstrengen, finde ich.

Sozialdemokraten

In letzter Zeit wurde viel darüber geschrieben, dass die Sozialdemokraten in ganz Europa Wahlen verlieren, letztes Wochenende auch in der Schweiz. Ich gehöre auch zu denen, die sie nicht mehr wählen. Der Grund liegt gemäss den Zeitungen am Unwillen, sich zu reformieren.
Nun, was soll man dazu sagen? Einerseits kann sich niemand mehr die Bähnler leisten, die in Frankreich mit 55 spätestens in Pension gehen, oder in Italien sogar noch früher. Auch in Deutschland streiken sie ja, jedoch müssen diese Leute einsehen: Sie sind nicht mehr finanzierbar! Dass es weh tut, zurückzukrebsen, kann jeder nachvollziehen, weshalb aber diese Einsicht fehlt, das kann niemand nachvollziehen. Ist doch nicht so schwer.
Amerikanische Verhältnisse will keiner, aber ein bisschen mehr Eigenverantwortung müsste doch zu verlangen sein. Man müsste das Volk allerdings in diese Richtung erziehen. Es will ja niemand den Kommunismus zurück, oder etwa doch? Waren die Leute dort glücklich und zufrieden, weil für sie gesorgt wurde? Braucht der Mensch eigentlich nur ein Nest, und dann ist alles gut? Braucht und will der Mensch gar keine Freiheiten, solange es ihm gut geht im Leben?
Egal wie, es ist nicht mehr finanzierbar, wenn der Staat sich um so viele Leute kümmern muss. Doch das Problem in Italien und Frankreich ist doch, dass die jungen Leute dort nicht aus der Misere rauskommen, wenn sie keine Jobs erhalten, die deutlich mehr als 1000 EUR bezahlen. Und das ist im Moment schon so, auch in Spanien übrigens. Wie soll man da mehr Eigenverantwortung entwickeln?
Was ich jedenfalls mal vorschlagen würde, ist, dass jeder Sozialhilfeempfänger etwas dafür tun muss, dass er Geld bekommt. Es gibt genug Arbeit für die Allgemeinheit, die niemand macht und die trotzdem getan werden müsste. Damit meine ich, dass die alleinerziehende Mutter, die nicht arbeiten kann, weil sie sich um die Kinder kümmern muss, und die keine Alimente bekommt, weil der Vater nicht zahlt, diese Frau würde dann in einer Krippe aushelfen (müssen), wo sie ihre Kinder mitnehmen könnte. Sie würde die (ausgebildete) Krippenleiterin nicht konkurrenzieren, sondern nur unterstützen. Der Handwerker, der nicht mehr auf dem Bau arbeiten kann und Invalidenrente erhält, dieser könnte (und müsste) stundenweise in einem Spital aushelfen, z.B. in der Küche oder im Lager, wo es leichte Arbeit gibt, die aber auch gemacht werden muss. Die über 50jährige Sekretärin, die keinen Job mehr findet, weil sie Mühe mit Computern hat, die kann jedenfalls mal ein paar Stunden täglich im örtlichen Altersheim aushelfen, und wenn es nur die Unterhaltung der Insassen ist, dafür hat das ausgebildete Personal keine Zeit mehr.
Jeder, der frühpensioniert wird, Invalidenrente bezieht oder Arbeitslosengeld, und erst recht jeder, der Sozialhilfe erhält, müsste dafür etwas tun. Das würde jedenfalls helfen, die Simulanten auszusortieren. Ich verstehe nicht, wieso sich niemand getraut, dieses Thema aufzunehmen. Die Mehrheit der Bevölkerung, die regulär arbeitet und die obigen Leistungen damit bezahlt, wäre sicher dafür.

Uebers Streiten

Am 9.10. kam im Tagesanzeiger ein interessanter Artikel über die Art zu streiten. Die Kunst zu streiten, sollte man eher sagen.
Erstens ist streiten ja prinzipiell gut. Man lernt den anderen kennen, seine Sichtweisen, seine Aengste, auch seine Schwächen. Gleichzeitig gibt man auch seine eigenen Schwächen preis. Hier beginnt das Problem. Man darf natürlich nicht persönlich werden oder gar beleidigend. Streiten soll konstruktiv sein, wie Kritik es ja auch sein soll.
Jetzt fallen die meisten aber darauf herein und machen viel falsch. Streiten will offenbar gelernt sein!
Die garantiert erfolglosen Streittypen gemäss diesem Artikel sind:
1) Taktik Weggehen: Lässt den Partner mit seinem Aerger allein und zieht sich zurück. Wer weggeht, hofft meist vergebens, dass er zurückgehalten wird. Der Streit wird nächstes Mal weitergehen.
2) Taktik Schweigen: Lässt den Partner auflaufen, gibt dem Partner durch Schweigen zu verstehen, dass er nicht mehr ernst genommen wird, was den anderen noch mehr anstachelt
3) Taktik Bündnissuche: Holt sich Unterstützung und Bestätigung für die eigene Haltung (und gegen den anderen) bei Freunden, gibt sich als Opfer. Senkt Friedensbemühungen dramatisch.
4) Taktik Sammeln von alten Geschichten: Bringt den Partner garantiert an die Decke und hält ihn dort, Warnzeichen für eine gefährliche Streitkultur
5) Taktik Moralisieren: Gibt dem Partner das Gefühl, ein Trottel zu sein oder wie einer gehandelt zu haben. Senkt die Dialogbereitschaft drastisch
6) Taktik Uebertreiben: Generalisieren, verallgemeinern: Eine Garantie, um Vertrauen zu zerstören und den Konflikt zu verlängern
7) Taktik Sarkastik: Mit Ironie oder gar Spott zu reagieren zeigt komplettes Desinteresse an der Lösung eines Konflikts. Anzeichen für einen nahenden SuperGAU einer Beziehung
8) Taktik Therapie: der Psychologe weiss alles besser, seine Ergebnisse sorgen dafür, dass der Fortsetzung des Streits nichts im Wege steht.

Leider erleben wir das nicht nur bei Kindern. Auch Leute, die meinen, erwachsen zu sein, bedienen sich dieser niederen Taktiken. Meines Erachtens ist das einerseit Ignoranz (Man muss Konfliktlösung mit Respekt für den anderen erlenen) und andererseits ein Zeichen für eigene Unsicherheit und Schwäche.

Das schlimmste ist, wenn Politiker und damit Staaten miteinander streiten und sich dieser Taktiken bedienen. Generell gilt anscheinend, je unterentwickelter, desto kindischer. Vielleicht auch nicht, wenn ich an die USA denke. Nehme das letzte zurück

Kinder aus der dritten Welt

Jetzt wollte doch diese französische Organisation Arche de Zoe über 100 Kinder aus dem Sudan nach Frankreich holen. Diese Kinder wären allerdings keine Sudanesen, sondern aus dem Tschad gewesen, heisst es in der Zeitung. Und es waren auch keine Waisen, jedenfalls die meisten nicht. Die ganze Welt prasselt mit Kritik auf diese Organisation ein. Dabei muss ich sagen, wenn 100 Kinder dem generellen Schicksal hätten entrinnen können, wäre das der berühmte Tropfen auf dem heissen Stein gewesen. Ja, wer von denen, die da gross aufschreien, kümmert sich denn um all die Flüchtlinge im Südsudan? Wer empört sich, wenn dort massenweise Leute missbraucht und beraubt werden, wenn sie selbst als Flüchtlinge dort in diesen Lagern keinerlei Schutz haben? Warum soll man nicht ein paar Kinder rausnehmen und ihnen eine bessere Zukunft bieten? Eigentlich gälte doch: Je mehr Kinder man da rausholen kann, desto besser (für die Kinder). Diese ganze Emotionalität wegen Kindern finde ich völlig daneben und ziemlich scheinheilig. Ja, kann ja sein, dass diese Kinder keine Waisen waren. Aber sie hätten eine bessere Zukunft vor sich gehabt. Wer schreit schon auf, wenn man rausfindet, dass dieses oder jenes Kleiderlabel mit Kinderzwangsarbeit fabriziert wurde? Schnell vergessen, dafür sind die Klamotten günstig. Sorry, da komme ich nicht mehr mit. Wir sollten wirklich wieder ein wenig distanzierter und emotionsloser an das Thema Kind herangehen und nicht immer unsere eigenen Sichten darauf projezieren. Zu dem Thema passt auch ein Leserbrief, der meinte, jedes Scheidungskind soll automatisch seiner Mutter zugesprochen werden (es ging um den Fall des italienischen Vaters, der das Sorgerecht bekam aber nicht seinen Sohn, weil die Mutter türmte). So ein Blödsinn, wirklich. Wer sagt denn, dass jedes Kind am besten aufgehoben ist bei der leiblichen Mutter? Wenn das stimmt, wieso gibt es dann so viel Elend? Ich hätte auch gern eine andere Mutter gehabt oder wäre gern woanders aufgewachsen. Nicht, weil wir im Elend lebten, wir waren Mittelstand. Sondern, weil es an emotionaler Wärme fehlte,die mir heute noch zu schaffen macht.
Durch meine Reisen und auch die täglichen Zeitungsartikel denke ich viel nach über die sogenannte dritte Welt. Dabei meinen wir ja einen sehr verschiedenartigen, grossen Anteil der Länder dieser Erde, und man kann sie kaum über einen Kamm scheren.
Was ich aber oft denke, ist das Schicksal der Kinder, die zufälligerweise in Armut geboren wurden und dort bleiben. Man sollte als Europäer ohne Probleme solche Kinder adoptieren können, mehr noch, sie sollten einem fast aufgeschwatzt werden, damit möglichst viele von ihrem Elend wegkommen. Aendern würde es zwar nichts, aber es gäbe ein paar bejammernswerte Schicksale weniger auf dieser Erde, und in unserem Land wäre es ein bisschen bunter.
Heutzutage macht man ja ein Riesentheater um Adoptionen, völlig übertrieben. Wer weiss schon oder wer erfrecht sich, um zu definieren, was es braucht, um ein Kind glücklich zu machen? Die Behörden mit ihren konservativen Wertvorstellungen? Lächerlich. Dieses Wochenende hatte es einen Artikel über ein Mädchen, das eine lesbische Mutter und einen schwulen Vater hat. Sie ist absolut nicht auf die schiefe Bahn gekommen und hat auch nicht gelitten, sicher hat sie mehr Wärme bekommen als ich.
Aber die Behörden erlauben Homosexuellen die Adoption nicht, sie erlauben sie auch nicht, wenn ein Paar berufstätig ist (die Frau muss daheim bleiben!) oder wenn ein bestimmtes Alter erreicht ist. Ich finde das absolut anmassend.
Andererseits kann sich jede ein Kind machen lassen oder sich eins holen, egal in welcher Situation, aber wenn es um Adoption geht, ist es was ganz anderes?
Es ist unglaublich. Ich bin ja so froh, dass ich keine Kinder will. Aber sogar bei mir hätte es manch Drittweltkind viel schöner und besser als in der Heimat.
Die Welt ist ungerecht, was will man da machen. Das wird niemals anders

Abgabe von Medikamenten und Sterbehilfe

Unser Parlament kam auf die wunderbare Idee, allen Aerzten erlauben zu wollen, Medikamente selber abzugeben. Ein Aufschrei geht durch die Reihen der Apotheker. Ich aber hoffe, dass sich das durchsetzt. Es ist doch einfach wichtig, die Medikamentenabgabe zu regeln, dass der Arzt nicht das teuerste Medikament verkaufen darf, sondern das gemäss Liste der Krankenkassen. Dann ist die Willkür eigentlich gebannt. Andererseits sind doch die Apotheken die Halsabschneider. Für jedes rezeptpflichtige Medikament verrechnen sie eine Pauschale, und wenn man zwei Packungen braucht, dann verrechnen sie die Pauschale doppelt! Sie nennen das „Beratungsbeitrag“, dabei brauch ich doch keine Beratung, nur das mir verschriebene Medikament. Dass es hier viel zu verdienen gibt, zeigt doch die Tatsache, dass es in der Stadt an jeder Ecke eine Apotheke gibt, manchmal läuft man in fünf Minuten an fünf Apotheken vorbei. Die sollen nicht jammern, sondern abspecken.
Ein anderes Thema, das unser Parlament beschäftigt: die aktive Sterbehilfe (vor allem bei Ausländern). Erlaubt ist es, aber nicht geregelt.
Das ist untypisch für die Schweiz, wo ja eigentlich alles geregelt ist. Da hat ein schlauer Geschäftsmann also eine Firma aufgezogen, die auch noch „Dignitas“ heisst, aber kein würdevolles Sterben ermöglicht. Jahrelang mussten die „Kunden“ in eine lieblos eingerichtete Stadtwohnung gehen, die sie dann im Sarg wieder verliessen, das kostete 5,000 sFr. (ohne Flug). Dann wurde die Benutzung dieser Wohnung für diese Zwecke verboten, und der Schlaumeier, der unterdessen Millionär ist, hat eine andere Wohnung ausserhalb der Stadt gemietet, mitten im Wohnquartier. Die Kinder kamen quasi beim Spielen den Leichenträgern in den Weg. Ja, das geht wirklich nicht, verstehe ich auch. Die Anwohner haben rekurriert und dem Typ wurde untersagt, weitere Leute dort sterben zu lassen. Dann nahm der die Leute zu sich nach Hause, aber das wurde auch verboten (dabei ist das sein Haus). Unterdessen verenden die Leute auf einem Parkplatz in einem Auto. Mich wundert, wie das eigentlich immer rauskommt, wird der Mann ständig beschattet?
Na ja. Meine Meinung dazu: Sterben gehört zum Leben, und ich finde, jeder hat das Recht, zu sterben, wann und wie er will. Unsere blöde christliche Tradition kommt uns hier in die Quere, aber sie wird den Trend zu immer mehr Selbstbestimmung und Individualismus nicht aufhalten können, deren letzte Konsequenz eben das selbstbestimmte Sterben ist. Darum täte der Staat gut daran, die Leute gleich selber ins Jenseits zu befördern. Das würde als erstes Mal Kosten sparen dort, wo man nach einem Suizid aufräumen muss (wenn sich einer vor den Zug wirft oder von der Brücke springt, hinterlässt er wohl nicht viel Appetitliches) oder teure Behandlungen durch die Krankenkasse tragen muss, die vom Patienten nicht mehr erwünscht sind.
Es würde zweitens dann mit der Heuchelei aus unserer christlichen Kultur aufhören, dass das Leben in jedem Fall schützenswert ist. Ich mein, wenn Krieg ist, werden junge Männer im besten Alter auch bedenkenlos geopfert. Es wird Zeit, hier mal Farbe zu bekennen.

Populismus in der Politik

Immer noch jage ich dem Phänomen "Populismus" in der Politik nach, und immer hatte ich mich gefragt, wie es sein kann, dass die Leute sich so plump fangen lassen. Nachdem ich aber etwas nachgefragt habe und diverse Artikel zu dem Thema gelesen habe, bin ich zum Schluss gekommen, dass es das Thema "Sozialschmarozer" ist, was die Leute hierzulande reihenweise in die Arme der SVP treibt, nichts anderes.
Nun, warum ist das so? Ein paar wenige, reisserisch aufgemachte Artikel gaben den Leuten das Gefühl, da werde reihenweise Geld in Sozialbezüger gestopft, die zum Schluss mehr verdienen als die, die den ganzen Tag krampfen. Warum aber ist das für die Leute frustrierender als ein Hr Vasella, der 44 Mio CHF im Jahr verdient? Der macht wohl bei einer Pinkelpause so viel wie ein Handwerker in einem Jahr, wieso empört das die Leute nicht in gleicher Weise? Ich glaub, es liegt am Status. Der Sozialhilfeempfänger ist einer von uns, gleiche Stufe, nichts besseres. Er ist einfach schlau, und er ertrügt sich die Leistungen vom Staat, den wir mit unseren hart verdienten Steuergeldern füttern. Das empört wohl die Leute, es ist einer von ihnen, aber schlauer oder frecher. Die Leute sind einfach neidisch und missgünstig, eine normale menschliche Reaktion.
Gut, niemand kann das wirklich gut finden, dass es Leute gibt, die mehr verdienen, wenn sie nicht arbeiten als wenn sie arbeiten. Aber hier tut einfach Aufklärung not. Wenn es so ist, dass es den Leuten zu einfach gemacht wird, Sozialhilfe zu empfangen, muss man das ändern. Ausserdem muss man Transparenz schaffen. Der Schweizer ist arbeitsam und hat es nicht gern, wenn sich andere auf die faule Haut legen. Dem muss vor allem die SP mal Rechnung tragen, das ist wirklich nicht so schwer zu verstehen.
Des weiteren möchte ich auf meinen früheren Erguss verweisen: Man sollte kein Sozialhilfegeld umsonst bekommen, man müsste die Leute dazu zwingen, etwas dafür zu tun, was dem Allgemeinwohl zugute kommt. Und schon wäre das Phänomen SVP (denen es ja schlussendlich auch nur um den eigenen Geldbeutel geht) erledigt und erlegt.

Tägliche Sorgen im Arbeitsalltag

Ich war in einem kleinen Workshop und habe dort folgendes mitgenommen, was ich jetzt unbedingt aufschreiben muss, damit ich es nicht vergesse:
Wenn sich die Stimmung aufheizt, wie das in letzter Zeit häufig der Fall ist, wenn mein Teamleiter anfängt, mich anzuschreien, dann nützt es absolut nichts, wenn ich zurückschreie (also soweit bin ich selber schon gekommen). Stattdessen sollte ich mal drei Sekunden schweigen, Luft holen. Und dann leise sprechen. Je lauter er wird, desto leiser sollte ich werden. Muss ich sofort ausprobieren. Gelegenheit dazu hab ich ja genug.
Wenn man zum Kunden (und auch zum Chef) mit Problemen geht, dann soll man gleich eine Lösung mitbringen. Das ist eine alte Erkenntnis. Aber man soll seinen Problembeschrieb mit dem Hinweis einleiten, ob man nur informiert oder eine Entscheidung braucht. Nur, bei meinem jetzigen Teamleiter funktioniert das genau nicht. Er ist erstens misstrauisch, zweitens ein Kontrollfreak, der alles genau wissen will, weil er Angst hat, dass sonst noch ein Folgeproblem auftaucht, das ihm Probleme bereiten kann. Und deshalb will er sich immer einmischen und mich nicht machen lassen. Genau genommen überlässt er mir nur die dumme Knochenarbeit, z.B. Zahlen abgleichen und so, was jedes Kind machen könnte. Aber fachliche Lösungen für Probleme zu finden, das macht er ohne mich, obwohl er fachlich viel weniger drauf hat wie ich. Dementsprechend ist das Resultat.
Dazu passt, dass er selbständig entschiedene Lösungen nicht akzeptiert. Lösungen müssen von ihm kommen. Dieser Mann nervt. Und er soll jetzt mit seinem super Ehrgeiz, mit dem er über Leichen geht, auch noch für das ganze Projekt zuständig sein. Wie soll das gehen? Es wird noch mehr Leute haben ausser mir, die sich das nicht gefallen lassen, zu Recht! Wir sind Hochleistungsberater (sein Spruch, nicht meiner), also sind wir auch selbständig denkene Wesen.
Wir lassen uns doch nicht gängeln, auf Sitzungen nach 17 Uhr oder gar um 12 Uhr einladen, zu Wochenendarbeit zwingen, nur weil er falsch entschieden oder geplant hat. Wie kann man nur auf die Idee kommen, einen Mann, der so wenig soft skills hat, einer Truppe von 30 Leuten vorzustehen? Woher hat der überhaupt diesen Ehrgeiz und wozu? Diese Leute sind eh immer suspekt, müssen irgend ein persönliches Defizit kompensieren, ansonsten wäre das nicht zu erklären.
Aber die Alternative ist ein hysterischer alter Jude, der kaum akzeptieren kann, dass wir Israel gegenüber kritisch eingestellt sind (sorry, Israel ist in unseren Augen der eindeutige Aggressor). Gut, wir reden nun nicht mehr über Nahost Politik im Büro, da er sich so aufregt. Aber abgesehen davon regt er sich auch sonst über alle Kleinigkeiten auf, stilisiert alles als showstopper oder Prio 1 hoch, bringt einen deshalb dazu, alles stehen und liegen zu lassen. Meine Güte. Keine verlockenden Aussichten. Gibts eigentlich irgendwo auch einen normalen, akzeptablen Chef für eine normale, interessierte und durchaus leistungsbereite IT Beraterin? Hey, ich möchte auch abwechslungsreiche Arbeit haben! Aber ich möchte auch zu einer normalen Zeit heimgehen dürfen, ich möchte am Wochenende auspannen dürfen. Ich glaub, ich spinne. Warum in aller Welt sehen das die anderen nicht? Bin ich am Ende diejenige, die falsch liegt? Aber woher kommt dann dieses konstante Umwohlsein?
Jedenfalls, eins ist sicher. Eine Firma, die solche Leute zu Managern macht, eine solche Firma kann man nicht weiterempfehlen. Wir wurden aufgefordert, Kollegen und Freunde abzuwerben. Aber genau das ist ja heikel. Später geht noch die Freundschaft darüber kaputt.
Also ich empfehle niemanden mehr, denn genau da die soft skills fehlen, werden die potentiellen Bewerber auch wochenlang ohne Antwort im Dunkeln gelassen.... Mann, es wäre so einfach! Ich begreifs nicht

Zum Thema Religion

Letzthin habe ich mir einen Faux pas geleistet. Muss auch ab und zu sein. In einer Runde von mir und drei Männern sagte ich in der Kaffeepause, dass ich mir nicht vorstellen könnte, wie ein intelligenter, gut ausgebildeter Mensch an Gott glauben könne, das sei doch nur etwas für die Dritte Welt, wo die Massen vegetieren und keine anderen Hoffnungen haben als die Religion. Nun, es hatte vielleicht den einen oder anderen Zuhörer am Tisch, der trotzdem an Gott glaubt, aber auch intelligent und gebildet ist......
Man muss eben schon aufpassen mit seiner Meinung rausposaunen. Man könnte andere verletzen. Hab ich wohl auch.
Trotzdem bleibe ich dabei. Religion ist nicht Opium fürs Volk, sondern eher Beruhigungsmittel für die Leidenden und Hoffnungslosen. Habe gerade eine Zusammenfassung von Nietsche’s letztem Buch gelesen, das heisst „Also sprach Zarathustra“. (Wusste gar nicht, dass dieser bekannte Titel ein Buchtitel von ihm ist. Auch „Jenseits von Gut und Böse“ ist offenbar ein Buchtitel von Nietsche)
Also Nietsche schrieb schon vor gut 130 Jahren, dass Gott tot sei. Ich war baff, da ich nicht gedacht hätte, dass diese Idee schon so alt ist und immer noch nicht in den Köpfen der Leute festgenagelt ist. So wie die Evolutionstheorie z.B., die ist glaub ich den meisten klar heutzutage.
Na ja, die katholische Kirche also, die hat nichts besseres zu tun, als öffentlich darüber nachzudenken, ob sie sich nicht vom Staat lösen soll. Erstens war ich der Meinung, wir hätten schon einen von der Kirche getrennten Staat, und zweitens finde ich, wenn nicht, dann ist es höchste Zeit. Ja, wozu sollte der Staat noch Steuern eintreiben für diese nutzlose Institution? Klar, trennen, sofort! Der Grund für diesen Aufstand von Seiten der kath. Kirche ist zwar ein anderer: sie hat von einem weltlichen Gericht auf den Deckel bekommen. Sie wollten einen Pfarrer loswerden, der gegen die Obrigkeit gewettert hat (huch, welch Sünde!), aber die Gemeinde wollte den Pfarrer behalten, und der hat also geklagt und Recht bekommen. Er darf bleiben, obwohl er die Erlaubnis, seine seelsorgerischen Tätigkeiten auszuüben, von der Kirche aberkannt bekommen hat (wie auch immer das heisst in deren Sprache). Denn er ist demokratisch gewählt worden von seiner Gemeinde in Basel Land. Da die kath. Kirche absolut autoritär organisiert ist, akzeptiert sie einen solchen Entscheid natürlich nicht. Demokratie, was ist das ausser eine lästige Krankheit?
Leider leider hat Herr Bischof nicht bedacht, dass er auf Kosten seiner Gläubiger (entschuldigung: seiner Gläubigen) in einem Schloss sehr konfortabel wohnt und dass bei einer solchen Trennung etwas anders wäre. Plötzlich wäre nur noch eine profane 3 Zimmer Wohnung finanziell verkraftbar! Stellt Euch das mal vor.
Nur zu, Herr Bischof, entsagen Sie der Welt! Zeigen Sie uns allen, dass Sie uns nicht brauchen und unser Geld, dass Sie auch von Luft und Liebe zu Gott allein leben können. Die Nicht-Gläubigen werden es Ihnen danken.
Ach, und übrigens: Meiner Meinung nach ist die Hysterie in Sudan wegen der englischen Lehrerin, die es ihren Schülern erlaubte, einen Teddy „Mohamed“ zu nennen, typisch und untermalt meine These. Religion als Bewegungskanal für die elenden Massen. Die Sudanesen gehören zu den geschundensten und ausgebeutetsten Völkern der Erde. Ein paar wenige bereichern sich am Oel, der Rest darbt dahin. Um das Volk von diesem himmelschreienden Unrecht abzulenken, wird der Religionsgeist heraufbeschworen. Und da kommt ein Dummchen wie diese Lehrerin gerade recht (was macht eine solche Ignorantin eigentlich in so einem Land???). Das Volk will sie hinrichten. Das lenkt ab und kommt denen zugute, die sich derweil im Speck wie Maden fettfressen. Während die anderen darben und auch elendlich zugrunde gehen, wie z.B. in Darfur, wo ja niemand hindarf. Man könnte ja das Unrecht dort sehen, dokumentieren, verurteilen.
Und vielleicht sogar weiteres Unrecht verhindern.
Soweit mein Eindruck zum Thema Religion

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